Im Winter Vögel füttern ist doppelt sinnvoll

Spatzen, Kohlmeisen, Blaumeisen, Amseln, Finken, Rotkehlchen und vielleicht sogar einmal ein Buntspecht: Sie sind die Vögel, die in den Gärten der Region am häufigsten beobachtet werden können. In der kalten Jahreszeit darf man sie gerne ein wenig unterstützen.

Jessica Nigg
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Bei der Fütterung sollte darauf geachtet werden, dass die Futterstelle nicht verkotet werden kann und das Futter schön trocken bleibt. Ausserdem sollten die Vögel vor Katzen sicher sein. (Bild: Walter Nigg)

Bei der Fütterung sollte darauf geachtet werden, dass die Futterstelle nicht verkotet werden kann und das Futter schön trocken bleibt. Ausserdem sollten die Vögel vor Katzen sicher sein. (Bild: Walter Nigg)

Eigentlich wären die einheimischen Wildtiere bestens auf den Winter vorbereitet und finden im Normalfall auch in der harten Jahreszeit genug Futter. Allerdings gibt es nicht mehr viele ursprüngliche Lebensräume und durch die Intensivierung der Landwirtschaft fallen immer weniger Ernterückstände an. Das führt dazu, dass das Futterangebot unter anderem auch für die Vögel immer kleiner wird. Die Schweizerische Vogelwarte und der Schweizer Tierschutz STS empfehlen deshalb die Zufütterung in Gärten und auf Balkonen während der Wintermonate – speziell bei geschlossener Schneedecke oder hart gefrorenem Boden.

Auch Vögel füttern will gelernt sein, sonst kann es passieren, dass man mit einer wohlgemeinten Tat mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Massenfutterstellen mit vielen Vögeln auf engstem Raum können beispielsweise zu kräftezehrenden Auseinandersetzungen und zu einer grösseren Gefahr, dass Krankheiten übertragen werden, führen. Deshalb ist es für die Vögel besser, wenn sie an mehreren Orten auf kleine Futterstellen zugreifen können – aber Achtung: «Die Futterstellen sollten so erstellt werden, dass die Vögel vor Katzen sicher sind», betont Edith Altenburger vom Natur und Vogelschutz Buchs-Werdenberg. Zwei Meter Freiraum um die Futterstellen hilft dabei, nicht indirekt die Stubentiger zu füttern.

Richtig füttern, sonst leiden die Vögel

Vögel sind keine Allesfresser. Essensreste beispielsweise können ihnen ernsthaft schaden, sie sogar umbringen. Für Körnerfresser wie Finken und Spatzen gibt es qualitativ gute Körnermischungen mit Sonnenblumenkernen und Hanfsamen. Getreidekörner – vorhanden in billigem Futter – fressen praktisch nur Tauben und Spatzen.

Insekten- und Weichfresser wie Amseln, Rotkehlchen oder Meisen nehmen gerne Äpfel, Rosinen und auch zerkleinerte Nüsse an, fressen im Winter aber auch Körner. Beliebt sind natürlich auch aufgehängte Meisenknödel, welche vor allem von Meisen genutzt werden. Herabfallende Futterstücke fressen Amseln, Rotkehlchen wie auch Finken, Spatzen und andere Körnerfresser gerne vom Boden auf.

Futterhäuschen bieten insbesondere Kindern reizvolle Einblicke ins Leben einheimischer Wildvögel (im Bild Rotkehlchen, Feldsperling und Blaumeise). (Bild: Schweizerische Vogelwarte)

Futterhäuschen bieten insbesondere Kindern reizvolle Einblicke ins Leben einheimischer Wildvögel (im Bild Rotkehlchen, Feldsperling und Blaumeise). (Bild: Schweizerische Vogelwarte)

Das Futter muss trocken bleiben, darf also nicht offen angeboten werden. Sonst wird es schimmlig und durch Kot verschmutzt, wodurch Krankheiten übertragen werden können. Am besten eignen sich Futterhäuschen, in welchen die Vögel auf einer Stange sitzen müssen und sich nicht ins Futter stellen können. «Ideal sind Futterzylinder wie auf dem Foto abgebildet», erklärt Ornithologin Edith Altenburger. Das Futter hält eine Weile vor und bleibt dabei trocken und sauber.

Die Vögel freuen sich nicht nur über Futter, auch Wasserstellen werden gerne angenommen, sowohl zum Trinken, als auch zum Baden. «Aus hygienischen Gründen sollte das Wasser jeden Tag gewechselt werden», rät Edith Altenburger. Ausserdem sollte darauf geachtet werden, dass die Vögel die Wasserstelle gefahrlos nutzen können. So sollte sie vor Katzen sicher sein und über flache Ufer verfügen, damit die Vögel nicht Gefahr laufen zu ertrinken.

Lebensumstände ganzjährig verbessern

«Nachhaltigen Schutz der Wildvögel erreichen wir mit der Schaffung und Erhaltung von vielfältigen und für Vögel geeigneten Lebensräumen», weiss Edith Altenburger. Der Schweizer Tierschutz STS empfiehlt, ganzjährig Produkte von naturnah betriebenen Bauernhöfen einzukaufen, zum Beispiel mit dem Knospen-Label der Bio-Suisse oder dem Terrasuisse-Label der IP-Bauern. «Eine naturnahe Gestaltung und Pflege des eigenen Gartens ohne Giftstoffe ist der Grundstein für einen wertvollen Lebensraum», schreibt er zum Thema. Finden sich in den Gärten der Region noch Hecken aus einheimischen Gehölzen, Blumenwiesen mit einheimischen Pflanzen und ein Komposthaufen, ist der Tisch für die Vögel reich gedeckt. Strukturen wie Asthaufen, Trockenmauern und Steinhaufen bieten Verstecke, Nistmöglichkeiten und Nahrungsquellen. Mit solchen Lebensräumen wird den gefiederten Freunden geholfen – und zwar während des ganzen Jahres.

Spatzen, Kohlmeisen, Blaumeisen, Amseln, Finken, Rotkehlchen und vielleicht sogar einmal ein Buntspecht: Die Beobachtungen der Vogelfütterung machen Jung und Alt Freude. (Bild: Walter Nigg)

Spatzen, Kohlmeisen, Blaumeisen, Amseln, Finken, Rotkehlchen und vielleicht sogar einmal ein Buntspecht: Die Beobachtungen der Vogelfütterung machen Jung und Alt Freude. (Bild: Walter Nigg)

Dennoch ist ein massvolles und sachgerechtes Füttern der Vögel im Winter aus mehreren Gründen durchaus sinnvoll: Futterhäuschen und Meisenknödel freuen nämlich nicht nur die Spatz, Fink und Co.; sie bieten insbesondere Kindern reizvolle Einblicke ins Leben einheimischer Wildvögel. So können das Interesse und die Freude an der Natur rund ums Haus geweckt und der Grundstein für ein späteres Natur- und Umweltbewusstsein gelegt werden. «Und was man gern hat, schützt man», ergänzt Edith Altenburger.

Wer genauer wissen möchte, welche Vogelarten sich an den Futterstellen tummeln, erfährt dies auf der Website der Schweizerischen Vogelwarte unter: www.vogelwarte.ch/voegel-am-futterhaus