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Keine Massarbeit nach Plan beim alten Zehntenhaus

Rund drei Jahre nahmen die Planung und der Umbau des Zehntenhauses in Anspruch. Die Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege erlebte Besitzer Markus Göldi als sehr konstruktiv.
Corinne Hanselmann
So sieht das stattliche Haus von aussen aus. Der Balkon kam beim Umbau neu dazu.
Alte Elemente wurden bei der Gesamtrenovation bewusst integriert und verleihen den Wohnungen besonderes Flair.
Markierungen lassen vermuten, dass das Haus ab- und wieder aufgebaut wurde.
Unter neueren Wandbelägen verbarg sich eine gotische Strickwand und eine alte Türe mit Beschlägen.
Grösser könnte der Kontrast kaum sein: rechts die moderne neue Küche, links der alte Ofen aus früherer Zeit.
Viel Zeit investierte Markus Göldi in den schönen Gewölbekeller.
Die Handwerker Bruno Roduner, Markus Graf und René Bernegger mit dem Hausbesitzer Markus Göldi (zweiter von rechts).
Hausbesitzer Markus Göldi (rechts) führte Gemeindepräsident Peter Kindler nach dem umfangreichen Umbau durch das Zehntenhaus in Salez. (Bilder: Corinne Hanselmann)
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Das Zehntenhaus wurde renoviert

Vermutungen zufolge wurden die Grundmauern mit Gewölbekellern des sogenannten Zehntenhauses im 14. oder 15. Jahrhundert erstellt. Möglicherweise als Pfrundstadel der Pfarrei Bendern zur Einbringung und Einlagerung des Zehnten der Dörfer Salez, Sennwald und Haag. Im 16. Jahrhundert gelangte das Haus in privaten Besitz und wurde im Laufe der Zeit mehrmals erweitert und umgebaut. Nun hat der heutige Besitzer Markus Göldi das unter Denkmalschutz stehende Haus zwischen Kirche und Bahnhof Salez für rund 860000 Franken einer Gesamtrenovation unterzogen. Kürzlich führte der Salezer geladene Gäste und Freunde durch die Räumlichkeiten, bevor die neuen Mieter in ihr Zuhause einzogen.

Der Immobilienverwalter Markus Göldi kennt das Zehntenhaus in Salez schon seit seiner Kindheit. «Das auf die Fassade gemalte Pferd und das ganze Haus haben mir schon immer gefallen», sagt der Salezer, der in Sichtweite des Zehntenhauses aufgewachsen ist. Vor einigen Jahren entdeckte er im Internet eine Verkaufsanzeige und so gelangte das mittelalterliche Gebäude in seinen Besitz.

Die damals noch drei Wohnungen waren vermietet. «Als vor ungefähr drei Jahren alle Mieter fast gleichzeitig auszogen, packte ich das Projekt Umbau an», erzählt Markus Göldi. Als erster Schritt für die Gesamtrenovation wurden die mehrschichtigen Einbauten von Boden- sowie Wand- und Deckenbelägen entfernt. Tonnenweise Laminate, Linoleum, Parkett sowie Styropor, Täfer und Verputz wurden der Entsorgung zugeführt.

Nebst viel Staub und Dreck kamen bei den Arbeiten interessante Fundstücke zutage. Unter den Wandverkleidungen verbarg sich unter anderem eine alte Türe mit Beschlägen in einer sogenannten Strickwand, Teile einer Malerei auf einer Holzwand, dekorierte Holzbalken sowie Strichmarkierungen auf einer gotischen Stabwand, die davon zeugen, dass das Haus oder Teile davon einst ab- und wieder aufgebaut wurden. Zudem konnten Briefe eines Vorbesitzers aus dem 18. Jahrhundert gut erhalten aus einer Nische geborgen werden.

Die Denkmalpflege redete ein Wörtchen mit

Das Haus, annähernd im Urzustand, war nun bereit für die Planung des Umbaus, der im Frühling 2016 begann. Markus Göldi entschied, dass er aus den drei Wohnungen zwei autonome Haushälften machen möchte, denn die Einteilung des Hauses störte ihn. Ausserdem habe es viel Lärm gegeben und die Wärmedämmung war katastrophal. «Daraus resultierten enorme Ölkosten – und warm war es trotzdem nicht», so Göldi. Ansonsten war es ihm wichtig, das Haus möglichst so zu erhalten, wie es einst war. Alte Elemente integrierte er, wenn machbar.

Bei der Umsetzung von Göldis Plänen sprach auch die Denkmalpflege des Kantons St. Gallen mit, denn das Haus steht seit 1976 unter Denkmalschutz. «Das war ganz in meinem Sinne», so Göldi. «Die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege war sehr konstruktiv. Sie sind mir tatkräftig zur Seite gestanden, haben mir Fachleute organisiert und viele gute Tipps gegeben.» Natürlich habe es durch die Wünsche der Denkmalpflege kleine Änderungen am Projekt gegeben und er ging Kompromisse ein, um die als schützenswert eingestuften Dinge zu erhalten. «Von aussen gesehen hat sich das Haus kaum verändert, nur der Balkon ist neu dazugekommen», sagt Göldi.

Eine super Erfahrung – trotz vieler Arbeit und hohen Kosten

Vor wenigen Wochen schlossen die Handwerker die Arbeiten ab. Entstanden sind zwei heimelige Wohnungen mit neuen Küchen und Badezimmern und jeweils etwa fünf Zimmern, in denen alt und neu gekonnt kombiniert ist. Mittlerweile sind die Wohnungen vermietet. «Für jemanden, der eine topmoderne Wohnung mit offener Wohnküche und grossen Balkonen sucht, ist das natürlich nicht das richtige», sagt Göldi. «Aber es gibt viele Leute, denen diese Kombination von alt und neu extrem gut gefällt», stellte er bei der Suche nach Mietern fest.

Markus Göldi ist mit seinem Werk zufrieden, obwohl es viel Arbeit, viel Ungewissheit und alles andere als vorgegebene Massarbeit nach Plan bedeutete und viel kostete. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 860000 Franken. Darin sind denkmalpflegebedingt anrechenbare Aufwendungen in der Höhe von rund 155000 Franken enthalten, wovon der Kanton 40 Prozent, also rund 62000 Franken, übernimmt.

«Dieses Projekt war eine super Erfahrung für mich, denn ich bin sonst eher im Neubau tätig», so Göldi. Highlights sind für ihn die alten Elemente, welche beim Umbau zutage kamen und die nun integriert werden konnten. Viele davon hat man zuvor gar nicht gesehen. «Die Kellerräume haben mich sehr fasziniert und darin habe ich auch viel Zeit investiert», so Göldi, der beim Umbau auch selber Hand anlegte.

Hinweis
Eine Dokumentation über die Baugeschichte des Zehntenhauses erschien im Werdenberger Jahrbuch 2017.

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