Rotwild-Hegegemeinschaft
Jäger tragen Verantwortung für den Hirschbestand – 480 Tiere sollen sie in der kommenden Saison erlegen

Während die Reduktion des Hirschbestands unbestritten ist, gehen die Meinungen über den Weg auseinander. An der Delegiertenversammlung in Wildhaus stellte sich Amtsleiter Dominik Thiel den Fragen der Reviervertreter.

Adi Lippuner
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Jeder Teilnehmer der Delegiertenversammlung registriert sich beim Eingang.

Jeder Teilnehmer der Delegiertenversammlung registriert sich beim Eingang.

Bild: Adi Lippuner

Die Vorstellung, wie die Abschusszahlen beim Hirschbestand erreicht werden können, driften zwischen der Rotwild-Hegegemeinschaft 1 (RHG) und dem Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) auseinander. An der Delegiertenversammlung stellte sich Amtsleiter Dominik Thiel den Fragen der Reviervertreter und begründete die Ablehnung des von der RHG gestellten Antrags. Diese wollte vermehrt Kahlwild, also weibliche Tiere erlegen und bei den Stieren stärker in die Jugendklasse eingreifen. Obmann Nic Wohlwend, Azmoos, ist überzeugt:

«Damit würde eine ideale Alterspyramide erreicht, die auch in Zukunft Bestand haben sollte.»

Aufgrund der Zählungen, welche coronabedingt durch die Wildhüter erfolgten, lehnte das ANJF den Antrag ab.

Zählungen lassen Vergleich mit Vorjahren nur bedingt zu

Dominik Thiel, Leiter des kantonalen Amts für Natur, Jagd und Fischerei stellt sich Fragen der Anwesenden.

Dominik Thiel, Leiter des kantonalen Amts für Natur, Jagd und Fischerei stellt sich Fragen der Anwesenden.

Trotz Uneinigkeit zwischen der Jägerschaft und dem ANJF ging die Delegiertenversammlung der RHG am Donnerstagabend im Hotel Alpenrose, Wildhaus, ruhig über die Bühne. Beide Seiten legten ihren Standpunkt bezüglich Bestandesregulierung der Hirsche in den Regionen Toggenburg, Rheintal-Werdenberg und Sarganserland dar. Uneinigkeit herrschte bezüglich der Abschussvorgabe bei weiblichen Tieren und der Regulierung junger männlicher Hirsche.

Dominik Thiel begründete die Vorgaben des Kantons mit den durch die Wildhüter vorgenommenen Wildzählungen. RHG-Obmann Nic Wohlwend setzt hinter die Ende März durchgeführten Nachttaxationen mit Wärmebildkameras ein Fragezeichen. «Der Einsatz von Wärmebildkameras ohne parallel durchgeführte Scheinwerferzählung, der auffallend niedrige Kälberanteil, unterschiedliche Zuordnungen der ‹Unbestimmten› und die Zählung in mehreren Nächten in teilweise denselben Rotwildlebensräumen lassen einen direkten Vergleich zu den Zählungen der Vorjahre nur bedingt zu, weshalb bei der Organisation der Nachttaxation 2022 nachgebessert werden muss.»

Die Delegierten bei der Abstimmung der statutarischen Geschäfte.

Die Delegierten bei der Abstimmung der statutarischen Geschäfte.

Bild: Adi Lippuner

Fragen klären und damit Gerüchten vorbeugen

Für Dominik Thiel entstehen Gerüchte, wenn Fragen offenbleiben. Aus diesem Grund stellte er sich den Fragen der Jägerschaft und begründete die Vorgaben des Kantons mit den Worten: «Beide Seiten wollen ihre Arbeit richtig machen, wobei die Wildzählung diesen Frühling auf Wunsch des Gesundheitsdepartements durch die Wildhüter vorgenommen wurde. Dabei durften jeweils nicht mehr als zwei Personen in einem Auto sein und der Einsatz erfolgte mit Wärmebildkameras.»

Obmann Nic Wohlwend führt durch die Versammlung.

Obmann Nic Wohlwend führt durch die Versammlung.

Zudem seien die Wildhüter in ihren Gebieten oft unterwegs, um die Wildrudel zu beobachten. «Unser gemeinsames Ziel ist es, den Bestand ganz allgemein zu verringern und dies wird erreicht, indem die weiblichen Tiere verstärkt reduziert und der Bestand der Stiere etwas erhöht wird», so Dominik Thiel.

Die Vorgabe für den Abschuss der RHG 1 für die kommende Jagdsaison lautet deshalb: Insgesamt 480 Hirsche, davon 384 weibliche Tiere, wobei in der Region Rheintal Werdenberg 296, im oberen Toggenburg 123, im Seeztal-Nord deren 48 geschossen und verteilt auf die ganze Region zusätzlich 10 junge Hirsche (Spiesser) erlegt werden müssen.

480 Hirsche sollen erlegt werden.

480 Hirsche sollen erlegt werden.

Bild: Sina Schuldt/Keystone

Freizeitaktivitäten spürbar

In Wildhaus waren 29 der insgesamt 34 Reviere der RHG 1 mit je einer Person vertreten. Auf gemeinschaftliche Anlässe wie Gesellschaftsjagden, Delegiertenversammlung (DV) und gemütliches Beisammensein musste im vergangenen Jahr verzichtet werden, hielt Nic Wohlwend in seinem Jahresbericht fest.

«Spürbar waren dafür die Freizeitaktivitäten in den Jagdgebieten. Pilzler, Biker und Wanderer suchten Erholung in der Heimat, nachdem das Verreisen nur noch eingeschränkt möglich war.»

Der Wegfall der DV 2020 verminderte, wie Kassier Noldi Rossi, Gams, die Anwesenden wissen liess, die Ausgaben. «Allerdings ist dies nicht der Zweck unseres Vereins, denn der direkte Austausch ist wichtig.» So wurde anstelle des budgetierten Verlustes ein Einnahmenüberschuss von knapp 5500 Franken verbucht und das Vermögen beträgt 14018 Franken. Im Budget sind rund 9000 Franken Einnahmen und 11500 Franken Ausgaben, inklusive der Kosten für die DV und die Nachttaxation, vorgesehen. Der Ausgabenüberschuss von 2500 Franken könne, aufgrund des vorhandenen Vermögens, verkraftet werden.

Ersatzwahlen im Vorstand nach Rücktritten

Wechsel im Vorstand der Rotwild-Hegegemeinschaft 1: Bruno Röthlisberger und Werner Zogg wurden verabschiedet, Obmann Nic Wohlwend und die beiden neuen Vorstandsmitglieder Hubert Schmid und Andreas Eisenring (von links).

Wechsel im Vorstand der Rotwild-Hegegemeinschaft 1: Bruno Röthlisberger und Werner Zogg wurden verabschiedet, Obmann Nic Wohlwend und die beiden neuen Vorstandsmitglieder Hubert Schmid und Andreas Eisenring (von links).

Bild: Adi Lippuner

Der gesamte Vorstand wurde vor einem Jahr, bei der schriftlich durchgeführten DV für die Amtsdauer von zwei Jahren gewählt. Zwei Rücktritte im Vorstand und einen bei den Revisoren machten Ersatzwahlen nötig. Für Bruno Röthlisberger, Obmann der Hegeregion Seeztal-Nord, nimmt neu Hubert Schmidt, Pächter im Revier Berschis, im Vorstand Einsitz. Andreas Eisenring, Pächter im Revier Churfirsten, ist Nachfolger von Werner Zogg als Aktuar. Als Nachfolger von Revisor Stefan Schädler wurde Heinz Rust, Pächter im Revier Krummenau, gewählt.