Impfstart im Werdenberg: «Ich vertraue den Leuten, welche den Impfstoff hergestellt haben»

Im Betagtenheim Wartau ging es am Donnerstag rund: Heimbewohner und Mitarbeiter wurden geimpft.

Robert Kucera
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Walter Frey macht den Anfang: Er ist die erste Privatperson in der Region Werdenberg, die gegen das Coronavirus geimpft wurde.

Walter Frey macht den Anfang: Er ist die erste Privatperson in der Region Werdenberg, die gegen das Coronavirus geimpft wurde.

Bild: Robert Kucera

Der Impfstart in der Region erfolgte am Donnerstag im Betagtenheim Wartau. Nachdem Mitarbeiter dieses Heims und des Spitals Grabs bereits geimpft wurden, war nun auch die erste Privatperson an der Reihe. Diese Ehre wurde Walter Frey aus Sargans zuteil, der zusammen mit seiner Frau nun in Azmoos, genauer gesagt im Betagtenheim Wartau, lebt. Als Erster die Spritze zu erhalten, mache ihn nicht speziell stolz. «Ich bin einfach nur glücklich, dass man mich impft.»

Vertrauen in die Leute, welche den Impfstoff hergestellt haben

Der 85-Jährige zählt zu den klaren Befürwortern der Impfung gegen das Coronavirus und gehört zur grossen Mehrheit im Betagtenheim, welche sich impfen lässt.

«Wir leben hier in einer Gemeinschaft und eng beieinander. Da ist die Ansteckungsgefahr gross»,

erklärt Walter Frey, weshalb aus seiner Sicht die Impfung Sinn ergibt. Nicht nur die Eindämmung des Virus ist ihm ein Anliegen. Der Selbstschutz und das Bestreben nach Normalität im Alltag treiben ihn an. «Meine Frau und ich gehören vom Alter her zur Risikogruppe. Wenn wir Corona erhalten, ist fertig», nimmt Frey kein Blatt vor den Mund. «Ich möchte wieder mal nach Sargans gehen. Meine Nachbarn sehen, Leute treffen», sagt er weiter. Nun ist ein erster Schritt getan. In drei Wochen erfolgt die zweite Impfung.

Ein kleiner Pieks – und schon ist es vorbei. Dieselbe Prozedur erfolgt in drei Wochen.

Ein kleiner Pieks – und schon ist es vorbei. Dieselbe Prozedur erfolgt in drei Wochen.

Bild: Robert Kucera

Eine Spritze in den Oberarm zu erhalten ist für ihn kein Problem. «Das macht mir nichts aus», zuckt er lässig mit den Schultern. Überwindung hat es keine gekostet. Es war ja schliesslich nicht seine erste Impfung. Und Bedenken hat Walter Frey keine: «Ich vertraue den Leuten, welche den Impfstoff hergestellt haben.»

Noch kein Coronafall unter den Heimbewohnern

Die Vehemenz, mit der man sich im Betagtenheim Wartau dem Coronavirus entgegenstellt, ist gross. Dies fängt bei der Loyalität der Mitarbeiter, aber auch bei der Heimleiterin Beatrice Disch gegenüber ihren Heimbewohnern an.

«Ich werde mich auch impfen lassen. Dies mache ich in erster Linie zum Schutz der Bewohner»,

hält sie fest. Disch gehört aus diesem Grund auch zu jenen Leuten, die sich regelmässig gegen Grippe impfen lassen.

Dieses geballte Engagement zum Wohl der Heimbewohner trug bereits vor der Corona-Impfung Früchte. Denn das sich an der Poststrasse 52 in Azmoos befindende Betagtenheim hat bis heute noch keinen Coronafall unter den Heimbewohnern. Mit der grossflächigen Impfung wird ein entscheidender Schritt getan, dass es auch so bleibt.

Alles unternehmen für die Gesundheit der Bewohner

«Es ist ein Riesengeschenk, dass wir noch keinen Fall hatten», ist Beatrice Disch froh. Für die diplomierte Heimleiterin ist es ein besonderes Anliegen, ihre Mitarbeiter und die Bewohner zu schützen. «Alle sollen nach Möglichkeit gesund bleiben und es wird alles Mögliche unternommen, um die Bewohner zu schützen», sagt Disch. So ist es auch kein Zufall, dass nun in Azmoos der Impfstart erfolgt ist. Zwar war das Spital Grabs ein paar Tage früher dran, doch bislang erhielt dort nur das Personal die erste Impfdosis.

Gelöste Stimmung vor dem Impfstart: Die erste Gruppe ist bereit, es werden noch 31 Heimbewohner folgen.

Gelöste Stimmung vor dem Impfstart: Die erste Gruppe ist bereit, es werden noch 31 Heimbewohner folgen.

Bild: Robert Kucera

Anders im Betagtenheim Wartau am Donnerstag. Hier waren erst die Mitarbeiter an der Reihe, danach sorgten sie sich darum, die Bewohner in kleinen Gruppen in den bereitgestellten Impfraum zu führen. Die Quote derer, die geimpft werden wollten, ist hoch. Mit 35 von 45 Personen zeigt sich Disch zufrieden. Ausserdem sei die Akzeptanz im Heim gross, es habe sich kein Graben zwischen Impfbefürwortern und Impfgegnern aufgetan. Der freie Wille wird respektiert.

Lebensverlängerung mit Impfstoff ist keine Option

Die hohe Impfrate erklärt sich Beatrice Disch mit dem riesengrossen Bedürfnis der Heimbewohner, wieder bedenkenlos unter Leute gehen zu können. Der soziale Aspekt ist derzeit das höchste Gut. Doch was ist mit der Minderheit, die den Impftermin bewusst verpasst hat? Die Heimleiterin erklärt:

«Dass sie sich nicht impfen lassen, hat nichts damit zu tun, dass sie skeptisch wären. Sie sind parat zu gehen.»

Wie die 95-jährige Alice Frischknecht. Putzmunter sitzt sie am Tisch und ist gesund. Sie strickt jeden Tag und geniesst die Zeit im Heim. Doch mehrmals betont sie im Gespräch mit dem W&O, dass sie sich nicht impfen lassen wolle. Denn für Frischknecht geniesst die Verlängerung des Lebens durch einen Impfstoff absolut keine Priorität. Doch die jungen Leute, so hält sie fest, sollen sich nur impfen. Aus ihrer Sicht geht das in Ordnung.

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