Keine Pro-Senectute-Haushilfe mehr in Grabs: Dilemma wegen drei Franken

Pro Senectute stellt Haushilfeleistung für die Grabser Kunden ab Januar ein. Für die Kunden wird es teurer, wenn sie nun die Dienste der Spitex in Anspruch nehmen.

Hanspeter Thurnherr
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Die Pro Senectute stellt am Jahreswechsel ihren Haushilfedienst in der Gemeinde Grabs ein. Bild: Picar

Die Pro Senectute stellt am Jahreswechsel ihren Haushilfedienst in der Gemeinde Grabs ein. Bild: Picar

Am 7. November informierte die Pro Senectute Rheintal Werdenberg Sarganserland (RWS) ihre Kundinnen und Kunden der Haushilfeleistungen in der Gemeinde Grabs, dass sie ab 1. Januar 2020 nur noch in Gemeinden Leistungen erbringen werde, mit denen eine Leistungsvereinbarung besteht. Leider habe sich Grabs entschieden, die von der Pro Senectute vorgelegte Leistungsvereinbarung für die Haushalthilfe nicht zu unterzeichnen. Damit müsse die Pro Senectute den Haushilfeeinsatz in Grabs per Ende Jahr beenden.

Künftig sei vorgesehen, dass die Spitex Grabs-Gams die Haushilfe sicherstelle. Regionalstellenleiter Christoph Zoller präzisierte auf Anfrage, dass die Pro Senectute bisher Haushilfe ohne Gemeindeauftrag geleistet hat. Dies in der Hoffnung, dass die Gemeinde eines Tages doch zahlen werde.

«Keine Sparmassnahme der Gemeinde»

Bei den Kunden entstand der Eindruck, die Gemeinde Grabs wolle mit der Ablehnung der Leistungsvereinbarung Geld sparen. Dies führte zu regen Diskussionen, auch in den sozialen Medien. In einem Schreiben vom 14. November an die betroffenen Kunden hält die Gemeinde Grabs jedoch fest, dass sie keine Sparmassnahme ergriffen habe.

«Wir hatten mit der Pro Senectute RWS nie eine Leistungsvereinbarung für Haushalthilfeleistungen.»

Anfang 2019 habe sie der Pro Senectute angeboten, die Haushalthilfeleistungen mit dem gleichen Stundenbetrag zu unterstützen, den auch die Spitex Grabs-Gams erhalte. «Dieses Angebot wurde seitens der Pro Senectute nicht angenommen, was wir bedauern», heisst es im Schreiben der Gemeinde. Die Spitex Grabs-Gams sei bereit, auch die Kunden der Pro Senectute zu betreuen.

Gleichentags bestätigte Pro Senectute den Kunden per Brief, dass es sich nicht um eine Sparmassnahme der Gemeinde handle. «Aus fachlichen und organisatorischen Gründen ist es Pro Senectute aber wichtig, dass in allen Gemeinden die selben Bedingungen gelten», hält sie fest. Deshalb habe sie Grabs einen Vertrag unterbreitet, wie er in den 18 anderen Gemeinden gelte, welche diese Dienstleistung nutzen.

Für bisherige Kunden wird es teurer

Um welche Beträge es dabei geht, hat Leserbriefschreiber Alfred Heeb herausgefunden (W&O vom 26. November). Pro Senectute erhält in den 18 Gemeinden, mit denen sie eine Leistungsvereinbarung hat, 15 Franken und hat dies auch Grabs vorgeschlagen. Grabs zahlt an die Spitex aber nur 12 Franken und würde dies auch Pro Senectute zahlen. Der Stundenansatz für die bisherigen Kunden von Pro Senectute steigt dadurch von bisher 29 Franken auf 35 Franken. Diesen Betrag verrechnet die Spitex Grabs-Gams für «Hauswirtschaftsleistungen» gemäss ihrem Tarif. Die Aufforderung von Alfred Heeb: Pro Senectute solle die 12 Franken akzeptieren und den Stundensatz, den die Kunden zahlen, entsprechend erhöhen.

Andere Gemeinden würden nachziehen

Für Thomas Diener, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Pro Senectute St.Gallen, ist diese «pragmatische Lösung» trotzdem nicht akzeptabel:

«Wir sind seit Jahren bestrebt, die Kosten für die Hilfe und Betreuung für die Kunden auf einem fairen Niveau zu halten. Wenn wir nun in einer Gemeinde den Kundenbeitrag erhöhen, um damit den Beitrag der Gemeinde zu senken, werden die übrigen Gemeinden im Einzugsgebiet nachziehen.»

Die Pro Senectute Region RWS würde damit riskieren, dass sie die Tarife für über 1000 Kunden erhöhen müsste. «Und solche Entwicklungen machen auch nicht Halt an den Regionengrenzen», sagt Diener. Mit Kundentarifen über 30 Franken würden für viele ältere Menschen falsche Anreize geschaffen für einen vorzeitigen Eintritt in ein Alters- und Pflegeheim. Das könne und wolle Pro Senectute nicht mittragen.