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«Ich bin ganz schön eigensinnig»: Grabser Meisterlandwirtin Andrea Hürzeler schloss mit der Note 6 ab

Andrea Hürzeler hat den höchsten landwirtschaftlichen Berufsabschluss erlangt. Mit einer 6. Sie ist damit die Jahrgangsbeste in der Meisterlandwirte-Ausbildung.
Nadine Baumgartner, Bauernzeitung
Meisterlandwirtin Nadine Hürzler hat sich in Grabs, fernab ihrer Heimat, ein neues Leben aufgebaut. Sie zieht in Betracht, für die Übernahme des elterlichen Betriebs wieder zurückzukehren.Bild: Nadine Baumgartner

Meisterlandwirtin Nadine Hürzler hat sich in Grabs, fernab ihrer Heimat, ein neues Leben aufgebaut. Sie zieht in Betracht, für die Übernahme des elterlichen Betriebs wieder zurückzukehren.Bild: Nadine Baumgartner

Wer den besten Abschluss des Jahrgangs in der Meisterlandwirte-Ausbildung macht, der muss etwas streng und etwas starr sein, könnte man denken. Oder zumindest eine Person, mit klaren Zielen und Zukunftsvorstellungen. Dann aber trifft man auf Andrea Hürzeler. Sie ist eine grazile Frau mit markanten Gesichtszügen, die nur dann streng wirken, wenn man sie von Weitem dabei beobachtet, wie sie sich konzentriert. Kaum macht sie den Mund auf, spürt man ihre Fähigkeit, auf das Gegenüber einzugehen und sehr aufmerksam zu sein – ohne dabei an Überzeugungskraft zu verlieren.

Und wenn sie lächelt, strahlt einem ganz viel Wärme entgegen und das Gesicht wird rund und weich. Und starr? Alles andere als das. «Ich bin ganz schön eigensinnig», sagt die 25-Jährige über sich selbst. Die Buchhalterin ist engagiert im Landfrauen-Verein, in der Junglandwirtekommission St. Gallen, spielt Theater und macht Yoga. Schubladisieren geht bei ihr beim besten Willen nicht.

Den berühmten 5-Jahresplan sucht man bei ihr auch vergebens. Eine denkbare Option für sie ist die Übernahme des elterlichen Betriebs. Genauso gut könnte es sie aber auch auf einen Bergbauernhof verschlagen. Das Einzige, das für Andrea Hürzeler klar ist:

«Ich sehe mich auf einem eigenen Landwirtschaftsbetrieb.»

Nach dem KV die Zweitausbildung Landwirtin

Als drittes von vier Kindern hatte sie schon immer den Hang zum anders sein. Schule ging ihr von klein an leicht von der Hand. Und das Helfen zu Hause war nie eine Qual, sondern eine Selbstverständlichkeit. «Wir wohnten in einem kleinen Weiler, und haben halt nach der Schule nicht mit anderen Kindern abgemacht, sondern geholfen», sagt die Spitzenlandwirtin.

Die drei Schwestern hat es alle in die Landwirtschaft gezogen: Die Älteste ist Agronomin und arbeitet beim Bauernverband. Die zweite Schwester ist Agrotechnikerin und arbeitet ebenfalls in der Agrarbranche. Andrea Hürzeler selber hat zwar erst die kaufmännische Lehre gemacht, dann aber in Zweitausbildung Landwirtin gelernt und nach zwei Jahren Berufserfahrung den Betriebsleiter und Meister angehängt. Der kleine Bruder hat sich mehr aufs Holz als auf die Tiere spezialisiert. Er ist Schreiner und Wagner.

«Ich hatte noch nie Interesse an den Schweinen»

Sollte der Heimbetrieb im Kanton Solothurn die Zukunft werden, übernimmt sie einen gut arrondierten Hof mit 23 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche. 20 davon sind gepflügt. Ackerbau ist demnach ein wesentliches Standbein. Dazu kommt die Schweinemast und Schweinezucht. 50 Moren und 300 Mastplätze, um genau zu sein. 10 bis 12 Aufzuchtrinder und eine halbe Hektare Niederstammobstbäume komplettieren den diversifizierten Betrieb.

Diese Grösse findet Andrea Hürzeler «super». «Mit kleinen Strukturen ist man erfolgreicher in der Landwirtschaft», ist die Meisterlandwirtin überzeugt. Das halte den Betrieb stabiler und gerade in der Schweiz sei die kleinbäuerliche Landwirtschaft betriebswirtschaftlich sinnvoller und nachhaltiger. Würde der elterliche Betrieb an Andrea Hürzeler gehen, würde sie aber wesentlich umstrukturieren. «Ich hatte noch nie Interesse an den Schweinen», sagt sie ganz ohne Umschweife.

Die Buchhalterin in einem Treuhand-Büro für Landwirtschaftsbetriebe ist fasziniert vom Bio-Ackerbau. Sie sieht viel Potenzial in neuen Technologien und neuen Kulturen. Aber auch im heutigen gesellschaftlichen Umfeld, geprägt von den Forderungen der Volksinitiativen an die Landwirtschaft und in Anbetracht der aktuellen Agrarpolitik, erscheint ihr der Bio-Ackerbau als die Lösung für Höfe im Mittelland.

Anstelle der Schweinehaltung würde Andrea Hürzeler auf Legehennen setzen. So hat sie das auch im Business-Plan, den sie in der Ausbildung erstellt hat, ausgearbeitet. «Das hat auch Mut gebraucht», gesteht sie ein. Einen funktionierenden Betriebszweig, also die Schweine, aufzugeben (zumindest auf dem Papier). Und stattdessen auf etwas ganz anderes setzen. «Wesentlich für mich ist neben dem Betriebswirtschaftlichen die Freude an der Arbeit», begründet sie den Schritt.

Solothurnerin kam für Ausbildung ins Rheintal

Das ist nicht das erste Mal, dass die Mittzwanzigerin Mut beweist. Für die Zweitausbildung Landwirtin zog sie vom elterlichen Betrieb im Kanton Solothurn ins Bündner Rheintal. Dabei hatte sie es nicht leicht am Anfang.

«Im Rheintal sind die Leute reservierter als in Solothurn.»

Die Grenze sei näher, das spüre man. Auch dass der Rhein einst kanalisiert wurde und das Land drainiert und urbar gemacht werden musste, hinterlasse seine Spuren: «Die Rheintaler mussten sich ihre Lebensgrundlage erkrampfen.» Und die junge Solothurnerin musste sich anpassen. Umso weniger will sie diesen Ort, an dem sie nun ihr Plätzchen gefunden hat, wieder aufgeben. «Heimat ist überall dort, wo man sich genug wohl fühlt, um Wurzeln zu schlagen», sagt sie. Und das habe jeder selbst in der Hand.

Am Alpleben geschnuppert

Im Sommer 2014 hat die damals 21-Jährige ihren ersten Alpsommer erlebt. Als Zusennin hat sie auf der Alp Tambo in Splügen GR gearbeitet. Während ihrer Ausbildung war eine Alpsaison dann zu ihrem Bedauern nicht mehr möglich. Sie liess es sich aber nicht nehmen, nach Prüfungsende in diesem Juni zumindest für einen Monat wieder in die Höhe zu gehen. Und zwar als Hirtin auf der Alp Stavonas-Prada in Obersaxen GR. Auch die nächste Alpsaison ist schon geplant. 2019 wird sie wiederum als Älplerin eine Saison machen.

Andrea Hürzeler nennt sich eigensinnig. Andere würden sie eher als starke Frau bezeichnen. «Ich wage gerne etwas. Sich selber etwas zutrauen und an sich glauben, das fehlt den Schweizern allzu oft. Ich möchte mich nicht von Zweifeln aufhalten lassen.» Die Strategie müsse gut überlegt und wenn möglich gerechnet sein, aber dann müsse man daran festhalten. Und Steine, die einem im Weg liegen, beiseite räumen. Das ist wohl auch ihr Erfolgsrezept, das sie zum besten Abschluss des Jahres und zur glatten 6 geführt hat.

Diese Unbeirrbarkeit sieht man ihr am Tag der Diplomfeier in Landquart auch an: In einem knallgrünen Kleid, mit knallgrünen Stöckelschuhen und knallgrüner Tasche ist sie erschienen.

«Die Leute dürfen gerne denken, was sie wollen. Das ist mein Tag! Ich bin eine Frau durch und durch, steche gerne aus der Masse heraus und kleide mich elegant.»

Weitere Absolventen aus der W&O-Region

Bruno Forrer aus Wildhaus gehörte mit einer 5,6 ebenfalls zu den Besten der Ausbildung zum Meisterlandwirt. Auch Christoph Dürr aus Gams und Christian Vetsch aus Sevelen konnten das Diplom entgegennehmen.

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