Kinder nicht in einen Topf stecken: Masterarbeit einer Buchserin liefert wertvolle Erkenntnisse

Anja Solenthaler aus Buchs wurde mit dem Schweizerischen Nachwuchspreis Heilpädagogik ausgezeichnet. Ihre Masterarbeit liegt nun in Buchform vor.

Heidy Beyeler
Merken
Drucken
Teilen
Zur Entspannung trainiert Anja Solenthaler in der Freizeit ihre Katzen für den gelungenen Sprung durch den Ring.

Zur Entspannung trainiert Anja Solenthaler in der Freizeit ihre Katzen für den gelungenen Sprung durch den Ring.

Bild: Heidy Beyeler

Anja Solenthaler aus Buchs wurde von der Stiftung Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik (SZH) mit dem Nachwuchspreis 2019 für Heilpädagogik ausgezeichnet.

Jetzt liegt ihre Masterarbeit als Buch vor, mit dem Titel «Therapie, Fussball oder Videospiele – was wirkt?» Es dient als Übersichtsarbeit, welche die Wirksamkeit verschiedener Interventionsarten bei Kindern im Alter bis zu zehn Jahren mit einer umschriebenen Entwicklungsstörung der motorischen Funktion (UEMF) aufzeigt.

Nicht überall wirksame Behandlungsangebote

Jedes Kind ist von Geburt an ein Individuum, eine einmalige Persönlichkeit, betont Anja Solenthaler. Bei manchen Kindern manifestieren sich in den ersten Lebensjahren Entwicklungsauffälligkeiten wie die UEMF. Inzwischen gibt es einige Erfahrungen mit Kindern, die von einer UEMF betroffen sind. Allerdings sind nicht überall wirksame Behandlungsangebote vorhanden.

Genau dort setzte Anja Solenthaler mit ihrer Masterarbeit an, im Wissen, dass nicht nur herkömmliche therapeutische Methoden zur Behandlung von allfälligen UEMF wirksam sind. Es ist erwiesen, dass bei Menschen mit motorischen Schwierigkeiten häufig auch emotionale Entwicklungsbereiche einhergehen, die es zur Genesung ebenfalls zu berücksichtigen gilt.

Fokus auf wirksamste Verfahren

Im Vorwort zur Masterarbeit, die nun in überarbeiteter Version als Buch vorliegt, schreibt Bernhard Hauser, Studienleiter «Master in frühkindlicher Bildung» an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen: «Kinder haben ein Anrecht darauf, möglichst gut gefördert zu werden.» Es sei schlicht unprofessionell, sich nicht an den wirksamsten Verfahren zu orientieren. «Deshalb ist das vorliegende Buch für die Therapie bei Entwicklungsstörungen durch wirksame Interventionen von besonderem Wert.»

Die Masterarbeit mit den gewonnenen Erkenntnissen bietet die Chance, den Blickwinkel in Bezug auf Therapiemöglichkeiten zu öffnen. Bernhard Hauser zeigte sich überrascht von Solenthalers erarbeiteten Kernbefunden.

Ein vielversprechender Behandlungsansatz

Obwohl die therapeutischen Interventionen erwartungsgemäss die grösste Wirksamkeit entfalten, fällt die doch beachtliche Wirksamkeit von Interventionen aus dem Bereich des herkömmlichen Sports – «vor allem des Fussball- und Tischtennis- Trainings» – auf. Sie deuten auf Anregungen hin, die aus dem spielerisch, sportlichen oder emotionalen Bereich genutzt werden können.

«Diese Befunde legen eine engere Kooperation von therapeutischen Fachpersonen mit ausgewählten Sportvereinen nahe», betont Hauser. «Das könnte ein durchaus vielversprechender, wirksamer Behandlungsansatz sein.»

Forschung und Praxis vereinen

Wegen Anja Solenthalers beruflichem Hintergrund als Psychomotorik-Therapeutin war es ihr ein Anliegen, auch das bislang wenig erforschte Berufsfeld der Psychomotorik-Therapie in die Arbeit einzubeziehen. In der Einleitung zum Buch heisst es denn auch:

«Die Psychomotorik-Therapie ist nach wie vor eine wenig erforschte Intervention bzw. Behandlung. Die Frage nach ihrer Wirksamkeit ist weitgehend ungeklärt.»

Im Gespräch mit Anja Solenthaler wird deutlich, dass die Forschung rund um das Thema Psychomotorik sie fasziniert.

Dabei könne sie für Kinder bis zu zehn Jahren weitere Erkenntnisse erwerben zu wirksamen Interventionen, sowohl im motorischen wie auch im psychologischen Bereich. Will sagen: Sie arbeitet weiterhin in der Praxis und hält ihre Augen in Richtung Forschung offen.