Im Dienst Schwerkranker und Sterbender: Mehr als 350 Menschen haben in 20 Jahren die Hospizgruppe Werdenberg beansprucht

Das ökumenische Projekt der Hospizgruppe Werdenberg feierte im August das 20-Jahr-Jubiläum.

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Die freiwilligen Mitarbeiter wurden infolge 20-jährigen Bestehens der Gruppe zu einer Reise eingeladen.

Die freiwilligen Mitarbeiter wurden infolge 20-jährigen Bestehens der Gruppe zu einer Reise eingeladen.

Bild: PD

(pd) Nach einem zaghaften Start vor 20 Jahren, hat sich das ökumenische Projekt zur Begleitung Schwerkranker zwischenzeitlich etabliert. Die Hospizgruppe, bestehend aus ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, entlastet Betroffene bei der Betreuung von Schwerkranken und Sterbenden.

Das Ziel der Hospizgruppe, einfach da zu sein, wenn ein erkrankter Mensch dies wünscht, wurde in den vergangenen 20 Jahren von über 350 Personen in Anspruch genommen.

Zu Beginn nur zögerlich in Anspruch genommen

Im Frühsommer 2000 beteiligten sich unter der Leitung der Caritas über 100 Personen aus der Region Werdenberg an dem Kurs «Nahe sein in schwerer Zeit». Die evangelische und katholische Kirchgemeinde von Buchs wurden ermutigt, ein Projekt zur Begleitung Schwerkranker zu initiieren. Infolge des grossen Interesses wurde eine Projektgruppe «Begleitung von Schwerkranken und sterbenden Menschen» gegründet.

Arbeitsgebiete des Diakonievereins

• Besuchsdienst
• Hospizgruppe Werdenberg
• Trauertreff
• Trauereinzelbegleitungen
• Lebensmittelabgabe Leba
• Treffpunkt Kafihalle
• Tandem
• Mittagstisch
• Seelsorge und Beratung
• Singen für Senioren
• Kurs- und Seminararbeit
• Diakonie Gebet
• Wetti-Café
• Gebet für die Region

Ein Leitungskreis mit je drei Vertretern aus den beiden Kirchgemeinden, davon je eine Pfarrperson, übernahmen in den ersten Jahren die Verantwortung. Das Angebot zur Betreuung Schwerkranker, wurde zu Beginn nur zögerlich in Anspruch genommen.

2006 wurde der Name in Hospizgruppe geändert

Im Jahr 2006 wurde das Projekt der Begleitung Schwerkranker in «Hospizgruppe Werdenberg» geändert und unter das Dach des Diakonieverein Werdenberg gestellt.

Der Begriff «Hospizgruppe» ist schweizweit bekannt und organisiert. Vor allem in Städten sind die Angebote sehr beliebt. Die Hospizgruppen in der Ostschweiz sind unter dem Dach der «Palliativ Ostschweiz» zusammengefasst. Dort finden jährliche Treffen und Austauschtreffen statt.

Vermehrt äussern Menschen den Wunsch zu Hause, in der gewohnten Umgebung, sterben zu können. Eine lebensbedrohende Krankheit kann bei der Pflege in den eigenen vier Wänden dazu führen, dass Angehörige mit der Betreuung an ihre Grenzen kommen und auf Unterstützung angewiesen sind. Sie möchten dem Wunsch des Schwerkranken, zu Hause bleiben zu können, entgegenkommen, sind jedoch nach vielen anspruchsvollen und unruhigen Wochen erschöpft.

Angebot ist kostenlos und steht allen zur Verfügung

In solchen Situationen kann das Angebot der Hospizgruppe zum Tragen kommen. Die Begleitung Sterbender ist eine Ergänzung zur medizinischen, pflegerischen und seelsorgerlichen Tätigkeit. Der Dienst am Sterbebett verfolgt keine religiösen oder politischen Absichten. Das Angebot ist kostenlos und steht allen Sterbenden oder Schwerkranken zur Verfügung.

Sehr gefragt sind Begleitungen in der Nacht, sei es zu Hause oder in einer Pflegeeinrichtung. Es braucht ein weites Herz und Sensibilität gegenüber den Kranken. Man muss gut zuhören können und begegnet den Betroffenen mit Respekt und Menschenwürde. Für die Patienten ist es eine Erleichterung eine aussenstehende Person zur Seite zu haben, um sich in allen Phasen des Sterbeprozesses mitteilen können. Es gibt keine Patentlösung für die Begleitung sterbender Menschen, da jeder Mensch individuell ist. Das Wichtigste ist da zu sein und auch ohne Worte zu spüren, was gewünscht ist.

Die Sorgen und Ängste der Sterbenden ernst zu nehmen und ihnen das Alleinsein zu ersparen sind das Kernanliegen der Hospizgruppe. Die Begleitpersonen gestalten ihre Zeit bei den Sterbenden selbst. Es werden auch zunehmend alleinstehende Menschen begleitet.

Auf herausfordernde Aufgabe gut vorbereitet

Für Angehörige ist es eine Vertrauenssache, den Dienst von Sterbebegleitern in Anspruch zu nehmen. Die Frauen und Männer, welche in der Hospizgruppe Werdenberg tätig sind, sind auf diese herausfordernde Aufgabe gut vorbereitet. Sie werden fachlich weitergebildet und begleitet. Sie leisten ihren Dienst in Zusammenhang mit Pflegefachpersonen und ergänzend zu seelsorgerlicher Betreuung. Zu Beginn war ein Team von acht Betreuerinnen für die Betroffenen abrufbar. Zwanzig Jahre später kann die Leiterin auf 15 Personen, Frauen und Männer, zurückgreifen.

Seit 2012 ist eine deutliche Zunahme von Einsätzen erkennbar. Von einmaligen Einsätzen bis jahrelange Begleitung ist alles möglich. Im Jahr 2019 wurde die Dienstleistung von 40 Personen beansprucht. Das Team war 240-mal unterwegs und erbrachte über 1300 ehrenamtliche Arbeitsstunden. Die Dauer der Einsätze gestaltet sich sehr unterschiedlich. Von ein paar Stunden zur Entlastung am Tag, bis Nachtwachen von 22 Uhr bis 7 Uhr morgens.

Flyer liegen in Heimen und Arztpraxen auf

Die derzeitige Leiterin, Waltraud Eggenberger und die Einsatzleiterin Gertrud Weber-Christen sind bemüht allen Anfragen gerecht zu werden. Sie nehmen auch Bewerbungen interessierter Mitarbeiter entgegen und begleiten die Freiwilligenarbeit professionell. Flyer über das Angebot der Hospizgruppe liegen in den regionalen Heimen und Arztpraxen auf.

Zudem ist die Hospizgruppe mit dem Forum «Palliative Ostschweiz Buchs» vernetzt. Die Dienstleistung ist kostenlos und wird weitgehend über Spenden der katholischen und evangelischen Kirchgemeinden der Region, dem Pflegeheim sowie durch Privatspenden getragen. Die Hospizgruppe ist einer von diversen Arbeitsgebieten des Diakonievereins Werdenberg, www.diakonieverein.org.

Die geplante Jubiläumsfeier musste infolge Covid-19 abgesagt werden. Die freiwilligen Mitarbeiter wurden als Dankeschön im August, infolge 20-jährigen Bestehens der Gruppe, zu einer zweitägigen Reise eingeladen.