Jürg Kienberg erschuf im Fabriggli den Reformators Zwingli

Jürg Kienberger porträtierte im Fabriggli facettenreich, humorvoll und musikalisch die Kindheit des Reformators Huldrych Zwingli.

Christian Imhof
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Am Hackbrett, wie auch am Klavier zeigte sich Jürg Kienberger virtuos und dies stets dem roten Faden der Geschichte dienend.

Am Hackbrett, wie auch am Klavier zeigte sich Jürg Kienberger virtuos und dies stets dem roten Faden der Geschichte dienend.

Christian Imhof

Das lautstarke Jodeln fuhr vielen Zuschauern im gut besetzten Fabriggli direkt unter die Haut. Der Musiker und Schauspieler Jürg Kienberger startete sein Programm «Eingerockt und ausgesungen», mit vollem Einsatz und eher untypisch, in dem er durch den Gästeeingang auf die Bühne schlenderte. In der Mitte der Bühne stand ein Hackbrett und auf welchem der Engadiner Künstler ein musikalisches Netz wob, welches die jungen Jahre des Schweizer Reformators Zwingli zusammenhielt.

Das Chamäleon Kienberger

Wenn Kienberger zur Perücke griff, tat er dies oft, um eine neue Figur ins Programm einzuführen. So konnte man beispielsweise erleben, wie Klein-Zwingli seiner Mutter Briefe schrieb und wann immer es möglich war, voller Leidenschaft musizierte. Ein Highlight war die asiatische Aufpasserin Mi. Der Zuschauer wurde durch ihre eigenwilligen Interpretationen der deutschen Sprache prächtig unterhalten. Getreu der Biografie verliess Zwingli im Alter von sechs Jahren Wildhaus und lebte während der nächsten vier Jahre als Schüler bei seinem Onkel, dem Dekan Bartholomäus Zwingli, in Weesen. Die Interpretation des dem Wein nicht abgeneigten Gottesmannes gehörte zu den grossen Höhepunkten der Vorstellung, denn Kienberger zeigte mit viel Wortwitz, wie schräg vor der Reformation der Klerus mit den Bürgern umgegangen ist.

Bei der Zeitreise ins 16. Jahrhundert liess Kienberger durchaus auch Parallelen zum Jetzt zu, in dem er zeitlose Zitate wie «Menschen bilden bedeutet nicht, ein Gefäss zu füllen, sondern ein Feuer zu entfachen.» oder auch Lieder von Pink Floyd und Bob Dylan der Geschichte beimischte. Federleicht schaffte der Künstler mit seiner Mixtur zwischen Musik, Erzählungen, wie sie in Dokumentarfilmen stattfinden, Pantomime und einer Prise Humor das Publikum zu verzaubern.

Am Hackbrett wie auch am Klavier zeigte er sich virtuos und dies stets dem roten Faden der Geschichte dienend. Minutenlang prasselte der Applaus des Publikums im gut gefüllten Fabriggli auf ihn ein. Zu Recht, denn die Stunde fühlte sich amüsant und sehr kurzweilig an.