Inszenierte Liebe bei den Podium-Konzerten mit Werdenberger Beteiligung

Dass die hehre, klassische Liedkunst durchaus dem prallen Leben entspringt, zeigten Isabel Pfefferkorn (Vorarlberg) und Florian Glaus (Buchs) beim ersten Podium-Konzert des Jahres.

Drucken
Teilen
Bezaubernd und betörend: Isabel Pfefferkorn, Florian Glaus und Pianist Mischa Cheung. (Bild: Nils Vollmar)

Bezaubernd und betörend: Isabel Pfefferkorn, Florian Glaus und Pianist Mischa Cheung. (Bild: Nils Vollmar)

(hw) Zwei Klappstühle – ein Flügel. Mehr holt das Licht gestern Vormittag nicht aus dem dunklen Bühnenraum des TAK. Doch dann flattert der hintere Vorhang, ein Mann eilt hervor, lässt sich in einen der Stühle gleiten. In sich zusammengesunken sitzt Florian Glaus (aufgewachsen in Buchs) da, die Hand vorm Gesicht. Derweil lehnt sich Isabel Pfefferkorn im roten Kleid an den Flügel, an dem bereits Mischa Cheung Platz genommen hat. Ein paar zarte Akkordzerlegungen tippt der Pianist an, ein paar angedeutete Harmonien. Dann setzt die Sängerin zu einem eigentlich bescheidenen Statement ein: «Auch kleine Dinge können uns entzücken» lautet die allererste Strophe aus dem «Italienischen Liederbuch» von Hugo Wolf. Die nächsten Zeilen weisen darauf hin, dass neben Rosen auch Perlen zu diesen kleinen, entzückenden Dingen gehören können.

Ein dramatisierter Liederzyklus

Hugo Wolf schrieb diesen Liederzyklus in den 1890er Jahren auf altitalienische Liebesgedichte, die der spätere Nobelpreisträger Paul Heyse behutsam ins Deutsche übertragen hatte. Hugo Wolf lässt hier männliche und weibliche Protagonisten von Liebesleid und -lust erzählen. Aus den 46 Liedern haben Isabel Pfefferkorn und Florian Glaus eine Auswahl getroffen und in einen dialogischen Ablauf gebracht. So entstand über die hochromantischen Lieder ein Gespräch zwischen den beiden, das mit verblüffender Zeitlosigkeit bestach. Vor allem war es die halbszenische Interpretation, die aus der Liedermatinee am Sonntagmorgen ein hinreissendes Dramolett machte.

Eigentlich hatte Maestro Graziano Mandozzi als Initiator und Leiter der Podium-Konzerte eine kleine Oper versprochen. Deshalb wurden mit der Mezzosopranistin Isabel Pfefferkorn und dem Tenor Florian Glaus auch zwei junge Künstler eingeladen, die eigentlich nicht mehr zur Zielgruppe der Podium-Künstler gehörten, so Maestro Mandozzi. Isabel Pfefferkorn, bereits 2015 Podium-Künstlerin und im Vorjahr Solistin beim SOL, singt im Mai bei der Schubertiade Hohenems. Florian Glaus absolviert gerade ein Praktikum als medizinischer Masseur im Berner Oberland. Deshalb ruht seine Tätigkeit als Assistent und Stimmbildner am Konservatorium Winterthur. Kürzlich war er im St. Galler Dom und mit einem Vokalquartett aus Dozenten der Zürcher Hochschule zu hören. Der Buchser Tenor und Chorleiter will in Zukunft vermehrt Musik und Medizin verbinden, gerade in der Arbeit mit Chören, aber auch mit Solisten.

Kennen gelernt haben sich die Sängerin und der Sänger mit 11 Jahren in der Liechtensteinischen Musikschule – als Cello-Solisten. In der Gesangsklasse an der Zürcher Hochschule haben sie sich wieder getroffen. Dass sie sich glänzend verstehen, haben sie in ihrem Programm «Liebe auf Umwegen» bewiesen. Franz Lehars Operettenduett «Lippen schweigen» versöhnte im Walzertakt verschmähte Liebe. In Kurt-Weill-Songs bewies sich Pfefferkorn – trotz defektem Mikrofon – als Chanteuse und Glaus als Vaudeville-Sänger. Während sie lange Zeit stimmlich mit engem Timbre agierten, blühten sie zum Schluss mit Songs und Duetten von Gershwin endlich auf. Der einfühlsame Pianist Mischa Cheung trug wesentlich zum Gelingen bei. Er streute eine entspannt-lockere Kurzfassung der «Rhapsody in Blue» ein.