Integrales Projekt brachte Sicherheit für Gams – seit 1970 werden Massnahmen umgesetzt und unterhalten – Sicherheit kostet Geld und Arbeit

Das integrale Waldbau- und Entwässerungsprojekt in Gams ist ein grosser Erfolg, muss aber stets unterhalten werden. Beteiligte erinnern sich und blicken voraus.

Heini Schwendener
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Fredy Schöb, Martin Lieberherr, Niklaus Lenherr, Othmar Lenherr, Jürg Trümpler, Karl Lenherr und Josef Kurath (von links) freuen sich über die Auszeichnung beim Alpinen Schutzwaldpreis Helvetia 2019.

Fredy Schöb, Martin Lieberherr, Niklaus Lenherr, Othmar Lenherr, Jürg Trümpler, Karl Lenherr und Josef Kurath (von links) freuen sich über die Auszeichnung beim Alpinen Schutzwaldpreis Helvetia 2019.

Bild: Heini Schwendener

Sozusagen zu einem Generationentreffen kam es dieser Tage im Werkhof der Ortsgemeinde Gams. Pioniere, die Anfang der 1970er-Jahr das integrale Waldbau- und Entwässerungsprojekt der Gemeinde Gams initiiert und schliesslich umgesetzt haben, liessen zusammen mit Vertretern der Ortsgemeinde und der Politischen Gemeinde Erinnerungen aufleben. Und es wurde angestossen, denn das Gamser Projekt hat kürzlich anlässlich der Vergabe des Alpinen Schutzwaldpreises Helvetia 2019 in der Kategorie Erfolgsprojekte eine Auszeichnung gewonnen.

Das Mammutprojekt wurde 1970 initiert

Das Dorf Gams liegt im Bereich von drei Wildbächen und wurde in seiner Geschichte immer wieder von schweren Hochwassern und Murgängen in Mitleidenschaft gezogen. Seit rund 120 Jahren wird versucht, mit waldbaulichen Massnahmen und Verbauungen das Siedlungsgebiet zu schützen.

Die Holzkastensperren im Rutschgebiet müssen stetig überwacht und unterhalten werden, damit sie ihre Funktion erfüllen.

Die Holzkastensperren im Rutschgebiet müssen stetig überwacht und unterhalten werden, damit sie ihre Funktion erfüllen.

Bilder: PD

Einen nachhaltigen Erfolg zeitigte aber erst das 1970 vom damaligen Gemeindammann Josef Kurath und weiteren Personen initierte integrale Waldbau- und Entwässerungsprojekt. Ein Mammutprojekt, das die arme Gemeinde ohne die Mithilfe von Bund und Kanton nie hätte stemmen können.

Unterhaltskosten im Verhältnis zu den geschützten Werten sehen

Das Projekt wurde dank des enormen Einsatzes aller zum Erfolg, denn seither ist das Gamser Siedlungsgebiet von schweren Hochwassern und Murgängen weitgehend verschont geblieben.

An diesem Projekt arbeiteten und arbeiten die Ortsgemeinde und die Politische Gemeinde eng zusammen. Und so trafen sich in Gams Alt-Gemeindammann Josef Kurath, der damalige Projektleiter und spätere Kantonsförster Jürg Trümpler, der ehemalige Revierförster Othmar Lenherr und der aktuelle, Martin Lieberherr, der Präsident der Ortsgemeinde, Karl Lenherr, Niklaus Lenherr, Ortsverwaltungsrat und Waldrat, und der amtierende Gemeindepräsident Fredy Schöb.

Mit renommiertem Binding-Preis ausgezeichnet

Alle waren sich einig: Das Projekt von damals, das 1996 sogar mit dem renommierten Binding-Preis ausgezeichnet worden war, ist darum so erfolgreich, weil in der Folge auch der Unterhalt der baulichen Massnahmen nie vernachlässigt wurde. Gemeindepräsident Fredy Schöb sagte:

«Dass wir hier weitgehend Ruhe haben vor verheerenden Naturereignissen ist trügerisch.»

Wer nicht mit der Materie betraut sei, frage sich wohl manchmal, warum man noch immer jährlich über 100'000 Franken ausgebe, wenn das Dorf ja schliesslich sicher sei. Diese Sicherheit sei nur dank der Ausgaben für den Unterhalt und der damit verbundenen grossen Arbeit aller Beteiligten gewährleistet.

Aufräumen nach der Wasserkatastrophe vom 2. August des Jahres 1901 in Gams.

Aufräumen nach der Wasserkatastrophe vom 2. August des Jahres 1901 in Gams.

Wenn man sich vergegenwärtige, welche immensen Werte im Siedlungsgebiet dank dieser Ausgaben wirkungsvoll geschützt würden, relativiere sich die Zahl doch sehr stark, sagten Fredy Schöb und Martin Lieberherr.

«Jenen Tag werde ich nie vergessen»

Die illustre Runde, die sich im Werkhof der Ortsgemeinde Gams traf, verantwortete und verantwortet noch immer das Generationenprojekt, das als Folge des zerstörerischen Unwetters vom 30.Juli 1970 zur Hand genommen wurde. Der damalige Gemeindammann Josef Kurath sagt noch heute, mit 85 Jahren: «Jenen Tag werde ich nie mehr vergessen.»

Sicherheit vor Naturgefahren gib es nicht gratis

Wasser- und waldbauliche Massnahmen sowie die forstliche Entwässerung haben in den vergangenen Jahrzehnten in Gams viel Geld gekostet. Hier einige Auszüge der Ausgaben: Wasserbauprojekte von 1901–1930 kosteten 1,656 Mio. Fr., die diversen Projekte von 1977–2009 schlugen mit 17 Mio. Fr. zu Buche. Die forstliche Entwässerung zwischen 1954 und 1970 kostete 105'000 Fr. (Entwässerung, Verbauung, Aufforstung), das Entwässerungsprojekt 1977–2009 war 5 Mio. Fr. teuer. Von Bund und Kanton gab es Beiträge in der Höhe von 78 Prozent. Im Waldbau gab es das Projekt 1920–1930 (Aufforstungen, Verbauungen) für 13'000 Fr., dann das Wiederherstellungsprojekt (1986–1962) mit Kosten von 700'000 Fr. (Beiträge Bund und Kanton 70 Prozent). Das Waldbauprojekt 1992–2002 schlug mit 2,5 Mio. Fr. zu Buche. Wiederum gab es Beiträge von Bund und Kanton in der Höhe von 88 Prozent. (she)

In Gams hatte man damals zwar schon Jahrzehnte lang Erfahrung mit waldbaulichen Massnahmen und Gewässerverbauungen. Doch diesmal, das war klar, mussten grössere Massnahmen ergriffen werden. Dies bestätigte in der Folge auch der Kanton, er verlangte ein geologisches Gutachten, denn die Verbauung von Bächen in diesem grossen Rutschgebiet alleine war offenbar keine Lösung.

Entwässerungsbauten am Berg werden erstellt.

Entwässerungsbauten am Berg werden erstellt.

Jürg Trümpler kam für das Projekt ins Werdenberg

Kurath erinnert sich: «Da mussten wir als arme Gemeinde doch tatsächlich einen Ingenieur anstellen, um ein Projekt zu erarbeiten.» Jürg Trümpler, ein Zürcher, wurde gewählt. Damit begann seine grossartige berufliche Karriere im Werdenberg. Trümpler ging Jahrzehnte später als Kantonsförster in Pension. Faszinierend für den jungen Forstingenieur war damals das interdisziplinäre Vorgehen. Verschiedene Fachrichtungen planten Hand in Hand. Es entstand ein integrales Waldbau- und Entwässerungskonzept für die Gemeinde Gams.

«Dabei ging es um die Entwässerung, um Bachverbauungen, um Hochwasserspitzen zu brechen, und um den Schutzwald», erinnert sich Jürg Trümpler und fügt an:

«Es war ein interessantes Projekt für mich als jungen Forstingenieur. Wichtig war für mich, dass die Verantwortlichen der Politischen Gemeinde und der Ortsgemeinde immer voll dahinter gestanden sind.»

Und das tun sie noch heute, wie Gemeindepräsident Fredy Schöb und Karl Lenherr, der Präsident der Ortsgemeinde Grams, beim Treffen im Werkhof mit Nachdruck versicherten.

Gamser Wildbäche konnten gezähmt werden

Das integrale Waldbau- und Entwässerungsprojekt Gams hat dank der Grundlagenforschung in verschiedenen Fachbereichen Normen erarbeitet, die sich bewährt haben. Dank dieser Forschung, dank des daraus entwickelten Konzepts, das fachgerecht umgesetzt wurde, und dank der beharrlichen Arbeit über Generationen konnten die Gamser Wildbäche gezähmt werden.

Dieser Kampf gegen die Naturgewalten dauert in Gams schon seit 120 Jahren an, viele Konzepte und Massnahmen wurden umgesetzt, bevor das 1970 angestossene integrale Konzept eine nachhaltige Verbesserung der Situation gebracht hat. Die Umsetzung des integralen Waldbau- und Entwässerungsprojekts wurde 1977 gestartet und 2009 beendet.

Auch der Wald ist ein wichtiger Bestandteil

Der Wasserbau war verantwortlich für die massiven Betonsperren, der Forstdienst für die restlichen Arbeiten. Nebst den baulichen Massnahmen war der Wald ein weiterer, wichtiger Bestandteil im Gesamtkonzept zur Sicherung der Sachwerte in der Gemeinde Gams. Seit dem Jahr 2011 laufen alle Arbeiten über die Ortsgemeinde. Sie kann dabei auf eine bewährte Baugruppe mit langjähriger Erfahrung zählen.