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In Buchs werden Lebensräume wiederbelebt

Auf der Trattweide und im Wald der Ortsgemeinde Buchs sind in den vergangenen Tagen Eichen und Flatterulmen gepflanzt worden. Diese Bepflanzungen sind Bestandteil des «Sonderwaldprojektes Ceres».
Jessica Nigg

Das Gebiet Ceres liegt eingebettet zwischen Buchs und Haag sowie zwischen der Autobahn und der Hauptstrasse der beiden Ortschaften. Es bildet den grössten noch zusammenhängenden, ehemaligen Auenwaldkomplex im St. Galler Rheintal. Die seltenen Auengebiete bilden einen wertvollen Lebensraum für Flora und Fauna. Eine Vielzahl heimischer Tierarten ist auf derartige Flächen angewiesen.

Das Sonderwaldreservat Ceres befindet sich zwischen Buchs und Haag, zwischen Autobahn und Hauptstrasse. (Bild: PD)

Das Sonderwaldreservat Ceres befindet sich zwischen Buchs und Haag, zwischen Autobahn und Hauptstrasse. (Bild: PD)

Nach verschiedenen forstlichen Bewirtschaftungsformen über die Jahrzehnte, dem Autobahnbau und der Intensivierung der angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen wurde das Gebiet Ceres für die kommenden 50 Jahre (bis 2066) als Sonderwaldreservat ausgeschieden. Daran beteiligt sind die Ortsgemeinden von Buchs und Haag, das Rheinunternehmen St. Gallen, die VAT Vakuumventile AG, die Stadt Buchs, die Gemeinde Sennwald, das Amt für Natur, Jagd und Fischerei sowie die Waldregion 2, Werdenberg-Rheintal.

Auenwälder voller Leben schaffen

Grundsätzlich gilt: «Nicht eine Art soll geschützt werden, sondern der Lebensraum Auenwald und seine ganze Dynamik und Sukzessionsstadien», erklärt Förster Andreas Gerber. Im Zuge des Sonderwaldprojektes sollten deshalb eigentlich in den vergangenen Tage lediglich 20 Eichen auf der Tratt und im Wald der Ortsgemeinde gepflanzt werden: «Wir haben diese Bepflanzungsaktion aber etwas angepasst und 15 Eichen und 20 Flatterulmen gesetzt», so Gerber. Die Flatterulme passt nämlich hervorragend ins Konzept: Der Baum des Jahres 2019 ist ein Baum der Auen und gilt in der Schweiz als stark gefährdet. Hauptgrund für diesen Status ist der Verlust der Auenstandorte durch Flussverbau und Melioration. Nun soll die Flatterulme durch Pflanzungen und mediale Aufmerksamkeit eine neue Chance bekommen.

Die Flatterulme ist Baum des Jahres 2019 der deutschen Dr.-Silvius-Wodarz-Stiftung. (Bild: PD)

Die Flatterulme ist Baum des Jahres 2019 der deutschen Dr.-Silvius-Wodarz-Stiftung. (Bild: PD)

Flatterulme wird von Überträger der Ulmenwelke in Ruhe gelassen

Über hundert Jahre ist es her, dass eine der dramatischsten und bis heute andauernden Baumkrankheiten in Nordwesteuropa ihren Anfang nahm: die Holländische Ulmenkrankheit. Sie ist ein eindrückliches Beispiel, zu welchen Schäden der weltweite Holzhandel führen kann. Der Erreger der Krankheit ist ein mikroskopisch kleiner Pilz, der mit Hölzern von Ulmen aus dem ostasiatischen Raum eingeschleppt wurde. Er löst im Holz der Ulmen Verstopfungen der Wasserleitungsbahnen aus und lässt am Ende meist die gesamte Baumkrone vertrocknen.

Heute hat diese Ulmenkrankheit in der Schweiz kaum noch ausgewachsene Feldulmen übrig gelassen. Auch die Bergulmen erreichen immer seltener ein höheres Alter. Doch bei der Flatterulme, der dritten in Mitteleuropa heimischen Ulmenart, ist das offensichtlich anders. Dieser hochgewachsene Baum der Feuchtwälder und Flussauen erscheint weitgehend immun gegen diese Krankheit.

Selbst jahrhundertealte Exemplare zeigen sich überraschend vital. Diese scheinbare Immunität ist allerdings in erster Linie eine indirekte Resistenz. Sie rührt vor allem daher, dass die Flatterulme von den Hauptüberträgern dieser Pilzkrankheit, dem Grossen und dem Kleinen Ulmensplintkäfer, in Ruhe gelassen wird. Diese Käfer fliegen sie nicht an. Sie erkennen sie schlicht nicht als Ulme, da sich ihre Rinde in Struktur und Inhaltsstoffen deutlich von der der anderen beiden mitteleuropäischen Ulmenarten unterscheidet. Und so entgeht die Flatterulme als Einzige der für die anderen Ulmenarten so fatalen Infektion. Wird sie doch mal infiziert, dann zeigt sich, dass sie auch gewisse eigene, wenn auch nicht vollkommene Resistenzmechanismen gegen den Pilz hat. Der Krankheitsverlauf ist bei Flatterulmen weniger gravierend als bei den anderen Ulmenarten und endet zudem selten tödlich. (jn/pd)

Daniel Baumgartner von der Forstgemeinschaft Grabus bereitet die junge Ulme auf die Einpflanzung vor. (Bild: Heini Schwendener)

Daniel Baumgartner von der Forstgemeinschaft Grabus bereitet die junge Ulme auf die Einpflanzung vor. (Bild: Heini Schwendener)

Hauptziele «Ceres»

• Förderung und Erhaltung der Lebensräume bedrohter und seltener Waldgesellschaften

• Erhaltung und Förderung bedrohter Pflanzen- und Tierarten sowie ihrer Lebensräume • Erhaltung von ökologisch wertvollen Waldformationen und ihrer natürlichen Dynamik

• Schutz und Erhaltung von anthropogen entstandenen Betriebsarten in ihrer charakteristischen Ausbildung

• Ökologischer Ausgleich und Vernetzung

• Beitrag zum Schutz und zur Entwicklung von Landschaften

• Waldbauliche und naturwissenschaftliche Forschung und Umweltbeobachtung. (jn/pd)

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