Kolumne

Kinderkram: Dürfen Ihre Kinder noch spielen?

Kürzlich gab es wieder einen dieser Artikel in dieser Zeitung mit dem Titel: «Kinder sollen wieder mehr spielen: Schluss mit Förderkursen.» Ich habe ihn nicht gelesen. Schon wieder diese Leier, dachte ich.

Katharina Rutz
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Meine Kinder im Windschutz neben unserem Feld.

Meine Kinder im Windschutz neben unserem Feld.

Katharina Rutz

Wie viele Male habe ich das jetzt schon gehört. Kinder können nicht mehr frei spielen. Die Kinder haben zu wenig Zeit zum Spielen? Ich kann einfach nicht glauben, dass es Familien gibt, wo das so sein soll. Ich kenne keine.

Artikel im Altpapier, Fall abgeschlossen.

Ein paar Tage später erhielt ich wie alle Eltern unserer Schule von Kindergarten bis Mittelstufe eine E-Mail des Schulleiters höchstpersönlich. Er versandte den Link zu eben diesem Artikel mit einer «Lese-Hausaufgabe» für die Eltern. Im Dezember ist an unserer Schule hausaufgabenfreie Zeit. Er legte also uns Eltern ans Herz, die Zeit doch zu nutzen, um mehr zu spielen und raus in den Wald zu gehen.

Echt jetzt?

Na gut, wir haben einen Bauernhof. Wir haben jeden Tag mehrmals etwas draussen zu erledigen. Entweder morgens und abends bei den Tieren oder tagsüber auf dem Feld. Die Kinder müssen da meistens mit. Sie sind also häufig draussen und dass sie sich derweil auch oft selber - sprich frei spielend - beschäftigen müssen, darüber habe ich schon öfter geschrieben.

Aber sagen Sie mir jetzt, was sollte ich denn mit meinen beiden Kindern anfangen, hätte ich keinen Bauernhof? Das habe ich mir tatsächlich schon oft überlegt.

Geht man da nicht auch raus? Macht man kein Feuer und brät eine Wurst am Stecken? Treffen sich denn die Kinder nicht auch spontan im Hinterhof, bauen sich Plattformen in Bäumen und palavern ein wenig? Alle Spielplätze, Quartierstrassen und Familiengrillstellen wären ja tatsächlich ständig leer ...

Wie sieht Ihr Programm denn aus? Wie viel freie Zeit zum Spielen gibt es darin?

Übrigens, den Artikel habe ich dann doch noch gelesen.

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Hauptberuflich Mami von Lilly (5)
und Sarah (4), nebenberuflich
Journalistin, Bäuerin und
Pferdenärrin.