Kommentar
In der Politik ist nichts unmöglich, das zeigt das Resultat der Kantonsratswahlen im Werdenberg

Eine grosse Überraschung war der Sitzgewinn der EVP auf Kosten der SVP. Die tiefe Wahlbeteiligung mag ihren Anteil daran haben.

Heini Schwendener
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Heini Schwendener

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Bild: Urs Bucher

Ein altgedienter Politiker ist zurück auf der grossen Bühne: Hans Oppliger von der EVP gewinnt überraschend einen Sitz im Kantonsrat. Für ihn wird es zum Wiedersehen in der Pfalz kommen, denn Oppliger war schon von 2002 bis 2016 Kantonsrat der EVP. Opfer dieses EVP-Sitzgewinns wurde die SVP, deren Buchser Kantonsrat Dominic Büchler nicht wiedergewählt wurde.

Fast alles deutete darauf, dass sich bei den Kantonsratswahlen im Werdenberg nichts verändern würde. Die Parteien brachten ihre bewährten Zugpferde ins Rennen. Alle neun wiederkandidierenden Kantonsräte haben sich ihre Sporen bereits abverdient und im Parlament nicht die Hinterbänkler gegeben. Was also sollte einer erfolgreichen Wiederwahl im Weg stehen? Wenn allerdings ein Wahlkampf wenig Höhepunkte hat und der Wahlausgang kaum Spannung verspricht, dann sinkt die Wahlbeteiligung. Nur knapp ein Drittel aller Werdenbergerinnen und Werdenberg füllten ihre Stimmzettel aus.

Augenfällig auf allen «Kanälen» präsent in diesem Wahlkampf war die FDP. Am gestrigen Wahlsonntag konnte sie die Ernte einfahren. Nicht in Form eines Sitzgewinns, den wohl nur die kühnsten Optimisten erwartet hatten, sondern mit sehr guten Resultaten ihrer Bisherigen auf einer insgesamt starken Parteiliste. Und mit Beat Tinner hat sie einen Regierungsratskandidaten in einer guten Ausgangsposition für den zweiten Wahlgang. Weniger engagiert war der Wahlkampf der SVP, sie konnte ihre breite Basis, die sie im Werdenberg hat, zu wenig mobilisieren.

Die tiefe Stimmbeteiligung hat der SVP bestimmt nicht in die Karten gespielt. Zur Nutzniesserin wurde die EVP. Diese Überraschung zeigt, dass in der Politik nichts unmöglich ist. Vor allem dann, wenn die Wahlbeteiligung so beängstigend tiefe Werte erreicht. Doch gestern wurde nicht die Führung eines unbedeutenden Vereins gewählt, sondern das kantonale Parlament, dessen Politik uns alle betreffen wird.