Kanti Sargans: Pensionierter Sportlehrer blockiert Sanierung mit Einsprache

Er ist der letzte verbliebene Einsprecher gegen die geplante Sanierung der Kantonsschule Sargans: Ralph Windmüller. Der heute pensionierte Sportlehrer hat 40 Jahre an der «Kanti» unterrichtet. Für ihn ist klar: Das vom Kanton geplante Projekt ist «genauso sanierungsbedürftig wie die Kanti selber».

Reto Vincenz
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Ralph Windmüller zeigt auf der Website seine Ansichten zum Neubau auf. (Screenshot: www.kanti-neubau.ch)

Ralph Windmüller zeigt auf der Website seine Ansichten zum Neubau auf. (Screenshot: www.kanti-neubau.ch)

Die Fakten sind schnell erzählt. Die in die Jahre gekommene Kantonsschule Sargans (KSS) soll für knapp 50 Millionen Franken saniert und ausgebaut werden. Die Zeche zahlt der Kanton – 2014 haben sowohl der Kantonsrat als auch die St. Galler Stimmbürger ihren Segen dafür gegeben. Doch dem Projekt erwuchs Widerstand durch die Anwohnerschaft. Vier Jahre und mehrere Verhandlungsrunden später wies die Gemeinde Sargans im Januar 2018 die verbliebenen 14 Einsprachen gegen die «Kanti»-Sanierung und den Bau einer Wärmezentrale ab. Nun liegt der Ball wieder beim Kanton bzw. dem kantonalen Volkswirtschaftsdepartement. Denn gegen den Entscheid der Gemeinde Sargans ging ein Rekurs ein. Urheber: Ralph Windmüller, der sich zuletzt auch an Veranstaltungen zum Thema exponiert hat.

«Versprechen schriftlich fixieren»

Windmüller hat, daran besteht kein Zweifel, Eigeninteressen. Sein Einfamilienhaus grenzt an das Grundstück der «Kanti». Nur wenige Meter von seinem Sitzplatz entfernt würden künftig die Lastwagen die Mensa-Küche beliefern und Material für den Schulbetrieb ankarren. Jeder, der sich vor Ort umsieht, kann angesichts der engen Platzverhältnisse die Bedenken Windmüllers verstehen. Allein ist er damit nicht – auch weitere Anwohner monieren, dass von den Lärm- und Lichtemissionen insbesondere ihre Wohn- und Schlafzimmer betroffen sein werden.

Der Kanton hat ihnen in den letzten Jahren in mehreren Verhandlungsrunden Zugeständnisse gemacht. Betriebskonzepte oder Lärmschutzwände sind zwei Stichworte. Oder die Küche, in der nun nicht gekocht, sondern nur aufgewärmt werden soll. Was weniger Umtriebe verursache. Zeiten für die Anlieferung sind definiert worden.

Die Kantonsschule Sargans soll saniert werden. (Bild: Ralph Ribi)

Die Kantonsschule Sargans soll saniert werden. (Bild: Ralph Ribi)

Windmüller traut diesen Versprechen nicht. Für ihn sind es wenig stichhaltige Absichtserklärungen, von denen niemand wisse, ob man sich noch daran erinnert, wenn die «Kanti» erst einmal umgebaut ist. Für den Sarganser ist klar, dass die Verantwortlichen des Kantons diese Zusagen schriftlich fixieren müssen. Immer wieder hätten sie sich bisher selber widersprochen, «zu oft vorgelegte Pläne und ein ohnehin schon dürftiges Betriebskonzept und Nutzerreglement beliebig geändert». Es gehe nur darum, den Bau irgendwie durchzudrücken, so Windmüller. Ob er recht hat?

Eigene Website geschaltet

Sicher ist, dass sein Engagement weit über jenes eines «frustrierten Anwohners» hinausgeht, wie das in vergleichbaren Fällen oft so ist. Er stellt die Sinnhaftigkeit des Projektes insgesamt in Frage. Das, was der Kanton plane, sei nicht nachhaltig und schiesse am Ziel vorbei, sagt er.

Seine Meinung ist gut dokumentiert. Auf der professionell gestalteten Website www.kanti-neubau.ch hat Windmüller alles fein säuberlich aufgelistet, was ihm an den Plänen des Kantons missfällt. Die Schreiben der Anwohner an Behörden und die «ungehörten Hilfegesuche» an die regionalen Kantonsräte stehen zum Download bereit. Selbst ein Alternativprojekt hat Windmüller unter Beizug von Fachleuten erarbeiten lassen. Er durfte es in St. Gallen vorstellen. Beachtung fand es nicht. Warum? Weil man nicht will, sagt Windmüller. Anders sehen das die Behörden. Sie halten weitgehend an jenem Projekt fest, das mit grosser Mehrheit den Segen des Kantonsrates erhalten hat. Auch die Bevölkerung hat dem Kredit an der Urne zugestimmt. Zurück auf Feld 1 zum jetzigen Zeitpunkt? Aus Sicht des Kantons kaum denkbar. Zumal man dann wohl gar die Standortfrage stellen, und damit bei Adam und Eva anfangen müsste.

Windmüller, so sagt er selber, ist wegen der Wand, gegen die er läuft, nicht verbittert. Die Eigeninteressen gesteht er zwar ein. Noch wichtiger sei ihm aber, dass künftig Lehrer und Schüler eine geeignete «Kanti» haben werden. Und dass er «nicht toleriere, dass sich Gleichgültigkeit, politische Spiele und Machtgehabe gegen Menschenwürde durchsetzen», wie er auf seiner Website schreibt. Er könne nur kämpfen und versuchen, die Bevölkerung aufzuklären. Wenn die Behörden «das völlig ungenügende Projekt schliesslich durchboxen würden», habe er das wenigstens versucht. Dann könne er trotzdem ruhig schlafen. Ausser natürlich, wenn mitten in der Nacht vor seiner Haustüre die Waren für die Mensa-Küche angeliefert werden sollten …

Ein klares «Nein, aber…»

Sind Ralph Windmüllers Bedenken gegen die KSS-Sanierung Hirngespinste? Die Redaktion des «Sarganserländers» hat sich in den letzten Wochen mit rund einem Dutzend Kantonsräten, Politikern, Behördenvertretern und Exponenten der KSS selber unterhalten und ihnen dabei generell Quellenschutz zugesichert. Der Grundtenor: Zwar seien Einwände gegen einzelne Aspekte wie die Warenanlieferung oder die Platzierung der Aula im 2. Stock berechtigt und es gäbe bessere Lösungen. Auch habe man es versäumt, die Standortfrage vor dem Neubau der RSA im Jahr 2012 zu thematisieren. Unter dem Strich sei das genehmigte KSS-Projekt aber zweckmässig und werde den Anforderungen gerecht. Oder wie es ein KSS-Insider sagte: «In der neuen Kanti könnten wir bestimmt unterrichten. Zumindest in Teilen der maroden Schule von heute aber bald einmal nicht mehr.» (rv)