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Impulsberatung der Schulpsychologie zeigt neue Möglichkeiten auf

In der Serie zum 80-Jahr-Jubiläum des Schulpsychologischen Dienstes des Kantons St. Gallen geht es heute um eines der neueren Angebote des SPD: Die Impulsberatung. Sie greift, wenn Kinder, Eltern oder Lehrer nicht weiter wissen.
Denise Alig
Leiterin der Regionalstelle Sargans: Elsbeth Freitag ist gleichzeitig Vizedirektorin des SPD St. Gallen. (Bild: PD)

Leiterin der Regionalstelle Sargans: Elsbeth Freitag ist gleichzeitig Vizedirektorin des SPD St. Gallen. (Bild: PD)

Anhand eines Fallbeispiels wird aufgezeigt, wann eine Impulsberatung angezeigt ist, an wen sie sich richtet und wie sie funktioniert. Wenn Kinder, Jugendliche, Eltern, Familien, Lehrkräfte oder schulische Fachpersonen vor einem scheinbar unlösbaren Problem stehen, können sie sich kostenlos fachlichen Rat holen. Die entsprechende, vom Schulpsychologischen Dienst des Kantons St. Gallen (SPD) angebotene Dienstleistung nennt sich Impulsberatung.

Gemeinsam etwas ins Rollen bringen

Der Leitsatz dazu lautet: «Gemeinsam bringen wir etwas ins Rollen.» Die Impulsberatung wird auch von der Regionalstelle Sargans angeboten, die für die Region Sarganserland-Werdenberg zuständig ist.

«Impulsberatung ist eine ressourcenorientierte Kurzzeitberatung,
die unkompliziert und niederschwellig in Anspruch genommen werden kann.»

Das erklärt SPD-Vizedirektorin Elsbeth Freitag, die Leiterin der Regionalstelle Sargans. «Die Beratung ist begrenzt auf fünf Stunden. Sollte sich am Ende ein Bedarf an weiteren Gesprächen oder anderen Massnahmen zeigen, werden den Klientinnen geeignete Stellen empfohlen.»

Die Impulsberatung ist laut Freitag ein Instrument, um Menschen, die sich in einer festgefahrenen Situation befinden, neue Möglichkeiten aufzuzeigen, um eine ins Stocken geratene Angelegenheit wieder zum Laufen zu bringen.

Freitag schildert denn auch anhand eines Beispiels, wie eine Impulsberatung ablaufen kann. Namen, Geschlecht und Alter der Personen sind verfremdet (siehe Kasten). Konkret seien in der Beratung oft auch Fragen zum Lernen, zu Prüfungsstress und den Hausaufgaben ein Thema. «Die Rückmeldungen zur Impulsberatung sind sehr positiv», ergänzt sie.

Impulse zur Veränderung erarbeiten

Sich Unterstützung und Orientierung für den Schulalltag und/oder das Familienleben zu holen, braucht auch in der heutigen Zeit noch eine gewisse Portion Mut. Doch Elsbeth Freitag versichert, dass es zur Erziehung von Kindern und Jugendlichen immer wieder und überall auf der Welt heikle Fragen gibt, auf welche die Erziehungsberechtigten oder die Lehrpersonen alleine nicht ohne Weiteres eine Antwort finden. Es lohne sich, die möglicherweise vorhandene Scham, Hilfe holen zu müssen, zu überwinden. Je schneller man sich fachliche Unterstützung hole, desto besser.

Erarbeitet würden zusammen mit den Ratsuchenden nicht nur Impulse zur Veränderung. Vielmehr würden sie auch in der Umsetzung unterstützt.

«Es freut uns, zu sehen, wenn die Klientinnen und Klienten während der Beratung Mut zu neuen Schritten fassen»

sagt die Leiterin der Regionalstelle Sargans.

Ergänzend zur Beratung verfügt auch die Regionalstelle Sargans des SPD über viel schriftliches Informationsmaterial, das von den Fachpersonen des Schulpsychologischen Dienstes erarbeitet wurde und gratis abgegeben wird.

Darunter sind zum Beispiel Broschüren zu Themen wie «Sich selbst wertschätzen», «Kinderängste», «Taschengeld», «Wenn Kinder trauern» und «Wie Weihnachten (oder Geburtstag) feiern nach einer Scheidung?». Ebenso gibt es eine Broschüre zum Thema «Erziehung – Rezepte mit erwünschten Nebenwirkungen», die in neun Sprachen übersetzt ist. Alle Broschüren finden sich auch unter www.schulpsychologie-sg.ch.

Wenn die Tochter nicht so will wie die Eltern

Frau Weber erreichte eine der schulpsychologischen Fachpersonen der Regionalstelle Sargans während einer Telefonsprechstunde und berichtete, dass sie sie bereits von einem früheren Kontakt kenne. Die Beraterin habe ihrem Mann und ihr damals empfohlen, bei ihrer Tochter die Verdachtsdiagnose einer Aufmerksamkeitsdefizit-/
Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ärztlich abklären zu lassen. Diese Abklärung hatte sie gemacht und bestätigt erhalten. Frau Weber würde gerne mit ihrem Mann mit der Beraterin über die Auswirkungen von ADHS auf das häusliche Umfeld sprechen. Das Gespräch kam kurz darauf zustande. Die Eltern beschrieben verschiedene Erziehungssituationen zu Hause, die häufig zu Eskalationen führten. Dabei fiel auf, dass beide emotional jeweils über die Massen beteiligt waren und sich in ihren Reaktionen und Aktionen häufig von Emotionen beeinflussen liessen. Zusammen mit der Beraterin griffen sie eine immer wiederkehrende Situation heraus, die viel Familienstress verursachte: das abendliche Zähneputzen. Sie versuchten, alternative Handlungsweisen zu erarbeiten. Schon nach kurzer Zeit hatten die Eltern eine andere Sichtweise auf diese Situation, was dazu führte, dass sie viel weniger emotional, dafür ber umso klarer in ihrer erzieherischen Haltung gegenüber ihrer Tochter waren. In einem zweiten Gespräch einen Monat später wurden die inneren, kaum je ausgesprochenen elterlichen Überzeugungen, wie denn eine Familie zu funktionieren habe und welche Werte die Eltern vertraten, bearbeitet. Dabei zeigte sich, dass das Verhalten der Tochter, die einfach nicht so funktionieren wollte, wie die Eltern es wünschten, ständig Sand in das ethischmoralische Verständnis der Eltern streute und dieses empfindlich störte. Die Webers lasteten es sich selbst an, wenn die Tochter ihren Vorstellungen nicht entsprach. Hier half das Bewusstmachen dieser zugrunde liegenden Überzeugungen. Einmal erkannt, liess sich besser damit umgehen. Wieder einen Monat später zeigten sich die Eltern im Gespräch erschöpft von den vielen Auseinandersetzungen zu Hau-se. In der Beratung ging es darum, herauszufinden, wie sich die beiden in der kräftezehrenden Erziehungsarbeit gegenseitig unterstützen könnten. Es zeigte sich dabei, dass sie darin schon recht versiert waren und es nur noch darum ging, etwas klarer zum Ausdruck zu bringen, was sie sich vom anderen in gewissen Situationen erhoffen würden. Nach fünf solchen einstündigen Beratungsgesprächen zogen die Eltern das Fazit, dass sich die mit der SPD-Beraterin geleistete Arbeit und der damit verbundene Aufwand gelohnt hätten und sie diese zusammen mit ihrer Tochter auf einer anderen Fachstelle weiterführen wollten. (spd/sl)

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