In der Rettungskolonne Sax ist Daria Graber die einzige Frau – und mit 20 Jahren die Jüngste

Daria Graber aus Kobelwald ist fasziniert von der Seiltechnik und von den Möglichkeiten, die ihr die vorhandenen Geräte bieten. Jeden Monat übt sie mit zwei Dutzend Rettern in der Rettungskolonne Sax.

Gerd Bruderer
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Die 20-jährige Daria Graber aus Kobelwald ist Mitglied der Rettungskolonne Sax. Sie beabsichtigt, an einem Paragleiter-Schnupperkurs teilzunehmen, und würde gern auch das Bungee-Jumping einmal ausprobieren.

Die 20-jährige Daria Graber aus Kobelwald ist Mitglied der Rettungskolonne Sax. Sie beabsichtigt, an einem Paragleiter-Schnupperkurs teilzunehmen, und würde gern auch das Bungee-Jumping einmal ausprobieren.

PD

Immer wieder werde sie gefragt, ob sie als Bergretterin mithalten könne mit ihren Kollegen, als zierliche Frau. Ihr Lächeln meint ein deutliches jawohl. Vielleicht verwende sie halt eine Umlenkrolle mehr, bemerkt sie. Das erhöht die Zugkraft stark.

Mit 14 Jahren mit Klettern angefangen

Wie kommt eine junge Frau auf die Idee, sich als Bergretterin zu betätigen? Die Antwort besteht aus zwei Teilen. Einerseits gibt es den früher oft kletternden Götti, der auch Gleitschirm flog und wie Daria die Berge mag. Sie fing mit 14 selbst zu klettern an, nachdem sie auf der Meglisalp an einem Kletterlager von Jugend + Sport teilgenommen hatte.

Dem Schritt, der sie zur Bergrettung (bzw. zum SAC Rhein mit der Rettungskolonne Sax) führte, liegt eine «lustige Geschichte» zugrunde, wie Daria Graber sagt. Sie war noch in der Lehre, als ein Holzhäcksler kaputt ging und ein Mechaniker kommen musste. Dieser Mechaniker war ihr zufällig aus dem J+S-Lager bekannt, in dem er als Leiter gewirkt hatte.

Lange als schnuppernder Gast dabei

Damit er die Maschine reparieren konnte, war der Häcksler auszuräumen. Während Daria Graber die Arbeit erledigte, un­terhielt sie sich mit dem Handwerker. Das Interesse der jungen Frau an der Bergrettung war bald geweckt, und so nahm der Mechaniker sie ein nächstes Mal als Figuranten mit.

Daria Graber war – so die Übung – aus der stehengebliebenen Staubernbahn zu retten. An allen Übungen, die folgten, nahm die Kobelwalderin ebenfalls teil, immer als schnuppernder Gast. Nach der Aufnahme als Aspirantin an der Hauptversammlung 2019 wurde Daria Graber in diesem Jahr als Bergretterin willkommen geheissen.

Fasziniert von der Seiltechnik

Den Grundkurs hatte sie schon absolviert, an der Staumauer am Grimselsee, an zwei «intensiven Tagen». Dort lernte die junge Frau, wofür welche Seile und Geräte verwendet werden.

In der Rettungskolonne Sax ist Daria Graber die einzige Frau unter gut zwei Dutzend Rettern. Jeden Monat wird geübt, das ganze Jahr hindurch, bei jedem Wetter. Schliesslich kann auch eine Rettung jederzeit erfolgen müssen, zum Beispiel nach ei­nem Lawinenereignis. Daria Graber ist fasziniert von der Seiltechnik, von den Möglichkeiten, die ihr die vorhandenen Geräte bieten.

Der Teamgedanke fasziniert die junge Frau

Als Bergretterin, die wohl irgendwann an einer Felswand ihren ersten ernsten Einsatz haben wird, ist Daria Graber na­türlich schwindelfrei. Sie war schon einmal Fallschirmspringen, beabsichtigt, im nächsten Sommer an einem Schnupperkurs im Paragleiten teilzunehmen und hegt den Wunsch, auch mal das Bungee-Jumping auszuprobieren.

Die gelernte Schreinerin, die seit dem Sommer die Berufs­mittelschule besucht, hat seit 15 Jahren Freude am Geräteturnen und betätigt sich im Leiterteam des KTV Oberriet. Sie ist auch Stufenbarrenturnerin, der Teamgedanke fasziniert sie generell. Zusammen mit anderen etwas zu bewirken und selbst Verantwortung zu übernehmen, liegt in der Familie.

Eine kleine Schreinerwerkstatt zuhause

Vater Daniel wirkte bis 2016 während 14 Jahren als Schulrat, Mutter Franziska war früher Waldspielgruppenleiterin. Zu Hause eine kleine Werkstatt eingerichtet Draussen zu sein, gefällt Daria Graber. Sie sagt, ihre berufliche Zukunft liege gewiss nicht in einem Büro. Handwerkliches Arbeiten stellt sie sich vor, vielleicht etwas mit Kindern.

Daheim hat sie sich eine kleine Schreinerwerkstatt eingerichtet, in der ab und zu auch der Vater, ein Elektroingenieur, mitarbeitet. «Es liit em», sagt Daria Graber, in deren Verwandtschaft das Holz eine besondere Rolle spielt. Grossvater Walter hatte eine Sägerei, ihr Onkel Nik, ein Architekt, hatte ursprünglich ebenfalls Schreiner gelernt.