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Kirche lockt Jugendliche mit freiwilligen Projekten in die Natur

Die Seelsorgeeinheit Werdenberg geht in der Jugendarbeit neue Wege. Mit spannenden Projekten, an denen Oberstufenschüler freiwillig teilnehmen können, möchte die Seelsorgeeinheit den Nachwuchs vermehrt in die Natur bringen.
Corinne Hanselmann
Mit den Schneeschuhen in der Natur sind die Jugendlichen mit niedrigerem Tempo unterwegs als sonst im Leben. (Bild: PD)

Mit den Schneeschuhen in der Natur sind die Jugendlichen mit niedrigerem Tempo unterwegs als sonst im Leben. (Bild: PD)

Schule, Prüfungen, Berufswahl, Fussballtraining, Musikprobe, Treffen mit Freunden, ... viele Jugendlichen versuchen heutzutage, einiges unter einen Hut zu bringen, was oft in Stress und Hektik endet. Dem entgegenwirken möchte die Seelsorgeeinheit Werdenberg mit naturverbundenen Projekten, an denen Jugendliche von Sennwald bis Wartau auf freiwilliger Basis teilnehmen können. Erst kürzlich machte sich Silvia Dietschi, Jugendarbeiterin der Seelsorgeeinheit, gemeinsam mit neun Jugendlichen, den erfahrenen Führern Stefan Tischhauser und Röbi Gabathuler sowie einer weiteren Begleitperson per Schneeschuhen vom Wartau auf in Richtung Palfries.

«Es ist schön zu sehen, wie die Jugendlichen bei einem solchen Ausflug runterfahren können und wie gut ihnen das tut. Wir sind bewusst zu Fuss unterwegs und reduzieren dadurch das Tempo»

, so Silvia Dietschi. Viele seien durch Schule und Freizeitbeschäftigungen sonst tagtäglich in einem sehr hohen Tempo unterwegs.

Das Jugendarbeit-Team, zu dem auch Raymund Disler, Petra Oehninger und Nicole Blumer gehören, legt den Fokus auf das bewusste Rausgehen in die Natur, um deren Kraft zu nutzen und wieder von Angesicht zu Angesicht zu kommunizieren. Weg von Handy und sozialen Medien.

Kirche direkt ist kein Thema, der Glaube schon

Beim Schneeschuh-Weekend lernten die Oberstufenschüler auch, wie man einen Hang betreffend Lawinengefahr beurteilt oder wie Lawinensuchgeräte funktionieren. Am Abend kochten Leiter und Teilnehmer in der Skihütte Gauschla gemeinsam, machten Spiele und diskutierten miteinander. Zusammengefasst: Sie erlebten Gemeinschaft. Das Feedback der Teilnehmer fiel positiv aus: «Sie haben die Natur total genossen und spürten, wie gut ihnen das tut», so Dietschi. Das Handy wurde übrigens möglichst weggelassen – nur zum Fotografieren der malerischen Winterlandschaft nahmen es die Jugendlichen zur Hand.

Die Kirche selbst ist beim Schneeschuhweekend kein Thema. Silvia Dietschi erklärt:

«Es geht eher darum, Gottesbeziehung zu spüren, Schöpfung, Natur und Gemeinschaft zu erleben, miteinander unterwegs zu sein und Beziehungen zu schaffen.»

«Eine Stunde im Wald ist für viele eine Herausforderung»

«Wir bieten vermehrt solche ausserschulischen Projekte an», erklärt die Jugendarbeiterin, die in Gams Religion und ERG Kirchen unterrichtet. Vor einigen Jahren ergänzten gleiche oder ähnliche Projekte den Religionsunterricht in der dritten Oberstufe. Seit das Schulfach Ethik-Religionen-Gemeinschaft (ERG) für alle Pflicht ist, finden die Projekte auf freiwilliger Basis statt.

Im laufenden Jahr ist unter anderem ein Naturwochenende mit Lama-Trekking geplant. «Da schicken wir die Jugendlichen auch mal ganz alleine in den Wald. So können sie ihre Sinne schärfen. Nur hören, riechen, schauen, sich Gedanken machen – etwa über das eigene Sein oder den Übertritt von der Schule ins Studenten- oder Berufsleben. Sie sollen ganz bewusst die Hektik hinter sich lassen, nur noch den Wald und sich spüren, ohne Einflüsse von aussen, ohne Handy, ohne Freundinnen. Nur schon eine Stunde ist für viele Junge eine riesen Herausforderung», weiss Silvia Dietschi, die im Rahmen ihrer Ausbildung zur Jugendritualleiterin vier Tage und Nächte alleine im Wald verbrachte.

Weitere Programmpunkte der Seelsorgeeinheit sind ein Mädchenweekend mit Selbstverteidigung und Nachtschwärmerprogramm im Walter-Zoo (in Zusammenarbeit mit dem KOJ), in den Frühlingsferien reist eine Gruppe nach Assisi und eine andere Gruppe nach Taizé. Im Mai findet das Bogenschiessen statt zum Thema Zielorientierung, an Auffahrt wandern Jugendliche während vier Tagen auf dem Jakobsweg und vor den Sommerferien machen sie sich auf ihren Mopeds auf zur Töffliwallfahrt nach Einsiedeln. Die Natur spiele bei vielen Projekten eine wichtige Rolle. «Wir möchten vermehrt darauf sensibilisieren, dass Kinder und Jugendliche wieder mehr Zeit draussen verbringen sollten.»

«In meiner Kindheit war der Wald noch unser Spielplatz.»

«Heute kennen viele Kinder den Wald kaum. Dabei tut uns die Natur gut», ist Dietschi überzeugt.

Nicht nur für Katholische

Die Jugend-Angebote der Seelsorgeeinheit Werdenberg richten sich hauptsächlich an Oberstufenschüler. In den 6. Klassen stellen die Jugendarbeiter ihre Arbeit vor und geben Informationen für die Eltern ab. In der Oberstufe erhalten die Schülerinnen und Schüler dann von den Religionslehrern Einladungen zu konkreten Projekten. Obwohl diese von der katholischen Kirche sind, wird niemand ausgeschlossen, alle dürfen mitmachen, sofern sich die Projekte zeitlich nicht mit den evangelischen Angeboten kreuzen. Finanziert werden die Projekte zu einem grossen Teil durch die Kirche. Die Jugendlichen bezahlen lediglich einen kleinen Unkostenbeitrag.

Hinweis
Weitere Informationen unter www.kathwerdenberg.ch

Kirche muss neue Wege gehen

Sind diese «coolen» Projekte ein Versuch der katholischen Kirche, die Jungen ins Boot zu holen? «Natürlich müssen wir neue Wege gehen, vieles befindet sich im Umbruch», so die Jugendarbeiterin, die selber Mutter drei erwachsener Kinder ist. Auch das Bistum St. Gallen entwickelt sich unter dem Begriff «Neuland» ständig weiter. «Für mich bedeutet Kirche nicht nur das Kirchengebäude und Gottesdienste, die Kirche ist mehr und muss zu den Leuten hingehen. Speziell in der Jugendarbeit muss sie mit der aktuellen Lebenswelt der jungen Leute zu tun haben», erklärt Dietschi ihre Sichtweise.

Sie wertet es als Erfolg, dass junge Erwachsene, die in vergangenen Jahren als Jugendliche an Projekten wie dem Schneeschuhweekend teilgenommen haben, sich nun für den freiwilligen Firmweg ab 18 entschieden haben. «Viele geben uns das Feedback, dass sie damals gute Erfahrungen gemacht haben, auch weil es eben nicht konservative Kirche ist, sondern weil sie die Kirche offener erfahren konnten.» Oft entstehen zwischen Jugendarbeitern und Jugendlichen gute Gespräche und Diskussionen über Gott und die Welt oder zu Glaubensthemen. «Diese Möglichkeit schätzen die Jungen», ist Silvia Dietschi überzeugt. Über Glaubensthemen zu reden, sei unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen mehrheitlich tabu, meldeten die Teilnehmer zurück. Das Thema habe kaum Platz in all dem Vielen, in dem sie sich bewegen. Deshalb schätzen sie es, wenn sie bei den Projekten oder auf dem Firmweg auf offene Ohren stossen und die Gelegenheit zum Austausch erhalten. (ch)

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