Kolumne

Kinderkram: Das grosse Backen – oder die Sache mit der Autonomie

Irgendwann wächst mit den Fähigkeiten der Kinder, zum Beispiel beim Backen, genauso das Bedürfnis nach Autonomie: «Dieser Kuchen gehört mir, ich habe ihn gemacht».

Katharina Rutz
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Lilly und ich lieben es, einfache Torten zu backen.

Lilly und ich lieben es, einfache Torten zu backen.

Katharina Rutz

Lilly und ich backen unheimlich gerne. Während sich ihre Hilfe dabei lange Zeit auf das Ablecken der Teigreste auf den verschiedenen Utensilien beschränkte, ist sie mittlerweile so geschickt, dass sie die Eier selber trennen kann und weiss, wie die richtige Konsistenz von steif geschlagenem Eiweiss sein muss.

Da freut sich natürlich das stolze Mutterherz.

Ausserdem ist das Backen ein guter Trick, um sie vom Bildschirm wegzuholen. Wie übrigens jegliche für sie genügend interessante Herausforderung. Während ich also die langwierige und nervenaufreibende Diskussion über das Ausschalten von «Horseland» umgehe, backen wir einfach einen Kuchen. Dauert genauso lange und hat einen süssen Mehrwert, über den sich auch der Papa und die Schwester freuen.

Nun, die für meinen Trick benötigten Herausforderungen steigen mit dem Alter von Lilly ebenfalls kontinuierlich an. Wir sind aktuell auf dem Level:

«Du darfst den Kuchen ganz alleine backen, ich helf dir nur ein wenig.»

Tatsächlich hat das Backen des Biskuits tadellos geklappt. Ich war nur das Hilfspersonal, welches beim Abmessen und Lesen helfen musste und einmal noch der Teigschüsselhalter.

Das war letzte Woche kurz vor dem wegen Corona lange hinausgezögerten Besuch meiner Schwester bei uns. Logisch war mein Hintergedanke, dass wir dann gleich die Erdbeertorte für das Kaffeekränzchen im Garten hätten.

Ganz ist die Rechnung allerdings nicht aufgegangen.

Die Kehrseite der neu gewonnenen Fähigkeiten, der Selbstständigkeit und des Stolzes, welche die Kinder im Laufe ihrer Entwicklung so wunderbar erfahren, ist die: Wir hatten am Sonntag keinen Kuchen. Weil:

«Ich habe diesen Kuchen gemacht, er gehört mir und wir essen ihn erst am Dienstag.»

Das Autonomiebedürfnis wächst mit. Da hatte ich meine Quittung, es gab keine Erdbeertorte am Sonntag. Glücklicherweise hatte ich am Samstag zusätzlich noch einen Rhabarberkuchen gebacken, der beim Besuch auch sehr gut ankam und schliesslich auch gegessen werden musste.

Selbstverständlich bin ich trotzdem unheimlich stolz auf meine kleine Bäckerin. Und wenn wir dann am Sonntagabend zusammen aufs Sofa gekuschelt «Das grosse Backen» im TV gucken, dann ist es einfach nur so richtig schön, Mutter zu sein.

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Hauptberuflich Mami von Lilly (6)
und Sarah (5), nebenberuflich
Journalistin, Bäuerin und
Pferdenärrin.