Junger «Läufer» als Marionette des Drogengeschäfts zu Freiheitsstrafe verurteilt

Das Kreisgericht Mels verurteilt einen jungen Heroindealer zu 28 Monaten Freiheitsstrafe.

Reinhold Meier
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Der 19-Jährige geständige Dealer wurde mit einem europäischen Reiseverbot belegt.

Der 19-Jährige geständige Dealer wurde mit einem europäischen Reiseverbot belegt.

Symbolbild: Martin Ruetschi/Keystone

Die Polizei hat den Täter dem Gericht zugeführt und er war dabei in enge Fussfesseln gelegt. Doch der kaum 19-jährige Jungspund präsentierte sich wenig furchterregend, vielmehr fahrig, nervös und verbal teils spürbar derangiert. Trotz auffälliger ­Tätowierungen an Armen und Schultern erinnerte er eher an einen vor Prüfungsangst zitternden Sek-Schüler als an einen schweren Knastbruder.

Bereits bei der Feststellung seiner Personalien verhaspelte er sich, bevor er im Übereifer anhob, ein Geständnis abzulegen. «Dazu kommen wir später», beruhigte ihn die Gerichtspräsidentin.

Als Läufer ein knappes Pfund Heroin verkauft

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft hatten es gleichwohl in sich. Ein knappes Pfund Heroin soll der Halbstarke über Monate vertickt haben, über die Hälfte davon im Raum Sargans, den Rest in Bern. Dabei habe er die «beträchtliche Menge» als so genannter Läufer einer Bande verkauft. Läufer gelten im arbeitsteiligen Vorgehen der Dealer als jene Personen, die dem Endverbraucher die Drogen austragen und bei ihm auch abkassieren.

Weitere, höhere Funktionen nehmen der Zentralist wahr, der die Bestellungen telefonisch entgegennimmt, der Lagerist, der die Gifte deponiert und aufbewahrt, der «Drogist», der sie abwiegt, streckt und portioniert und der Kurier, welcher den Erlös letztlich den höheren Chargen abliefert.

An Schranken geständig und reuig

Weil keiner der Insider alle anderen Beteiligten kennt, bleibt das illegale Geschäft von aussen oft kaum einsehbar. So auch in diesem Fall.

Der albanische Läufer wurde zwar im Juli letzten Jahres verhaftet, konnte aber aller Erfahrung nach intern schnell ersetzt werden. An Schranken gab er sich geständig und reuig, wie schon im Vorverfahren. Zwar machte er im Detail schon mal widersprüchliche Aussagen, etwa ob er in Albanien einen Wohnsitz habe oder nicht. Er wolle aber auf jeden Fall zurück zu seinen Eltern, später in einer Fabrik arbeiten und schliesslich heiraten und Kinder bekommen.

Alles sei falsch gewesen, sagt der Angeklagte

Er sei nur so zum Spass und als Tourist im Sommer 2018 nach Bern gekommen. An den Rest könne er sich nicht mehr erinnern, weil er damals selbst Kokain konsumiert habe. Er wolle sich jedenfalls offiziell entschuldigen, bei der Schweiz, beim Gericht und bei der Polizei, erklärte er mehrfach. Alles, was er gemacht habe, sei falsch gewesen, er gebe alles zu, was man ihm vorwerfe und er wolle jetzt nur noch zurück in die Heimat.

Die Anklage forderte denn auch 28 Monate Haft, davon seien acht Monate zu vollziehen, der Rest zur Bewährung auszusetzen, genügend Nachdruck also, um ihn von einer Wiederholung abzuhalten. Dies auch, weil ein zehnjähriger Landesverweis beantragt wurde, gültig nicht nur in der Schweiz, sondern in allen Ländern des fast ganz Europa umfassenden Schengenraums.

Europäisches Reiseverbot

Da mochte der Verteidiger nicht zurückstehen und schloss sich im Sinne eines abgekürzten Verfahrens dem Urteilsvorschlag der Staatsanwaltschaft an. Er schätze seinen Mandanten jedoch als «leichtes Opfer» ein, auf der unteren Hierarchiestufe. Es hiess wie zur Bestätigung des Auftritts im Gerichtssaal:

«Wenn ihn Kollegen zu etwas drängen, ist bei ihm wenig Gegenwehr spürbar.»

«Er war eine Marionette der Drogenorganisation», betonte der Anwalt und befand, die Strafe müsse zwar nicht überhoch, aber doch angemessen sein. Dies sei nicht zuletzt durch das europäische Reiseverbot gewährleistet. Das Gericht erhob den Urteilsvorschlag schliesslich zum Urteil, der binnen Minuten rechtskräftig wurde, weil der Verurteilte alsbald auf alle Rechtsmittel verzichtete. Dem folgten Anklage und Verteidigung umgehend.

Die Verfahrenskosten liegen bei 12600 Franken und wären eigentlich vom Verurteilten zu zahlen, falls er eines Tages «wirtschaftlich in der Lage sein sollte, der Verpflichtung nachzukommen», wie es betont nüchtern hiess.