Region Werdenberg: Kinder mit Beeinträchtigung turnen mit viel Tatendrang

Neun Kinder mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen turnen seit Oktober als Werdenberger Procap Sportgruppe Rhii gemeinsam in Grabs.

Hanspeter Thurnherr
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Die Kinder haben Spass an der Stafette über den Hindernisparcours.

Die Kinder haben Spass an der Stafette über den Hindernisparcours.

Bild: Hanspeter Thurnherr

Die Kinder sitzen anfänglich im Kreis in der Turnhalle Unterdorf. Es ist die Gelegenheit, zu erzählen, was sie beschäftigt oder was sie in den vergangenen Tagen erlebt haben. Denn zuvor hat sich gezeigt, dass sie voller Energie und Tatendrang sind. «Die Kinder müssen zuerst ein wenig herunterfahren können», sagt Ilaria Russomanno, die zusammen mit Nicole Iseli und Igor Specken diese besondere Turnstunde leitet. Besonders deshalb, weil es sich bei der Sportgruppe Rhii um neun Kinder mit ganz unterschiedlichen Beeinträchtigungen handelt.

Die Kinder lernen als Erstes, ruhig zu sitzen

Diese Procap-Sportgruppe gibt es seit Oktober letzten Jahres. Anfänglich waren es drei Kinder, beim zweiten Mal schon neun.

«Wir haben rasch gemerkt, dass es, wie ursprünglich vorgesehen, mit zwei Leiterinnen nicht geht. Wir kannten vorher die Kinder nicht und stellten schnell fest, dass die Turnstunde den Fähigkeiten der Kinder angepasst werden musste»,

sagt die verantwortliche Leiterin Nicole Iseli. Die Kinder lernten als Erstes, Regeln, wie ruhig zu sitzen und zu hören, einzuhalten. Da kommt den drei Leiterinnen ihre unterschiedlichen Ausbildungen und Erfahrungen zu Hilfe. Die eidg. dipl. Arbeitsagogin Nicole Iseli arbeitete bei der Stiftung Arwole in Sargans, die Menschen mit einer Lern-, geistigen, körperlichen oder psychischen Behinderung betreut.

Nicole Iseli ist zudem ausgebildete Behindertensport-Leiterin und trainiert ein Procap-Basketballteam. «Mit Kindern zu turnen, ist ebenfalls spannend, aber doch in vielem anders und herausfordernd», sagt sie. Ilaria Russomanno arbeitet in der Heilpädagogischen Schule Trübbach und ist in Ausbildung zur Assistentin Behindertensportleiterin. Igor Specken ist gelernter Sozialpädagoge und arbeitet im Schulinternat Flims.

Einige der Kinder bewegen sich gerne und viel

Inzwischen haben die Kinder mit spielerischem Einlaufen begonnen. Mit Tambourinbegleitung absolvieren sie einfache Aufgaben, wie zum Beispiel der Linie entlang zu laufen und auf Kommando einen freien Reifen zu besetzen. Beim anschliessenden Hindernis-Parcours werden die Kinder eine Stafette absolvieren, wobei sie unter einem Bogen durchkriechen, auf dem Bänkli zum Schwedenkasten hinauflaufen und dort hinunterspringen werden. Einige der Kinder bewegen sich gerne und viel und geniessen die Sportfreunde an ihrer Seite.

Dies fordert immer wieder Einsatz von den Leitern, um den Fokus wieder zu finden. «Gegenüber den anfänglichen Turnstunden stellen wir grosse Fortschritte fest, weil wir in drei Gruppen arbeiten können und somit die Kinder intensiver begleiten, unterstützen und fördern können. Es gelingt den Kindern immer mehr, sich in der Gruppe und mit den neuen Anforderungen zurechtzufinden», sagt Nicole Iseli. Um weitere Fortschritte zu erzielen, bleibe es vorläufig bei neun Kindern.

Struktur und Wiederholung sind wichtig

Den Abschluss bildet wieder ein Kreis. Diesmal liegen die Kinder ruhig, damit sich die aufgedrehten Gemüter beruhigen können. Bevor es ans Aufräumen geht, erhalten sie eine kleine Zeichnung als Erinnerung auf ihre Hand gemalt. «Die Kinder brauchen eine Struktur und Wiederholung. Deshalb gibt es Dinge, die immer gleich sind: der Kreis am Anfang, der Ruhekreis am Schluss», schliesst Nicole Iseli.