Kinderkram: Die Buben lernen fair zu kämpfen – und die Mädchen?

Bisher habe ich mir die grösste Mühe gegeben, meine Mädchen nicht in die typischen weiblichen Rollen hineinzudrängen. Jetzt haben sie im Kindergarten ein geschlechtergetrenntes Programm.

Katharina Rutz
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Die Kindergärtler lernen in einem Kurs fair zu kämpfen, also nur die Buben.

Die Kindergärtler lernen in einem Kurs fair zu kämpfen, also nur die Buben.

Susann Basler

Autos und Traktoren gehörten bei uns seit jeher genauso dazu wie Puppen. Während die ältere Tochter nun dennoch auf Rosa steht und lieber etwas im Haushalt hilft, ist die jüngere eher wie ein Junge gekleidet und liebt es, ihren Vater bei Arbeiten auf dem Traktor zu begleiten.

Ich klopfe mir auf die Schultern und denke: Alles richtig gemacht, die Mädchen machen genau das, was sie wollen und nicht das, was sie sollen, weil sie Mädchen sind.

Und dann bekam ich Post vom Kindergarten.

Der Titel heisst: Faire Jungs.

Die Jungs gehen also in den kommenden Wochen viermal in eine Stunde mit dem Namen «Kampfesspiele», um zu lernen, wie sie sich fair zu raufen haben. Die Mädchen bleiben im Kindergarten und machen ebenfalls etwas zum Thema soziales Lernen.

Gefühlte tausend Fragezeichen explodierten in meinem Kopf. Inzwischen habe ich unter faire-jungs.ch nachgelesen, um was es geht.

Die Fragezeichen verschwanden nicht.

Klar, es gibt immer Ausnahmen. Aber haben denn diese Jungs keine Väter oder Grossväter, die ihnen ein Vorbild sind, wie sich Männer fair verhalten? Dürfen denn Kinder, egal ob Mädchen oder Junge, heute nicht mehr raufen, ohne dass sie dabei von einem Sozialpädagogen angeleitet werden? Wie lernen Mädchen denn nun etwas über Fairness? Und raufen sich denn andere Mädchen nie?

Ich nehme an, unsere Schule hat ihre Gründe für dieses Angebot. Die Frage ist, muss ich die verstehen?

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Hauptberuflich Mami von Lilly (5)
und Sarah (4), nebenberuflich
Journalistin, Bäuerin und
Pferdenärrin.