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Karin Müntener-Berger tanzt aus purer Freude

Line Dance  Karin Müntener-Berger lebt ihre Begeisterung für den speziellen Tanzstil und gibt diese an ihre zahlreichen Tanzschüler weiter, darunter sind auch Rollstuhlfahrer.
Andrea Müntener-Zehnder

Die Sennwalderin Karin Müntener-Berger hörte vor 25 Jahren in ihren Flitterwochen in Florida erstmals von Line Dance, dem US-amerikanischen Gruppentanz. Doch ihre Berufung als Tanzlehrerin fand sie erst rund zwei Jahrzehnte später. Heute unterrichtet die 48-Jährige mehrere Line-Dance-Klassen auf verschiedenen Niveaustufen an ihrer eigene Tanzschule «Speedy Gon-CH-ales».

Karin Müntener-Berger gibt ihre Begeisterung für Line Dance als Tanzlehrerin weiter. (Bild: Urs Bucher)

Karin Müntener-Berger gibt ihre Begeisterung für Line Dance als Tanzlehrerin weiter. (Bild: Urs Bucher)

Hobbylos bis zum Tanzen

Karin Müntener-Berger wuchs in Sennwald auf, wo ihre Eltern die Dorfgärtnerei betrieben. Auch sie fühlte sich mit der Floristik verbunden und absolvierte nach der obligaten Schulzeit und einem Aufenthalt in der Westschweiz eine Lehre als Floristin in Chur. Danach arbeitete sie fortwährend im elterlichen Betrieb mit.

Noch bevor die Floristin volljährig wurde, lernte sie ihren heutigen Mann Markus kennen. Schnell stand für die beiden fest, dass sie ihr Leben mit­einander verbringen wollen, und machten Nägel mit Köpfen. Es wurde geheiratet, als beide knapp über 20 Jahre alt waren. «Wenn ich mich an diese Jahre zurückerinnere, hatte ich damals kein richtiges Hobby. Es gab die Arbeit, die sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Sie bereitete mir aber viel Freude und ich fand darin Erfüllung. Und da war Markus, mit dem ich meine Freizeit verbrachte und mit dem ich glücklich war. Mehr wollte ich damals nicht. Es war perfekt, so wie es war», erinnert sich Karin Müntener-Berger an die 90er-Jahre.

«Ich war so enttäuscht, die anderen tanzten allesamt anders als ich. Seltsam. Ich hatte doch so intensiv geübt!»

Karin Müntener-Berger und ihr Mann weilten 1993 in den Flitter­wochen im amerikanischen Daytona Beach, um ein grosses Harley-Davidson-Treffen zu besuchen. In einer Countrybar zogen nicht etwa die PS-starken Zweiräder oder gar die dazu gehörenden Amerikaner in Lederkluft die Aufmerksamkeit von Karin Müntener-Berger auf sich. In besagter Bar tanzte nämlich eine Gruppe fröhlicher Amerikaner zu lauter Countrymusik. Gebannt beobachtete sie, wie sich die Tänzer einzeln, aber doch geordnet in der Gruppe rhythmisch zur Musik bewegten. Liebend gerne hätte sie sich dazugesellt und mitgetanzt, doch sie traute sich nicht, sich unter die tanzenden Amerikaner zu mischen. «Bis zu diesem Punkt in meinem Leben war ich ohne Hobby. Das änderte sich, als wir zurück in der Schweiz im Alltag waren.»

Sie beauftragte ihre in Los Angeles lebende Grosstante, nach Übungs­material für Line Dance zu suchen. Schon bald erhielt sie von ihr mehrere VHS-Kassetten (Video), und das Üben nahm seinen Lauf. Karin Müntener-Berger verbrachte Stunden in ihrem Schlafzimmer vor dem Fernsehgerät und spulte die Kassetten vor und zurück. Sie übte verbissen Schritt für Schritt mit der amerikanischen An­leitung.

«Nach Wochen konnte ich die vier Tänze von den VHS-Kassetten im Schlaf, endlich! Ich war so stolz.» Sie dachte sich, dass sie nun Line Dance beherrsche. Kurz darauf besuchte sie voller Vorfreude zusammen mit ihrem Mann ein Countryfestival in Schupfart. Doch als sie mit der Gruppe mittanzen wollte, fand sie den Anschluss nicht. Kein Schritt passte zum andern. Karin Müntener-Berger erinnert sich kopfschüttelnd: «Ich war so enttäuscht, die anderen tanzten allesamt anders als ich. Seltsam. Ich hatte doch so intensiv geübt!» Mittlerweile weiss sie, dass jedes Lied seine ganz eigene Choreografie hat. Und keines ihrer vier Lieder, zu welchen sie den Tanz beherrschte, wurde am Festival gespielt.

Auch Kleidung und "Zubehör" passen zum US-Country-Style. (Bild: Urs Bucher)

Auch Kleidung und "Zubehör" passen zum US-Country-Style. (Bild: Urs Bucher)

So entschloss sich Karin Müntener-Berger, dem Tanzen keine Zeit mehr zu schenken, und sie legte ihr neues, lieb gewonnenes Hobby ad acta. Denn in der Ostschweiz liess sich damals kein passender Countryverein, keine Tanzschule und kein Kurs zu Line Dance finden.

Endlich eine Tanzschule

Im Jahr 2006, Karin Müntener-Berger war inzwischen Mutter einer dreijährigen Tochter, entdeckte sie in Liechtenstein eine Tanzschule, die Line-Dance-Kurse anbot. Sofort meldete sie sich an. Von der ersten Lektion an konnte sich die begeisterte Tänzerin ein Leben ohne Line Dance nicht mehr vorstellen. Im Schnelldurchlauf absolvierte sie alle Niveaustufen der Tanzschule und fand sich bereits nach einem Jahr in der Showgruppe der Tanzschule. Nach einem weiteren Jahr begann ­Karin Müntener-Berger selbst mit dem Unterrichten in dieser Liechtensteiner Tanzschule. Die kreativen Herausforde­rungen zum Erarbeiten einer Choreografie und das anschliessende Vor­tanzen und Erklären liegen ihr. Immer mehr Zeit in­vestierte sie ins Tanzen. So beschloss sie im Jahr 2011, mit 41 Jahren, die Ausbildung zur Line-Dance-Lehrerin beim Verband SCWDA (Swiss Country Western Dance Association) zu ab­solvieren.

Auch die internationale Dekoration im Tanzraum steht ganz im Zeichen des Line-Dance- und Country-Stils. (Bild: Urs Bucher)

Auch die internationale Dekoration im Tanzraum steht ganz im Zeichen des Line-Dance- und Country-Stils. (Bild: Urs Bucher)

Zeitgleich gründete Karin Müntener-Berger in Sennwald ihre eigene Tanzschule für Line Dance: «Speedy Gon-CH-ales». Sie erklärt diese Bezeichnung: «Dieser Name passt perfekt zu meiner Tanzschule! Ich bin auch ­selten ruhig, muss ständig irgendwo und irgendwas herumwuseln – wie die Maus Speedy Gonzales. Das CH im Namen deutet auf die Nationalität der Tanzschule hin.»

«Hohe Ansprüche an mich selbst»

Nach zwei intensiven Jahren mit vielen Workshops, Wochenendblöcken und Heimstudium durfte sich die Gründerin von Speedy Gon-CH-ales voller Stolz «Tanzlehrerin Line Dance SCWDA» nennen. «Es war eine wirklich strenge Zeit, doch ich würde es immer wieder machen. An mich selbst habe ich enorm hohe Ansprüche, ich bin fast nie zufrieden mit mir. Man muss sich immer weiterentwickeln.»

Mittlerweile unterrichtet Karin Müntener-Berger 40 bis 50 Tanz­schüler pro Woche in mehreren Kursen auf verschiedenem Niveau, im eigenen Tanzlokal in Sennwald und in ihrem Tanzraum in Buchs.

"Ich tanze - mein Mann agiert im Hintergrund bei allem was abfällt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar."

Dass ihr Mann Markus ein Tanzmuffel ist und überhaupt kein Line Dance tanzt, stört die Tanzlehrerin nicht, im Gegenteil. «Natürlich konnte und kann ich dem zeitintensiven ­Hobby, welches nun mein Beruf ist, nur nachgehen, weil Markus mir den Rücken freihält. Das ist bis heute so geblieben. Ich tanze – er agiert im Hintergrund bei allem, was anfällt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.»

Das Leben von Familie Müntener hat sich in den vergangenen zehn ­Jahren komplett verändert. Oft reist sie gemeinsam mit ihrer 14-jährigen Tochter Sharon an Country- und Line-Dance-Events in der gesamten Schweiz und in den umliegenden ­Ländern. Dort treffen sie Gleich­gesinnte und auch befreundete Tänzer. Immer wieder steht die Sennwalderin an solchen Events im In- und im Ausland als ­Lehrerin auf der Bühne und gibt ihr Wissen an Workshops gerne weiter.

Zusammenfassend stellt Karin Müntener-Berger fest: «Jeder und jede kann tanzen, wenn er oder sie es will. Ich bin das beste Beispiel dafür, ich habe das Feld quasi von hinten auf­gerollt: Bevor ich mit dem Tanzen anfing, hatte ich mit Sport absolut nichts am Hut. Karin und Sport passten einfach nicht zusammen. Und heute? Durchs Tanzen betreibe ich Sport, ohne dass ich es merke. Zudem fordert Tanzen das Selbstwertgefühl ­ungemein. Das bestätigen mir auch meine Schüler.»

Wheelchair, der Rollstuhltanz

Ein weiteres Steckenpferd von Karin Müntener-Berger ist ihre Wheelchair-Gruppe. Zusammen mit Rollstuhl­tänzern und Fussgängern trainiert sie ein- bis zweimal monatlich in der Turnhalle Zil in Sennwald. Diese Tanzstunden unterscheiden sich völlig vom regulären Tanzunterricht: «Ich musste mich erst in die Situation der Rollstuhlfahrer versetzen. Daheim übte ich mit unserem fahrbaren Bürostuhl, um ungefähr die Situation der Rollstuhlfahrer zu erahnen. Aber selbstverständlich ist ein Bürostuhl nicht mit einem Rollstuhl zu ver­gleichen.»

Und doch hat es schliesslich geklappt: Auch die Wheelchair-Tanzschüler sind glücklich, wenn sie zusammen mit ihrer Tanzlehrerin und einem zu Fuss gehenden Tanzpartner den Line-Dance-Unterricht oder einen Event besuchen oder gar einen Auftritt vor Publikum absolvieren dürfen. Frei nach dem Motto von «Speedy Gon-CH-ales»: Tanzen ist Leben – lebe mit Tanz!

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