In jedem dritten Werdenberger Haushalt lebt nur eine Person – das ist freiem Willen oder den Lebensumständen geschuldet

Ende 2019 gab es im Wahlkreis Werdenberg 16939 Haushalte, 411 mehr als im Vorjahr.

Heini Schwendener
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Der Anteil Einpersonenhaushalte in der Stadt Buchs beträgt 36,8 Prozent, in grossen Städten ist er noch höher.

Der Anteil Einpersonenhaushalte in der Stadt Buchs beträgt 36,8 Prozent, in grossen Städten ist er noch höher.

Bild: Heini Schwendener

16939 Privathaushalte gab es im Jahr 2019 im Wahlkreis Werdenberg, 2,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Laut den aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Statistik betrug der Anteil der Einpersonenhaushalte 33,3 Prozent. 5638 Privathaushalte waren also Singlehaushalte. Dieser Anteil ist etwas geringer als der kantonale Durchschnitt mit 35 Prozent.

42,3 Prozent Haushalte mit nur Erwachsenen

Das Bundesamt für Statistik unterscheidet vier Haushaltstypen. «Haushalte mit nur unter 18-Jährigen» gab es im vergangenen Jahr keine im Kanton St. Gallen. Am weitesten verbreitet sind Haushalte, in denen nur Erwachsene wohnen. Im Wahlkreis Werdenberg gab es im Jahr 2019 insgesamt 16939 Haushalte. Die Kategorie «Haushalte mit nur Erwachsenen» war mit 42,3 Prozent Anteil die grösste, gefolgt von «Einpersonenhaushalten» mit einem Anteil von 33,3 Prozent und «Haushalten mit Erwachsenen und Kindern (Personen jünger als 18 Jahre)», die einen Anteil von 24,5 Prozent hatten. In 10865 der insgesamt 16939 Werdenberger Haushalten lebten im vergangenen Jahr eine Generation (64,1 Prozent), Zwei-Generationen-Haushalte gab es 5739 (33,9 Prozent). Immer seltener werden seit Jahren Drei-Generationen- Haushalte. 2019 gab es davon noch 335 (2 Prozent), im Jahr zuvor waren es 364. (she)

Schweizweit lebten 2019 16Prozent der ständigen Wohnbevölkerung in Einpersonenhaushalten. Von den 3,8 Millionen Privathaushalten in der Schweiz waren gut ein Drittel Einpersonenhaushalte.

Wenn das Alleinleben keine Wahl ist

In ihrer Masterarbeit über Einpersonenhaushalte in der Schweiz schreibt Alice Hollenstein, die Vielfältigkeit der Einpersonenhaushalte sei gross, «der Anteil Einpersonenhaushalte steigt proportional mit dem Alter. Ab 85 Jahren beträgt der Anteil der Einpersonenhaushalte 70 Prozent. In dieser Alterskategorie ist das Alleinleben keine Wahl, sondern das Ergebnis der Lebensumstände (der Partner ist oft gestorben). Andererseits bildet die Kategorie der jungen Erwachsenen zwischen 20 und 28 Jahren fast 39 Prozent der Einpersonenhaushalte.»

Früher die typische Wohnform älterer Witwen

Einpersonenhaushalte, früher die typische Wohnform älterer Witwen, sind heute auch bei jüngeren Menschen beliebt. So steigt der Anteil der Einpersonenhaushalte stetig an, etwas stärker in städtischen als in ländlichen Gebieten. Am meisten Singlehaushalte hat es in grossen Städten. Im Werdenberg liegt Buchs mit einem Anteil von 36,8 Prozent Einpersonenhaushalten an der Spitze.

Im Jahr 2010 gab es im Wahlkreis Werdenberg 14385 Privathaushalte, davon waren 30,6 Prozent Einpersonenhaushalte. In acht Jahren hat sich dieser Wert auf 33,3 Prozent erhöht.

Individualisierung und grössere Akzeptanz

Vor einem Jahr sagte Nicola Hilti von der Fachhochschule St.Gallen, die erforscht, wie sich das Wohnen im Lauf der Zeit wandelt, dass der Anstieg der Einpersonenhaushalte auch mit Individualisierung der Menschen zu tun habe. Alleine zu leben sei in der heutigen Zeit ausserdem viel akzeptierter als früher. Wie man heute wohne, sei dynamischer geworden und verändere sich im Verlauf des Lebens immer öfter.