Politik finden sie cool: Schülerinnen und Schüler des OZ Grof in Buchs an der kantonalen Jugendsession

Die heutige Jugend interessiert sich nicht für Politik. So das gängige Klischee, zumindest bevor Greta Thunberg die Klimastreiks ins Leben rief.

Katharina Rutz
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Interessieren sich für Politik: (von links) Livio Sutter, Vanessa Zurbrügg, (hinten von links) Tobias Hutter, Francisco Zanatta-Janzen, Constantin Sinnesberger, Besmira Sulimani, Tatjana Savic, (vorne von links) Nabil Abu Antoun, Vivien Hartmann und Alina Santo. Es fehlt Alessio Gemma, der an diesem Tag krank war. (Bilder: Katharina Rutz)

Interessieren sich für Politik: (von links) Livio Sutter, Vanessa Zurbrügg, (hinten von links) Tobias Hutter, Francisco Zanatta-Janzen, Constantin Sinnesberger, Besmira Sulimani, Tatjana Savic, (vorne von links) Nabil Abu Antoun, Vivien Hartmann und Alina Santo. Es fehlt Alessio Gemma, der an diesem Tag krank war. (Bilder: Katharina Rutz)

Die Schülerinnen und Schüler des OZ Grof allerdings nehmen bereits seit Jahren regelmässig an den Jugendsessionen der Kantone St.Gallen und beider Appenzell teil. So auch an der Session diesen November. Die elf Schülerinnen und Schüler kamen reich an Eindrücken aus dem Kantonsratssaal in St.Gallen zurück und sprachen darüber mit dem «Werdenberger & Obertoggenburger».

Warum interessieren sie sich überhaupt für Politik? Bei Vanessa Zurbrügg liegt die Politik sozusagen in der Familie. Ihre Mutter ist Wahlkreispräsidentin der SP Werdenberg. Vanessa Zurbrügg selber ist bereits seit Jahren politisch aktiv. Zunächst im Jugendrat der Stadt Buchs und jetzt als Mitglied der SP.

Livio Sutter war genau wie Vanessa Zurbrügg nicht das erste Mal an der kantonalen Jugendsession. «Politik ist auch für meinen Vater als Tierarzt wichtig, wie zum Beispiel die Hornkuh-Initiative zeigte», sagt er. Deshalb interessiert er sich dafür und kann sich auch vorstellen, später Politiker zu werden. Noch ist er in keiner Partei, sieht sich aber nahe der FDP.

Mehr als nur Sport und Autos

Tobias Hutter interessiert sich für Sport und Autos und – für Politik. Dies weil er dereinst wissen möchte, wie er bei Abstimmungen entscheiden soll. Er will wissen, wie er sich seine Meinung bilden kann und dies betont parteiunabhängig.

«Politik begegnet uns täglich», sagt Alessio Gemma.

«Und wenn wir schon reden können, sollten wir auch handeln. Wir haben das Glück, dass jeder Schweizer und jede Schweizerin sich an den Wahlen beteiligen und mitentscheiden kann.»

Alle vier besuchen die dritte Sek bzw. Real und haben bereits ihre Lehrstelle gefunden.

Jugendsession als Einstieg in die Politik

In die erste Sek gehen Constantin Sinnesberger, Vivien Hartmann, Nabil Abu Antoun und Francisco Zanatta-Janzen. Sie haben noch wenig politische Erfahrung, doch was sie im Jugendparlament erlebt haben, hat ihnen gefallen. «Wir wollen nächstes Jahr wieder mitmachen», sagen Constantin Sinnesberger und Vivien Hartmann. «Wir sind dem Jugendrat der Stadt Buchs beigetreten und möchten in den Vorstand», sagen Francisco Zanatta-Janzen und Nabil Abu Antoun.

Die Jugendsession fand im November im Kantonsratssaal St. Gallen statt. (Bild: PD)

Die Jugendsession fand im November im Kantonsratssaal St. Gallen statt. (Bild: PD)

Die Teilnehmenden vom OZ Grof haben am Morgen am Workshop «Auslandeinsätze der Schweizer Armee» teilgenommen. Ausserdem waren das Bienensterben und die Stadtentwicklung Themen an der Jugendsession. «Wir haben zum Teil nicht gewusst, dass die Armee Auslandeinsätze macht und schon gar nicht, was genau das Militär im Ausland macht», so die Jugendlichen. Nabil Abu Antoun ergänzt:

«Ich dachte immer, die Schweiz sei neutral, deshalb hat mich das Thema interessiert.»

Alessio Gemma gefiel besonders, sich mit unterschiedlichsten Themen und Meinungen auseinanderzusetzen und auch für seine eigene Meinung einzustehen.

Jugendliche wollen ernst genommen werden

Neben den Workshopinhalten haben die Schülerinnen und Schüler auch gelernt, wie man Diskussionen führt. «Spontan zu reagieren ist schwierig. Wir konnten lernen, schnell Argumente zu finden, die auch gut sind», so Livio Sutter. Ausserdem haben die Jungpolitiker auch an Selbstvertrauen gewinnen können. Vanessa Zurbrügg sagt:

«Den Knopf zu drücken und plötzlich vor allen ins Mikrofon zu reden braucht Mut. Das hat man auch gelernt.»

Beeindruckt hat die Jugendlichen auch das Gefühl, von den Erwachsenen ernst genommen zu werden. Tobias Hutter sagt:

«Richtig über Themen abstimmen zu können, die dann dem Kantonsrat vorgelegt werden, war sehr cool.»

Auch Tatjana Savic, Besmira Sulimani und Alina Santo haben an der Jugendsession teilgenommen. Sie haben allerdings festgestellt, dass Politik nichts für sie ist. Den Kantonsratssaal einmal zu sehen, fanden sie aber dennoch interessant.

Jugendparlament

Das Jugendparlament ist ein Verein politisch interessierter Jugendlicher zwischen 14 und 26 Jahren aus den Kantonen St. Gallen, Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden. Der Verein fördert die politische Bildung und die Teilnahme von Jugendlichen am politischen Prozess auf kommunaler, regionaler und kantonaler Ebene sowie in der Schule und am Arbeitsplatz. Das Jugendparlament nimmt Stellung zu politischen Fragen, welche die Jugend betreffen.

Der wichtigste Anlass ist die Jugendsession. Sie findet zweimal jährlich an einem Samstag statt. Während der Workshops am Morgen werden attraktive Themen diskutiert und Forderungen erarbeitet. Am Nachmittag finden Diskussionen mit Kantons-, National- und Ständeräten zu nationalen und internationalen Themen statt. Im Plenum am Ende des Tages werden die Resultate der Workshops präsentiert, diskutiert und es wird über die Forderung abgestimmt. (pd)

Weitere Informationen unter www.jupasgaiar.ch

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