Paul Grässli ist neuer Zentralpräsident der Schweizer Kaminfeger

Der Grabser Kaminfeger ist überzeugt, dass sein Beruf in der Moderne angekommen ist. Er sagt: «Noch nie hatten wir so viele Lernende.»

Hanspeter Thurnherr
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Paul Grässli – mit blauem Hut als Zeichen für die zukunftsorientierte Ausrichtung des Kaminfegerberufs – präsentiert ein Abgasanalysegerät für Holz, Gas und Öl.

Paul Grässli – mit blauem Hut als Zeichen für die zukunftsorientierte Ausrichtung des Kaminfegerberufs – präsentiert ein Abgasanalysegerät für Holz, Gas und Öl.

Bild: Hanspeter Thurnherr

Grosse Ehre für den Grabser Kaminfegermeister Paul Grässli. Im Juni wählte ihn der Zentralvorstand von Kaminfeger Schweiz zum neuen Präsidenten. Der Grabser Kaminfegermeister gehörte bereits seit fünf Jahren dem Zentralvorstand an und verantwortete dort das Ressort Kommunikation und Personal.

Seine Wahl kam auf besondere Art zu Stande. Coronabedingt fand sie erstmals in der Geschichte des Schweizer Verbandes der Kaminfegermeisterinnen und Kaminfegermeister schriftlich statt. Der 59-Jährige wird damit Nachfolger des Westschweizers Marcel Guenin.

Der Umweltberuf der Zukunft

Paul Grässli ist seit über 40 Jahren Kaminfeger. Dabei schwebten ihm ursprünglich Schreiner, Forstwart oder Zimmermann als mögliche Berufe vor, doch fand sich damals keine passende Lehrstelle. So absolvierte er von 1977 bis 1979 die Kaminfegerlehre in Zizers – und bereut es bis heute nicht: «Kaminfeger ist mit keinem anderen Beruf vergleichbar. Du kommst bei deiner Arbeit in die Privaträume der Kundschaft. Es ist der Umweltberuf der Zukunft: als Fachmann für Brandschutz, Umweltschutz und Energieeffizienz – und manchmal auch als Seelsorger.» Denn der Kaminfeger sei für viele Kunden eine Vertrauensperson, weil er an die Schweigepflicht gebunden ist. «Da gehen keine Informationen über die Kundschaft raus, werden keine (Handy)-Fotos gemacht.»

Verschwiegener Glücksbringer

Der Kaminfeger gilt seit einigen Jahrhunderten als Glücksbringer – aus ganz realen Gründen, wie Paul Grässli erzählt. Weil man früher in den Häusern nicht immer nur gutes Holz, Torf und Braunkohle verbrannte, bildete sich Pech. Dieses kann sich ab 250 Grad selbst entzünden, was oft zu Hausbränden und Feuersbrünsten führte. Also musste jemand das Pech wegkratzen. Die Obrigkeit erkannte dies, liess den Kaminfeger mehrmals im Jahr kommen, was zu weniger Bränden führte. Daraus entstand der Ruf des Kaminfegers als Glücksbringer. Wenn dann der Eine oder Andere wegen der sehr staubigen Arbeit mal zu viel ins Glas schaute, plauderte er schon mal was aus, was er so in den Häusern gesehen hatte. Das störte die Obrigkeiten. So adelten sie den Kaminfeger mit dem Zylinder als Zeichen für seine nun geltende Schweigepflicht. «Noch heute ist Verschwiegenheit in unserem Beruf das A und O», sagt Paul Grässli.

«Noch nie hatten wir so viele Lernende»

Paul Grässli weiss, dass man heute die Jungen mit diesem geheimnisvollen Beruf abholen kann: «Noch nie hatten wir so viele Lernende. Der Beruf ist in der Moderne angekommen.» Denn der Kaminfeger brauche heute Verständnis für technische Zusammenhänge bei den hochkomplexen Heizsystemen in den Bereichen Holz, Öl, Gas, Lüftungen oder Wärmepumpen. Zudem muss er über gute Kenntnisse der Umweltgesetze und zum Brandschutz verfügen, sich in der Gesellschaft bewegen können und offen sein im Umgang mit den Menschen.

«Beseli hinein, Beseli heraus: das war einmal. Heute wollen wir mit einer breit gefächerten Ausbildung den Jungen eine gute Plattform bieten. Denn es gibt für den Kaminfeger immer Arbeit, aber wir müssen agil bleiben, um immer à jour zu sein.»

Den erfolgreichen Lernenden steht später die Weiterbildung zum Vorarbeiter mit eidgenössischen Fachausweis und nachher zum diplomierten Kaminfegermeister offen. Weiterbildung ist denn auch das Hauptmotiv, warum sich Paul Grässli für das Präsidium zur Verfügung stellte. Seit Jahren leitet er überbetriebliche Kurse. Nun ist der Verband daran, in der Frohburg bei Olten «bei unseren nahen Verwandten, den Ofenbauern/Hafnern ein nationales zukunftsorientiertes Ausbildungszentrum zu schaffen.»

Singen und Fotografieren als Hobby

Der Grabser Kaminfeger war früher schon während vier Jahren Kantonalpräsident. Die Ämter im Verband habe er nicht angestrebt. «Aber wenn, dann will ich sie richtig machen. Damit du so weit kommst, machst du auch Fehler. Daraus kann man lernen. Umwege führen oft auch zum Ziel», sagt, der sich selber als kommunikativen und fröhlichen Menschen beschreibt und als seine Hobbys das Singen und Fotografieren nennt.

Grässli ist überzeugt, dass der Schweiz die Energiewende nicht ohne Holz gelingt. Holz sei ein CO2-neutraler einheimischer Brennstoff. Die Feinstaubproblematik sei erkannt worden. Daher werde die Umweltschutzkontrolle der Feuerungen eine wichtige Aufgabe bleiben.

«Die Schweiz hat die beste Luftqualität erreicht, weil sie nicht nur entsprechende Gesetze erlässt, sondern diese auch anwendet.»

Alleine durch seine Reinigungs- und Kontrollarbeit ersparen die Kaminfeger der Schweiz eine halbe Million CO2. «Denn weniger Russ heisst, weniger Energieverbrauch», schliesst Grässli.

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