Kinderkram: Ein Vaterschaftsurlaub macht noch keinen guten Vater

Die Schweiz wird ab dem Jahr 2021 ein Land mit Vaterschaftsurlaub sein. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung der Gleichstellung und zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Frau – wenn auch ein winziger.

Katharina Rutz
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Gute Väter, die sich aktiv in der Kinderbetreuung beteiligen, gab es auch schon vor dem Vaterschaftsurlaub.

Gute Väter, die sich aktiv in der Kinderbetreuung beteiligen, gab es auch schon vor dem Vaterschaftsurlaub.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Allerdings komme ich nicht umhin zu behaupten: Auch ein zwei wöchiger Vaterschaftsurlaub macht aus einem Vater noch nicht automatisch einen guten Vater, einen der seine Verantwortung im Sinne der Gleichstellung wahrnimmt. Als ich meinen Mann kennengelernt habe, war für mich ziemlich schnell klar, dass wäre jetzt einer für eine Familie.

Dass er ein guter Vater werden würde, daran habe ich nie eine Sekunde gezweifelt.

Kürzlich habe ich also von meinem Landwirt und besten Vater für meine Kinder in einer Forumsdiskussion vorgeschwärmt, wo es um die Fremdbetreuung ging. Ich sagte, da mein Mann als Landwirt sozusagen 24/7 «Homeoffice» macht, könne er auch immer für die Kinder da sein, zusammen mit meiner Schwiegermutter, wenn ich arbeite.

Prompt antwortete mir eine Frau, deren Landwirt sich offenbar «nie aktiv eine halbe Stunde um den zweijährigen Mini» kümmert. Die Arbeit gehe immer vor.

Das ist natürlich schon so, die Arbeit auf einem landwirtschaftlichen Betrieb endet niemals und oft lassen sich die Dinge nicht aufschieben.

Dann geht die Arbeit tatsächlich vor und es ist meine Aufgabe, mich um die Familiendinge zu kümmern. Allerdings gibt es nichts an Familienaufgaben, was mein Mann nicht auch schon übernommen hätte: wickeln, füttern, trösten und verarzten, Schleichställe aufbauen, Puppen suchen, unterstützen und beibringen, Batterien an ferngesteuerten Traktoren auswechseln.

Sobald die Mädchen gross genug waren, hat er sie selbstverständlich bei den landwirtschaftlichen Arbeiten mitgenommen, zum Melken, auf den Traktor.

Wenn ich arbeite, nimmt er die Zahnarzttermine wahr und die Schultermine, wenn ich krank bin. Ich könnte Ihnen noch lange vorschwärmen.

Tatsache ist: Die Politik macht keine guten Väter, aber sie kann für gute Rahmenbedingungen sorgen.

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Hauptberuflich Mami von Lilly (6)
und Sarah (5), nebenberuflich
Journalistin, Bäuerin und
Pferdenärrin.