Initiative «Stopp dem Tierleid» geht Werdenberger Bürgerlichen zu weit, Linke unterstützen sie «voll und ganz»

Bürgerliche Kantonsratsmitglieder aus dem Werdenberg und ein Vertreter der Ratslinken sind nicht einig, die Mehrheit des St.Galler Kantonsrates verlangt von der Regierung einen Gegenvorschlag.

Thomas Schwizer
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Der Kantonsrat., der in einer Olmahalle tagt, hat der Regierung den Auftrag erteilt, einen Gegenvorschlag zur Initiative «Stopp dem Tierleid» zu erarbeiten.

Der Kantonsrat., der in einer Olmahalle tagt, hat der Regierung den Auftrag erteilt, einen Gegenvorschlag zur Initiative «Stopp dem Tierleid» zu erarbeiten.

Bild: Benjamin Manser

Der Kantonsrat hat am ersten Tag der Junisession, der ersten in der erneuerten Zusammensetzung, den Kantonsratsbeschluss über die Gesetzesinitiative «Stopp dem Tierleid – gegen Zäume als Todesfallen für Wildtiere» und den von der Regierung in der gleichen Sache unterbreiteten «III. Nachtrag zum Gesetz über die Jagd, den Schutz der wildlebenden Säugetiere und Vögel sowie deren Lebensräume (Jagdgesetz)» in erster Lesung behandelt.

Der W&O hat vier Kantonsratsmitglieder aus der Region Werdenberg und Obertoggenburg gefragt: Warum haben Sie dem Kantonsratsbeschluss über die Gesetzesinitiative «Stopp dem Tierleid» und dem Nachtrag zum Jagdgesetz zugestimmt? Alternativ lautete die Frage: Warum haben sie diese Anträge der Regierung abgelehnt und stattdessen dem Antrag der vorberatenden Kommission an die Regierung zugestimmt, dem Volk einen Gegenvorschlag zur Gesetzesinitiative «Stopp dem Tierleid» zu unterbreiten?

Mirco Rossi: «Für mich geht die Initiative zu weit»

Mirco Rossi (SVP, Sevelen)

Mirco Rossi (SVP, Sevelen)

Bilder: PD

Das Thema ist hoch emotional und es treffen hier verschiedene Fronten aufeinander. Die Fallwildstatistik des Kantons aus dem Jahr 2018 zeigt auf, dass damals 2498 Wildtiere ausserhalb der Einwirkung von Jägern gefallen sind. Ebenfalls aus der Statistik ist zu erkennen, dass sich 25 Tiere in Zäunen verfangen haben und dadurch verendet sind. Im Vergleich zu Unfällen im Strassenverkehr, verendeten – auch nicht immer direkt – rund 52-mal mehr, nämlich 1303 Tiere.

Nichtsdestotrotz darf der Umstand der Zäune nicht verharmlost werden. Dennoch können wir an gewissen Stellen, wie zum Beispiel an Bergkämmen, nicht auf Stacheldraht verzichten. Dies insbesondere, um den Absturz von Nutztieren bei der Beweidung der Alpen zu vermeiden. Das grössere Problem sind hier wohl mehr die temporären, orangen Weidezäune für Schafe oder Ziegen, welche nach der Nutzung nicht mehr entfernt werden. Für mich geht die Initiative zu weit und ein ausgewogener Gegenvorschlag zur Initiative ist zu begrüssen.

Josef Gähwiler: «Ich unterstütze die Initiative»

Josef Gähwiler (SP, Buchs)

Josef Gähwiler (SP, Buchs)

Wer häufig in der Natur unterwegs ist, stellt die Problematik, die diese Gesetzesinitiative aufgreift, selber fest. Unsachgemäss und gesetzeswidrig erstellte Zäune und solche, die während Jahren in freier Wildbahn vernachlässigt werden, sind verantwortlich für den Tod von zahlreichen, qualvoll verendeten Wildtieren – auch im Kanton St. Gallen. Diesen Todesfallen möchte die Initiative einen Riegel schieben.

Aus Überzeugung unterstütze ich die Anliegen der Initiative voll und ganz. Es ist wichtig, dass die Grundeigentümer und Ersteller von Zäunen diese so errichten und instand halten, dass Wildtiere nicht zu Schaden kommen. Die Gesetzesinitiative darf nicht, wie von der vorberatenden Kommission gewünscht, verwässert werden – ein Blick in die Wälder, Waldränder und Felder zeigt den dringenden Handlungsbedarf.

Mirco Gerig: «Initiative hat Mängel in der Umsetzung»

Mirco Gerig (SVP, Alt St.Johann)

Mirco Gerig (SVP, Alt St.Johann)

Ich begrüsse die Diskussion, denn die Klärung der Sachlage tut gut und das Tierleid von Wildtieren soll auch bei den Nutztieren angewendet werden, obschon die Fallzahlen tief sind. Die Initiative geht jedoch zu weit und hat grosse Mängel in der Umsetzung. Die Initianten verlangen ein absolutes Stacheldrahtverbot. Es benötigt aber einen Schutz vor Abstürzen der Nutztiere. Zusätzlich soll der Grundeigentümer gemäss Initianten für die Zäune verantwortlich gemacht werden. Derweil die Pächter und Mieter verantwortlich sind, weil sie die Zäune aufstellen.

Die Weidenetze sind für die Wildtiere das grössere Problem als der Stacheldraht. Auch wenn die Netze sachgemäss installiert sind, können sich Wildtiere auf der Flucht verwickeln und das kann zum Tod führen. Das Gleiche gilt auch für die Nutztiere. Wenn beispielsweise ein Schaf sich im Netz verfängt, kann es tödlich enden. Mit einem Gegenvorschlag ist aufzuzeigen, wie das möglich gemacht werden kann, dass weniger Tiere verenden. Auch soll eine Klärung der verschiedenen Zäune erfolgen, beispielsweise ob man sie stehen lassen darf oder abräumen muss oder bezüglich ihrer Sichtbarkeit. Folglich unterstütze ich den Antrag für den Gegenvorschlag.

Katrin Frick: «Die Vorlage ist zu wenig ausgereift»

Katrin Frick (FDP, Buchs)

Katrin Frick (FDP, Buchs)

Grösstenteils hege ich Sympathien für diese Vorlage. Es braucht dringend eine Lösung zum Schutz der Wildtiere. Die Vorlage, wie sie uns unterbreitet wird, empfinde ich als zu wenig ausgereift. Es ist mir ein Anliegen, dass eine verbesserte Gesetzesänderung durch die Regierung, in Absprache mit den Anspruchsgruppen, erstellt und uns zur Abstimmung vorgelegt wird.

Insbesondere die Regelung um permanente und mobile Zaunanlagen, ein genau definiertes Verbot von Stachelzäunen, und auch wer für die Aufsicht zuständig sein soll. Meine klare Haltung ist es, dass es zum Schutz und Wohle der Wildtiere einer Gesetzesänderung bedarf.