(K)ein Grund zum Aufhören? Schafhalter müssen ihre Tiere neu registrieren.

Was für die Halter von Hunden, Pferden und Rindern bereits Alltag ist, gilt neu auch für Schaf- und Ziegenbesitzer.

Katharina Rutz
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Stefan Santner aus Sennwald muss seine Tiere neu auf der nationalen Tierdatenbank TVD erfassen.

Stefan Santner aus Sennwald muss seine Tiere neu auf der nationalen Tierdatenbank TVD erfassen.

Katharina Rutz

Rinder sind seit einigen Jahren erfasst, Pferde seit 2011. Die Rede ist von der nationalen Tierverkehrsdatenbank (TVD). Hundehalter müssen ihre Tiere auf der Datenbank Amicus registrieren. Seit dem 1. Januar müssen sich nun auch die Besitzer von Schafen und Ziegen mit der digitalen Erfassung ihrer Bestände befassen. Schafe und Ziegen werden ebenfalls über die TVD registriert.

Dies betrifft neben den Landwirten auch viele Tierliebhaber, die Schafe oder Ziegen als Hobby halten. Künftig müssen sie sämtliche Geburten, Zu- und Abgänge, Ein- und Ausfuhren sowie den Tod von Schafen und Ziegen in der TVD unter www.agate.ch melden.

Zusätzlich zur Erfassung in der Tierverkehrsdatenbank müssen neugeborenen Schafe und Ziegen mit zwei Ohrmarken statt wie bisher mit einer gekennzeichnet werden. Bei Schafen muss eine Ohrmarke einen elektronischen Chip enthalten, der mit einem Gerät abgelesen werden kann. Für eine wirksame Bekämpfung von Tierseuchen sowie für die Sicherheit von Lebensmitteln tierischer Herkunft ist die Kontrolle des Tierverkehrs von grosser Bedeutung, begründet der Bundesrat seinen Entscheid. «Für die geplante schweizweite Sanierung der Krankheit Moderhinke zum Beispiel ist diese Erfassung der Bestände zentral», sagt Sven Baumgartner, Leiter Fachstelle Kleinvieh und Herdenschutz am Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez.

Registrierung ist gut angelaufen

Die Neuerung bringt für die Schafhalter einen Mehraufwand. Laut Sven Baumgartner sei die Registrierung aber besser angelaufen, als erwartet. «Viele Schaf- und Ziegenhalter haben sich gut arrangiert», sagt er. Für die anderen gebe es die Möglichkeit, jemandem ein Mandat zu übergeben. «Mein Sohn macht das zum Beispiel für seinen Grossvater». Und wer sonst auf seinem Smartphone beispielsweise in den sozialen Medien unterwegs sei, der habe auch keinen Grund für Berührungsängste mit der Onlineregistrierung, so Sven Baumgartner.

Neue Vorschriften werden akzeptiert

«Vorschrift ist Vorschrift», sagt Stefan Santner aus Sennwald. Neben seinem Beruf als Metzger betreibt er eine kleine Landwirtschaft mit 3 Mutterkühen und 28 Mutterschafen. Zwar kennt er das Portal Agate schon, doch der zusätzliche Aufwand für seine Schafe schmerzt ihn trotzdem etwas:

«Zum Glück hilft mir meine Tochter mit dem Computer.»

Stefan Santner ist im Kanton Aargau aufgewachsen. Die Landwirtschaft hat er bei seinem Firmgötti kennengelernt, wo er oft in den Ferien war. Ein eigener Betrieb hat sich nie ergeben, doch mit seiner Frau, einer Werdenbergerin, konnte er sich in Sennwald ein Haus mit Stall kaufen.

Dieses Lamm von Stefan Santner erhält bald seine zwei Ohrenmarken.

Dieses Lamm von Stefan Santner erhält bald seine zwei Ohrenmarken.

Katharina Rutz

Als Metzger schlägt Santners Herz für Mastrassen. Er züchtet sich aus verschiedenen Rassen die für ihn idealen Mastlämmer. Seine Mutterschafe lammen in der Regel im Frühling und im Herbst. Bei ein bis zwei Lämmern pro Schaf hat er jeweils einige Tiere anzumelden. «Ich finde es schon verrückt, bei einem so kleinen Lamm zwei Ohrmarken zu setzen. Die Marke ist ja grösser als das Ohr», sagt er. Er ist aber zuversichtlich, dass er die neuen Vorschriften bald reibungslos umsetzen kann. Einige seiner Schafhalter-Kollegen würden das aber anders sehen. «Ich habe von einigen gehört, dass sie nun aufhören. Manche sind ja schon älter», sagt Stefan Santner.

Sogar früher bereit als nötig

Einer der grösseren Schafhalter der Region ist Guido Wohlwend aus Sennwald. Er hält rund 140 Mutterschafe und ungefähr nochmals gleich viele Jungtiere. «Zuerst dachte ich schon, das gibt mehr Aufwand», erinnert sich Guido Wohlwend.

Früher arbeitete er zu 100 Prozent und hielt die Schafe nebenbei. Heute ist er in Pension. «Die Zahl meiner Schafe hat sich in den letzten Jahren etwas erhöht», sagt er. Er hat sich mit den neuen Vorschriften früh auseinandergesetzt. Bereits im Herbst 2019 begann er, die Alttiere neu zu markieren. Diese wollte er danach auch anmelden, doch er war zu früh dran. «Es hiess zunächst, man könne die Tiere ab dem 15. Dezember anmelden», erinnert er sich. Doch dann sei dies erst ab dem 6. Januar der Fall gewesen.

Die Erstanmeldung sei tatsächlich etwas kompliziert gewesen. Doch inzwischen muss er nur noch die Jungtiere anmelden und sieht darin kein grosses Problem.

Registrierung bringt auch Vorteile

Die Registrierung bringt laut Sven Baumgartner dem Tierhalter auch Vorteile. «So kann er jederzeit seinen aktuellen Tierbestand abrufen. Bei einer Kontrolle musste ein Schafhalter auch bisher schon eine Tierbestandsliste vorweisen können», sagt er. Ein Grund aufzuhören, seien die neuen Vorschriften ganz bestimmt nicht, ist er überzeugt.