Im Hallenbad Eschen: «Manchmal sieht es aus wie in einem Piranhabecken»

Nicht nur das Hallenbad Flös, auch die Liechtensteiner Hallenbäder sind bereits voll.

Alexandra Gächter
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Auch der Platz in den Liechtensteiner Hallenbädern ist eng. Liechtensteiner Kinder haben gegenüber den Werdenbergern Vorrang.

Auch der Platz in den Liechtensteiner Hallenbädern ist eng. Liechtensteiner Kinder haben gegenüber den Werdenbergern Vorrang.

Symbolbild: Colin Frei

Im Hallenbad Flös lernen Kinder der Schulen Buchs, Grabs, Gams und Sennwald schwimmen. Wegen des steigenden Eigenbedarfs der Schule Buchs dürfte dies bereits in wenigen Jahren nicht mehr möglich sein (siehe W&O vom 6. Februar). Ein Teil der Grabser, Sennwalder und Haager Schüler weicht heute schon ins Hallenbad Eschen aus. Diejenigen von Weite fahren ins Hallenbad Balzers. In Zukunft werden die Liechtensteiner Hallenbäder wohl vermehrt Anfragen für Schwimmzeiten von Klassen aus dem Werdenberg erhalten. Der W&O wollte deshalb wissen, wie ausgelastet die Liechtensteiner Hallenbäder sind.

Schwimmunterricht bis Ende der Primarschule obligatorisch

«Bei uns im Hallenbad Eschen sieht es jetzt schon manchmal aus wie in einem Piranhabecken», sagt Christian Fischer, Schulsportinspektor des Landes Liechtenstein. «Alle Kindergarten- und Primarschulklassen des Unterlandes kommen zu uns zum Schwimmen, da Schwimmunterricht im Fürstentum Liechtenstein vom ersten Kindergarten bis Ende der Primarschule obligatorisch ist.» Zusätzlich gibt es Schwimmzeiten für die Sekundar- und Realschule Eschen. «Für sie ist es nicht obligatorisch, aber aus Platzgründen können sie manchmal die Turnhalle nicht nutzen und weichen dann zum Schwimmen aus.» Zusätzlich erhalten die Sportschule Liechtenstein sowie das Gymnasium Vaduz im Hallenbad Eschen Schwimmzeiten. Daneben gibt es in Liechtenstein das freiwillige Schulsportfach Schwimmen. Die Unterländer Kinder, welche dieses Fach belegen, gehen ebenfalls nach Eschen.

Aus der Schweiz schwimmen derzeit die Sennwalder, Haager und Grabser im Hallenbad Eschen. «Wir unterstützen sehr gerne unsere Nachbargemeinden, aber wir müssen selbstverständlich den Unterländern das Vorrecht geben, da diese Gemeinden das Hallenbad mitfinanzieren.» Zudem müsse das Hallenbad auch für Privatpersonen Platz haben. Vormittags kommen Mütter mit ihren Kindern, dann werde es extrem eng.

Die ganze Situation verschärft sich nächstes Jahr, weil dann das Hallenbad Triesen saniert wird. Die Vaduzer und Triesener Schulkinder müssen dann ins Hallenbad Eschen oder Balzers ausweichen.

Zwei Stunden Fahrt für halbe Stunde schwimmen

Schwimmzeiten in Hallenbädern sind sehr begehrt. So begehrt, dass sogar Klassen aus dem Bündnerland zwei Stunden Fahrt in Kauf nehmen, um im Hallenbad Balzers eine halbe Stunde schwimmen zu können.
Näher haben es da die Schulkinder aus dem Werdenberg. Die Kinder aus Weite gehen ebenfalls nach Balzers zum Schwimmunterricht. Diejenigen aus Sennwald, Haag und Grabs reisen teilweise nach Eschen. Die Grabser werden mit dem Car nach Eschen gefahren, wie Schulratspräsident André Fernandez sagt. Damit die Schwimmzeit nicht verkürzt werden muss, wird in der Pause hin- und vor dem Mittag zurückgefahren. «Natürlich verursacht die Fahrt zusätzliche Kosten und Aufwand. Aber das ist vertretbar», sagt Fernandez. Manchmal gehen zwei Klassen zur gleichen Zeit nach Eschen.

Gerne hätten die Grabser mehr Platz im Wasser und mehr organisatorische Freiheiten. Zusätzlich würden auch die 5. und 6. Klasse gerne zum Schwimmen gehen. «Vor ein paar Jahren konnten wir bis zur 6. Klasse Schwimmunterricht anbieten», so Fernandez. «Leider hat das Hallenbad Eschen nicht genug Kapazität für mehr Klassen.» Und so bleibt es in Grabs derzeit beim Schwimmunterricht vom zweiten Kindergarten bis zu der 4. Klasse. «Wichtig ist für uns, dass die Kinder bis zur 3. oder allenfalls 4. Klasse den Wassersicherheitscheck bestehen. Dieser Test sieht vor, dass die Kinder ins Wasser springen und sich über Wasser halten können», so Fernandez.

«Eng», «randvoll» und «sehr ausgebucht»

Die Situation des Hallenbades Flös und Eschen spiegelt sich auch im restlichen Liechtenstein. «Eng» ist es im Hallenbad Balzers, «randvoll» in Triesen und «sehr ausgebucht» im Hallenbad Resch in Schaan.
«Wir werden nicht nur durch die Primarschule Schaan und Planken, sondern auch zu gewissen Zeiten von der Sportschule Liechtenstein und dem Behindertenverband genutzt», sagt Mani Konrad, Verantwortlicher der Liegenschaft Hallenbad Resch in Schaan. Abends finden zusätzlich Kurse verschiedener Vereine statt. «Wir hatten schon Anfragen von einer Schule in Widnau, mussten aber absagen. Wir haben keinen Platz für weitere Schulen oder Vereine», so Konrad.

Das Hallenbad Triesen wird von den Schulkindern aus Vaduz, Triesen und Triesenberg genutzt. «Bei uns können zudem alle Einwohner von Triesen gratis ins Hallenbad», sagt Liegenschaftsverwalter Peter Kindle. «Wasser als Fortbewegungsmittel ist ein begehrtes Gut. Unsere Kapazitätsgrenzen sind erreicht», so Konrad weiter.

Hallenbad Triesen wird im Jahr 2021 saniert

Nebst den Schülern aus Weite und Balzers lernen im Hallenbad Balzers auch Maienfelder Kinder das Schwimmen. «Wir haben immer wieder Anfragen», sagt Bademeister Clemens Kaufmann. «Platz haben wir eher nicht. Es wird sofort eng bei zwei Schulklassen, da wir auch nachmittags Bahnen für öffentliche Besucher freihalten wollen.»

Im Jahr 2021 wird sich die Situation der Hallenbäder in Liechtenstein nochmals verschärfen – mit Auswirkung auf das Werdenberg. Das Hallenbad Triesen wird saniert. Die Triesener, Triesenerberger und Vaduzer Schüler müssen auf die restlichen Liechtensteiner Hallenbäder verteilt werden. «Ich hoffe, wir finden mit Balzers eine gute Lösung», sagt Schulsportinspektor Christian Fischer. Wie es mit der Kapazität des Hallenbades Eschen im Jahr 2021 aussieht, wisse er noch nicht. Für die Werdenberger Klassen wird es jedenfalls noch enger, da die Liechtensteiner Schulkinder Vorrang haben. Christian Fischer bedauert dies.

«Schwimmen zu können ist ganz wichtig. Es ist eine Lebensversicherung. In Deutschland mussten aus Kostengründen Hallenbäder geschlossen werden. Die Folge davon: 50 Prozent der Kinder bestand den Wassersicherheitstest nicht.»

Die Situation im Fürstentum Liechtenstein und der Schweiz sei diesbezüglich noch gut. Er hofft, dass es so bleibt.