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Immer mehr Menschen leben allein

In 35,9 Prozent der Buchser Haushalte lebt nur eine Person, Tendenz steigend. Dafür gibt es verschiedene Gründe.
Sandro Büchler, Heini Schwendener
Vor allem in Städten geht der Trend zu Einpersonenhaushalten. (Bild: Gaetan Bally/KEY)

Vor allem in Städten geht der Trend zu Einpersonenhaushalten. (Bild: Gaetan Bally/KEY)

Die Zahl der Einpersonenhaushalte in unserem Land wächst seit Jahren. 1930 wohnten nur gerade zwei Prozent der Schweizer allein, hingegen mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Haushalten mit fünf oder mehr Personen. Zahlen des Bundesamtes für Statistik per Ende 2018 zeigen, dass diese Entwicklung auch in der Region Werdenberg feststellbar ist. 32,8 Prozent aller Haushalte werden nur noch von einer Person bewohnt, in der Stadt Buchs beträgt dieser Anteil sogar 35,9 Prozent.
Nicola Hilti überraschen die Erkenntnisse nicht. Sie erforscht an der Fachhochschule St. Gallen, wie sich das Wohnen im Lauf der Zeit wandelt. «Einpersonenhaushalte nehmen zu.» Dies habe mit der Individualisierung der Menschen zu tun. «Alleine zu leben, ist akzeptierter als früher.»

Zudem steigen die Ansprüche, sodass man sich eher fürs Alleinwohnen entscheide. Einen zweiten Grund sieht Hilti aber auch im demografischen Wandel. Frauen werden tendenziell älter.

«Stirbt der Partner, wohnen die Frauen plötzlich unfreiwillig allein.»

Die Dozentin beobachtet ein weiteres Phänomen. Nämlich, dass ältere Menschen nach dem Tod ihres Partners in viel zu grossen Wohnungen leben. Der Umzug in eine kleinere Wohnung gestalte sich meist schwierig. «Manchmal fehlt der Wille dazu, aber oft auch das passende Angebot oder die Unterstützung der Senioren beim Wohnungswechsel», sagt Hilti.

Wohnsituation kann wöchentlich wechseln

Wie man heute wohnt, sei dynamischer geworden und verändere sich im Verlauf des Lebens immer öfter. «Phasen des Alleinlebens kommen auch immer mal wieder vor», sagt Hilti. Sie erwähnt sogenannte Boomerang-Kinder. Dabei kehren die Sprösslinge wieder in den Haushalt der Eltern zurück. Beispielsweise, wenn die Kinder eine kostspielige Ausbildung beginnen, knapp bei Kasse sind oder Probleme haben, eine angemessene Wohnung zu finden.

Laut Nicola Hilti kann sich die Wohnsituation schnell verändern, vielleicht sogar wöchentlich. Man denke dabei etwa an ein Kind von getrennt lebenden Eltern. Dieses könne je nach Übereinkunft eine Woche bei der Mutter, und in der folgenden Woche beim Vater wohnen.

«Mehr Trennungen führen ganz generell zu kleineren Haushaltsgrössen»,

erklärt die Wohnexpertin. Zudem gäbe es weniger Geburten und die Familiengründung erfolge später und auch seltener als früher.
«Deshalb sind grosse Familien heute selten geworden.» Teilten sich früher mehrere Kinder ein Zimmer, hätten Familien heute mehr Ansprüche an die Wohnfläche. In Städten gibt es meist nicht genug bezahlbare grosse Wohnungen. Die wenigen Grossfamilien ziehen darum tendenziell ins Umland.

Drei-Generationen-Haushalte sind selten

Auch dass drei Generationen miteinander hausen, kommt immer seltener vor. In 358 Werdenberger Haushalten – das entspricht 2,2 Prozent aller 16528 Haushalte – leben Enkel und ihre Grosseltern zusammen. Nicola Hilti sagt dazu: «Gefragter als drei Generationen einer Familie unter einem Dach sind heute selbstgewählte Formen des gemeinschaftlichen Wohnens, die sowohl das Zusammensein mit Gleichgesinnten als auch den Rückzug in die Privatsphäre gewährleisten.»

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