Hartes Zirkus-Geschäft: «Immer strengere Auflagen»

Oliver Skreinig, Direktor des Circus Royal, hofft auf eine Lockerung der Regelungen für seine Branche.

Thomas Schwizer
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Zirkusdirektor Oliver Skreinig, hier bei der Premiere des aktuellen Programms «Wir sind Circus».
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Zirkusdirektor Oliver Skreinig, hier bei der Premiere des aktuellen Programms «Wir sind Circus».

Zirkusdirektor Oliver Skreinig, hier bei der Premiere des aktuellen Programms «Wir sind Circus».

«Noch nie zuvor waren die Zeiten so schwer, einen Zirkus in der Schweiz wirtschaftlich erfolgreich zu führen», sagt Oliver Skreinig. Veränderte Gesetzesgrundlagen und immer strengere Auflagen und Kontrollen würden den Zirkusunternehmen das Leben noch schwerer machen, als es eh schon sei.

Vor einigen Jahren habe eine Person für Administratives ausgereicht und daneben im Zirkus mitgeholfen. Heute seien allein mehrere Personen im Büro für administrative Arbeiten nötig, sagt Skreinig, der seit 23 Jahren im Circus Royal mitwirkt.

Auch die Arbeitsbewilligungen für Artisten und Mitarbeiter aus Nicht-EU-Staaten seien langwierig und nervenaufreibend. Diese Leute seien aber für einen Zirkusbetrieb unverzichtbar. Leute aus EU-Staaten seien viel weniger bereit, eine Saison mitzumachen und dabei auch Allrounder-Einsätze von früh bis spät zu bestreiten.

Hoffen auf Erleichterungen durch die öffentliche Hand

Der Direktor des derzeit in Buchs gastierenden Circus Royal hofft deshalb auf mehr Unterstützung der öffentlichen Hand für das Kulturgut Zirkus. Eine finanzielle Unterstützung durch den Staat – wie etwa für Theater – sei utopisch, ist er sich bewusst. Aber die öffentliche Hand könne durch eine Reduktion der Mieten für Plätze, Gratis-Strom und -Wasser, unbürokratische Bewilligungen fürs Plakatieren sowie unkomplizierte Bewilligungsverfahren wichtige Hilfe bieten, sagt Skreinig.

Ein Zirkus bringe der Gastspielgemeinde auch etwas. Er sei nicht nur ein attraktives Freizeitangebot, sondern locke auch Leute an, die dann gleich auch etwas im Ort einkaufen oder ein Restaurant besuchen.

Der wirtschaftliche Druck hat zugenommen

Zudem sei das Firmen-Sponsoring an den Gastspielorten schwieriger geworden. Die wertvollen persönlichen Beziehungen würden angesichts des digitalen Zeitalters leider oft fehlen, wenn es in den Unternehmen personelle Wechsel gebe. Der Circus Royal spürt den wirtschaftlichen Druck auf die Branche. Skreinig hat deshalb im August die Löwennummer per sofort aus der Show genommen. Das Verhältnis von Aufwand und Ertrag habe nicht gestimmt. Er hatte als einziger Zirkus der Schweiz noch Raubtiervorführungen im Programm. Mit der massiven Kritik durch Tierschutzorganisationen habe dies nichts zu tun gehabt, die Tierhaltung sei «vorbildlich gewesen», betont der Direktor.

Kurz vor seinem Tod ist der ehemalige Zirkusdirektor Peter Gasser im Sommer 2019 mit der Circus Royal Betriebs AG Konkurs gegangen. Oliver Skreinig hatte bereits zuvor den Direktorenposten übernommen, die Circus Royal GmbH gegründet und dann den Zirkusbetrieb weitergeführt. Mit dem neuen Programm «Wie sind Circus» ist er 2019 unterwegs. Skreinig verschweigt nicht, dass die wirtschaftliche Situation des Circus Royal angespannt ist. Dennoch glaubt er an eine erfolgreiche Zukunft. Die Vorbereitungen für nächste Saison seien in vollem Gang, das Programm stehe. Er ist zuversichtlich, dass die Saison wie geplant starten kann, betont der Zirkusdirektor und -besitzer.

Am 2.Oktober hat der 24-jährige Stanislas Gutzwiller aus Basel eine Crowdfunding- Aktion für Skreinigs Zirkus gestartet. Als Zirkus-Fan hat er einen Gönnerverein zur Rettung des Circus Royal gegründet, «weil ich nicht zusehen kann, wie ein Stück Kultur, das mir sehr am Herzen liegt, nach und nach aus dem Erscheinungsbild dieses Landes wegradiert wird». Oliver Skreinig freut sich über diese Rückendeckung, auch wenn die Aktion nur bescheiden läuft. Nur schon die moralische Unterstützung sei ein sehr wichtiges Signal.