Intensivbetten-Kapazität am Anschlag – Coronapatienten werden von Grabs in andere Spitäler gebracht

Aktuell müssen Covid-19-Intensivpatienten aus Grabs in andere st.gallische Spitäler mit Intensivstationen verlegt werden. Die Zahl der Corona-Todesopfer ist deutlich gestiegen. Die Operationstätigkeit in der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland ist wieder erhöht worden.

Thomas Schwizer
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Die Behandlung von Covid-19-Patienten auf der Intensivpflegestation (hier im Kantonsspital St.Gallen) ist aufwendig.

Die Behandlung von Covid-19-Patienten auf der Intensivpflegestation (hier im Kantonsspital St.Gallen) ist aufwendig.

Bild: Arthur Gamsa (22.Oktober 2020)

Die Zahl der schwer an Covid-19 erkrankten Patientinnen und Patienten in Intensivpflege ist im Spital Grabs seit zwei Wochen stabil bei fünf bis sieben. Zusammen mit einer, sich täglich ändernden, Zahl weiterer Patienten auf der Intensivpflegestation (IPS) wurden am Freitag neun Intensiv-Patienten im Spital Grabs behandelt.

Intensivpatienten aus Kapazitätsgründen in andere Spitäler verlegt

Für Notfälle muss immer eine gewisse Zahl von Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit bereit stehen. Deshalb kommt es derzeit immer wieder vor, dass Covid-19-Patienten aus Kapazitätsgründen in andere Spitäler verlegt werden müssen, teilt die Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland (SRRWS) auf Anfrage mit.

Die Zusammenarbeit zwischen den st.gallischen Spitälern mit IPS, neben Grabs das Kantonsspital St.Gallen und die Klinik Stephanshorn, klappe sehr gut. Aktuell werden in Grabs nur zehn der maximal zwölf Intensivplätze genutzt, in nicht Covid-Zeiten gibt es hier sieben Plätze.

Einige der zusätzlich geschaffenen Intensivpflegebetten bilden eine Notfall-Reserve.

Einige der zusätzlich geschaffenen Intensivpflegebetten bilden eine Notfall-Reserve.

Bild: Britta Gut

Täglich stirbt in der Spitalregion ein Covid-19-Patient

Die Zahl der Menschen, die an oder mit dem Coronavirus sterben, steigt auch in den drei Spitälern der Spitalregion (Altstätten, Grabs und Walenstadt). In den letzten 16 Tagen sind hier markant mehr Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Mit 16 neu Verstorbenen waren es in dieser Zeit durchschnittlich ein Patient oder eine Patientin pro Tag.

Dies sind deutlich mehr als in der ersten Coronawelle im Frühjahr, als insgesamt in der SRRWS erst vier Covid-19-Patienten verstorben sind. Nach Ausbruch der zweiten Welle waren es bis am 4. November vorerst weitere fünf Patienten, bevor die Zahl der Verstorbenen deutlich stieg.

Covid-19-Intensivpatienten haben lange Aufenthaltsdauer

Auf der Intensivpflegestation im Spital Grabs, der einzigen zwischen Chur und St.Gallen, werden aktuell nur zehn der wegen Covid-19 auf zwölf ausgebauten Betten auf der Intensivpflegestation (IPS) betrieben.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Covid-19-Patienten auf der IPS liegt gemäss der SRRWS bei drei bis vier Wochen, jene anderer Patienten bei fünf bis sieben Tagen.

Operationsbetrieb wurde wieder leicht ausgebaut

Weil die IPS sehr personalintensiv ist, läuft der Operationsbetrieb in der SRRWS aktuell um 40 bis 50 Prozent unter dem Normalbetrieb. Ein Grund dafür ist einerseits, dass freie IPS-Betten für Notfälle bereit stehen müssen. Es gilt aber auch, genügend Anästhesiepersonal für den Operationsbetrieb einsetzen zu können. Die SRRWS stellt dazu fest:

«Es wird täglich evaluiert, wie diese Verteilung aussehen muss, um die optimale Balance zwischen laufendem Betrieb und Covid-19-Behandlung sicherzustellen.»

Vor gut zwei Wochen war der Operationsbetrieb in den drei Spitälern der SRRWS stark reduziert worden. Dies wegen des Personalbedarfs für den Ausbau der Intensivpflegeplätze-Zahl in Grabs.

Die Anzahl Covid-19-Patienten, die sich stationär in den drei Spitälern befinden, ist zwar seither leicht gefallen, befindet sich aber, mit 37 am Freitag, weiterhin auf hohem Niveau. Aktuell sind vier der fünf Operationssäle im Spital Grabs und einer der beiden OPs in Walenstadt in Betrieb. Die beiden in Altstätten sind weiterhin geschlossen, teilt die Spitalregion auf Anfrage mit.

Mit dem leichten Wiederausbau der Operationskapazität will man vermeiden, dass die Warteliste aufgrund verschobener Operationen zu stark anwächst, wie dies im Frühling der Fall war.

Weiterhin hohe Belastung der Spital-Mitarbeitenden

Die Belastung der Spitalmitarbeitenden ist weiterhin hoch. Das zeigt sich auch darin, dass in Einzelfällen auch Personen arbeiteten, die wegen Covid-19 in Quarantäne wären – und sogar einzelne, die positiv getestet wurden, gemäss kantonaler Weisung aber aus der Isolation befreit wurden.

Die Spitalregion RWS betont, dass dies keine Gefahr darstelle. Die Betreffenden seien «symptomfrei und halten sich an die strengen erweiterten Standardmassnahmen».