In Sevelen bleibt fortan die schönste Kuh ungekürt

121 Jahre alt ist der Viehzuchtverein Sevelen– ein Traditionsverein also. Doch nun bricht er mit einer seiner Traditionen, denn er veranstaltet keine Gemeindeviehschau mehr. Die Gründe sind vielfältig.

Heini Schwendener
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Die Viehschau beim Zinslihof in Sevelen ist Geschichte, das Interesse der Bauern ist zu gering. (Bilder: Heini Schwendener)

Die Viehschau beim Zinslihof in Sevelen ist Geschichte, das Interesse der Bauern ist zu gering. (Bilder: Heini Schwendener)

Im nahenden Herbst ist wieder Zeit für die Gemeindeviehschauen – ausser in Sevelen. Die Kuh Villa, die am 14. Oktober 2017 zur «Miss Sevelen» gekürt worden war, wird ihren Titel heuer weder abgeben müssen noch verteidigen können. Denn schon 2017 hatte der Viehzuchtverein Sevelen an seiner Versammlung mit 12 gegen 3 Stimmen entschieden, 2018 keine Gemeindeviehschau mehr durchzuführen.

Viehschauen hatten früher für die Landwirte einen grösseren Stellenwert als heute.

Viehschauen hatten früher für die Landwirte einen grösseren Stellenwert als heute.

Der breiteren Öffentlichkeit wurde dies erst kürzlich mit der Gründung des neuen Dorfvereins Club Sevelen wieder bewusst, weil der auf einige beliebte und traditionelle Anlässe hinwies, die nicht sterben oder aber wiederbelebt werden sollten. Bei der Viehschau kann freilich auch der Club Sevelen nichts ändern, wenn noch nicht einmal die Bauern an ihrer Viehschau festhalten wollen.

Seit diesem Frühjahr ist Georg Hofmänner neuer Präsident des Viezuchtvereins Sevelen. Er mag den Verlust der Gemeindeviehschau nicht bewerten, sondern stellt gegenüber dem W&O nüchtern fest:

«Wenn das Interesse dafür fehlt, dann ist das eine Tatsache, um die man nicht herumkommt.»

Schon in jüngster Vergangenheit habe die Viehschau nur noch dank des grossen Engagements des ehemaligen Vereinspräsidenten Ralph Tischhauser durchgeführt werden können. Doch wenn die Basis ja eigentlich kein Interesse hat, dann fehlen dem Organisator die helfenden Hände.

Nicht mehr so stark in den Traditionen verankert

Die Gründe sind vielfältig, warum die Seveler Bauern ihren Traditionsanlass nicht mehr durchführen wollen oder können. In Sevelen gebe es immer weniger Landwirte mit Melkkühen, so Hofmänner. Der Strukturwandel, in dem die Landwirtschaft seit Jahren steckt, lässt grüssen. Die Bauern vom Berg hätten ohnehin seit langem noch weniger Interesse an der Viehschau gehabt, weil für sie der Aufwand dafür grösser als für Talbauern sei. Hinzu kommt, dass mit dem Generationenwechsel auf vielen Höfen jüngere Leute das Sagen haben, denen Traditionen nicht mehr so viel bedeuten, vor allem wenn sie mit viel Aufwand verbunden sind. Zudem versuchen die Veranstalter, mit attraktiven Zusatzangeboten die nichtlandwirtschaftliche Bevölkerung an Viehschauen zu locken. Dieser Effort wiederum ist nur mit vielen Helfern zu stemmen.

Immer weniger Viehschauen

Der St. Galler Braunviehzuchtverband hält in einem Rückblick auf die Gemeindeviehschauen des Jahres 2017 fest, dass an 57 Viehschauen insgesamt 20'351 Tiere von 855 Betrieben aufgeführt worden sind. Fünf Jahre früher hat der St. Galler Braunviehzuchtverband noch 62 Gemeindeviehschauen registriert (21'499 aufgeführte Tiere von 996 Betrieben). Blättert man in der Chronik noch weiter zurück, dann ergeben sich für das Jahr 2007 folgende Werte: An 68 Gemeindeviehschauen im Kanton St. Gallen führten 1144 Betriebe insgesamt 23'245 Tiere auf. (she)