Kolumne

Kinderkram: Ist man mit Kindern jemals aus dem Gröbsten raus?

Oft habe ich dieses Bonmot schon gehört: «Jetzt, wo die Kinder aus dem Gröbsten raus sind.»

Katharina Rutz
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Sind unsere Kinder mit dem Schulübertritt wirklich aus dem Gröbsten raus?

Sind unsere Kinder mit dem Schulübertritt wirklich aus dem Gröbsten raus?


Benjamin Manser

Irgendwie klingt es in meinen Ohren aus Gesprächen mit Müttern nach, als ich noch keine Kinder hatte. Heute springt es mich geradezu aus den Köpfen meiner Mitmütter an, die noch Kleinkinder zu Hause haben. Zusammen mit einem neidischen Blick: «Jetzt hast Du ja wieder mehr Zeit», sagen sie. «Du bist aus dem Gröbsten raus», sagen sie.

Aber ist man mit Kindern jemals aus dem Gröbsten raus?

Meiner Erfahrung nach taugt dieser Spruch nichts. Denn eigentlich hatte bisher jedes Alter und jede Phase ihre wunderschönen Momente und sehr anstrengenden Zeiten.

Mit dem Schulübertritt meiner Älteren schlich sich nun vollends so eine Ahnung ein, dass das aus dem «Gröbsten raus sein» vielleicht gar nie eintrifft. Dann wenn zum Beispiel Dein Schulkind (zum Glück nicht meins) jeden Morgen weint, wenn es zur Schule soll, fängt ja das Gröbste mit der Schulzeit erst richtig an.

Zu allem Übel bin ich heute noch zufällig auf einen Beitrag in einem meiner gern gelesenen Familienblogs «Die Angelones» gestossen. Rita Angelone, Mutter von zwei Jungs im Alter von 14 und 12 Jahren, beschreibt darin genau das:

«Ihr kennt den Begriff der umgekehrten Proportionalität. Also, wenn ein Wert grösser und der andere im gleichen Verhältnis dazu kleiner wird. Genauso verhält es sich mit dem Alter von Kindern und der Freiheit von Eltern.»

Sie meint damit, dass ihre Freiräume und damit die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf grösser waren, als ihre Kinder klein waren und in die Krippe gingen. Heute, wo sie in der Oberstufe sind, hätten ihre Jungs an jedem einzelnen Tag einen unterschiedlichen Stundenplan. «Von frühmorgens bis spätabends herrscht in der Casa Angelone ein emsiges Kommen und Gehen. Parallel dazu sind meine Freiräume in diesen ersten Schulwochen gegen null geschrumpft», schreibt sie.

Voilà, man ist nie aus dem Gröbsten raus. Somit bleibt mein Lieblings-Mama-Bonmot:

Es ist alles nur eine Phase.
Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Hauptberuflich Mami von Lilly (6)
und Sarah (5), nebenberuflich
Journalistin, Bäuerin und
Pferdenärrin.