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Unterwasser: Comedian und Zauberer Rolf Kern sagt von sich: «Ich bin ein Spiegelaff»

Das Gesicht und der Körper sagen mehr aus als die Sprache, glaubt der Zauberer und Comedian Rolf Kern aus Gais, der in Unterwasser lebt.
Christiana Sutter
Mit Zaubertisch und Zauberkoffer zieht Rolf Kern, die eine Hälfte des Duos Messer & Gabel, im Sommer durchs Land. (Bilder: Benjamin Manser)

Mit Zaubertisch und Zauberkoffer zieht Rolf Kern, die eine Hälfte des Duos Messer & Gabel, im Sommer durchs Land. (Bilder: Benjamin Manser)

Mit der roten Schaumgumminase sieht er aus wie ein Clown. «Ich bin kein Clown, Clownerie muss man lernen.» Rolf Kern ist Comedian und Zauberer. In seinem Atelier, im ehemaligen Ladenlokal der Bäckerei in Unterwasser, sitzt er hinter der grossen Glasscheibe und guckt verträumt hinaus auf den Dorfplatz, «ich bin der Liebe wegen nach Unterwasser ge­zogen».

Kinder, die auf ihre Gspänli warten, schauen verlegen zu Kern hinüber. Dieser lacht, scherzt und verändert seine Mimik. Die eine Mimik, die mit den Mundwinkeln fast bis zu den Ohren hinauf gezogen, kommt einem bekannt vor. Rolf Kern ist der Quirlige des Duos Messer & Gabel.

Trotz Schaumgumminase: Rolf Kern ist kein Clown.

Trotz Schaumgumminase: Rolf Kern ist kein Clown.

Der 53-jährige Comedian ist in Gais aufgewachsen. Er absolvierte eine Lehre als Buch- und Offsetdrucker in der Druckerei seines Vaters, denn der wollte es so. «Eigentlich hätte ich viel lieber eine Schauspiel- oder Tanzausbildung gemacht.» Rolf Kern suchte Bestätigung, diese bekam er als Juniorchef in der Druckerei nicht. Auf der Bühne hat er sie gefunden und bekommt sie noch immer. «So sind Bühnenmenschen, das ist normal. Ich habe auch immer gesagt, ich drücke mich durchs Leben und lüge wie gedruckt.»

Dank Hasenbiss zum Auftritt

Rolf Kern war ein engagierter Schüler – im Turnen zuerst oben auf der Sprossenwand, im Rechnen der Letzte, der sich setzen durfte. «Ich ging nicht gerne zur Schule.» Humor war ihm wichtiger als Rechnen und Schönschreiben.

Als 25-Jähriger hat er sich bei Club Intersport für einen Job als Animateur beworben. «Diesen Job wollte ich unbedingt.» Beim Vorstellungsgespräch fragte man ihn, was er könne. «Ich bin lustig.» Fremdsprachen? Keine. «Dann habe ich gelogen. Ich sagte, ich kann zaubern.» Vorzeigen ging nicht, «ich konnte ja nicht zaubern». Sofern er in die nähere Auswahl komme, werde er beim nächsten Gespräch gerne was zeigen, versprach er. Nach dem Gespräch ging er als Erstes in Zürich in einen Zauberladen und kaufte Zauberutensilien. Drei Wochen hat er die Tricks geübt. «Den Job habe ich bekommen.» Neun Monate war er als Zauberer und Comedian im Club in der Türkei engagiert.

Tricks mit Spielkarten gehören zum Standardrepertoire eines Zauberers.

Tricks mit Spielkarten gehören zum Standardrepertoire eines Zauberers.

Zauberei ist ein Handwerk, «man muss sich die Tricks mit sehr viel Fingerspitzengefühl aneignen», sagt Rolf Kern. Begonnen hat alles mit kleinen Auftritten, an Familienfesten und Firmenanlässen. Zauberei besteht aus Verschwinden- und wieder Erscheinenlassen von Sachen, oder sie zu durchdringen, oder sie zerstören und wieder ganz machen, aus mentaler Magie.

«Dabei geht es um Zahlenspiele und Rechnungen. Das mag ich nicht, da muss man rechnen»,

sagt Kern und lacht. Der Zauberer Rolf Kern, alias Rono Kertini, trat gross auf: Bühne, Vorhang, Licht, Hasen und Assistentin. «Der Hase hat mich einmal kurz vor der Vorstellung gebissen, da gab’s keine Vorstellung.» Er musste nach Herisau zum Nähen. «Ich habe dem Arzt während der Behandlung einen Zaubertrick mit Faden gezeigt», sagt Kern, «und wurde dafür für einen Auftritt am Weihnachtsessen gebucht.»

Schwere Schicksalsschläge

Das Künstlerleben ist schwierig, da muss auch die Partnerin passen. «Solange ich in der Druckerei gearbeitet haben, ging das noch so einigermassen.» Seit 2004 ist Rolf Kern geschieden. Er hat zwei erwachsene Töchter. In demselben Jahr kam ein weiteres Schicksal dazu. Damit die Druckerei bleibt, hätte eine neue Druckmaschine angeschafft werden sollen. «Die Bank hat uns nicht unterstützt und liquidiert.» 24 Angestellte mussten entlassen werden, ein Sozialplan wurde erstellt. «Für meinen Vater war das ein Stoss ins Herz.» Nach der Scheidung und der Liquidation der Druckerei ging es Rolf Kern nicht gut. Die Trennung bereitete dem Comedian Mühe. Es kam so weit, dass er vor einem Auftritt als Zauberer den ­Auftraggeber anrufen und absagen musste.

«Ich sass im Auto und habe nur noch geweint. Ich konnte nicht mehr lustig sein, ich benötigte Hilfe.»

Einen Moment wird es beklemmend ruhig im Atelier. In einem Seminar mit Feuerlauf und mentalen Übungen lernte er sich wieder kennen. Dieses Seminar führte auch dazu, dass er sich zum Persönlichkeitstrainer ausbilden liess. Geholfen hat ihm während dieser schwierigen Zeit auch René Sulser, die andere Person von Messer & Gabel. Seit 1998 sind die beiden mit ihren Programmen unterwegs.

Rolf Kern vom Komikerduo Messer & Gabel in seinem Atelier in Unterwasser.

Rolf Kern vom Komikerduo Messer & Gabel in seinem Atelier in Unterwasser.

Immer wieder waren es Zufälle, die Rolf Kern Auftritte verschafften. Irgendwann waren es 120 Auftritte innert zwei Jahren. Es wurde ihm zu viel. Er verabschiedete sich von der Assistentin. Die klassische Zauberei folgte. Auftritte mit Frack, Musik und Taube waren angesagt, immer als Rono Kertini. Zu der Zauberei kam dann die Comedy. «Heute steht die Comedy im Vordergrund, nicht mehr die Zauberei.» Denn heute muss der Unterhaltungswert auch in der Zauberei an erster Stelle stehen.

Der quirlige, nervöse Typ des Duos

Rolf Kern kennt man als den quirligen, nervösen Typ bei Messer & Gabel, «dabei kommt aber die Zauberei zu kurz». Das aktuelle Bühnenprogramm von Messer & Gabel steht, «wir sind jetzt mit dem Programm ‹selbertschold› unterwegs und müssen nicht mehr proben». Während der Pause von Juni bis in den Herbst ist Rolf Kern vermehrt mit seinem Zaubertisch und seiner Zauberkiste auf den Strassen und den Gassen in Städten oder Veranstaltungen anzutreffen. Er stellt seinen Hut auf, «ich bekomme Hutgeld, das ich behalten darf». Kern strahlt, sein Gesichtsausdruck zeigt, dass er sich auf die Begegnungen freut. «Dort findet man das ehrlichste Publikum.»

Wenn Rolf Kern mal frei hat, fährt er sehr gerne auf seiner Harley oder spielt seit neustem Tennis. Ein weiterer Ausgleich zu seiner Arbeit findet der Comedian bei den Hunden von Husky Stuff in Starkenbach. Nicht unbedingt beim Schlittenfahren. Er unterhält und betreut die Gäste, wenn sie warten müssen. erzählte er übers ganze Gesicht lachend. Sein Lachen ist ansteckend. Die Mimik von Rolf Kern ist sehr ausgeprägt. Vor allem im Programm von Messer & Gabel. «Ich bin schon ein bisschen ein Spiegelaff», sagt der Comedien.

«Wenn jemand die Sprache nicht versteht, das Gesicht, die Mimik versteht man. Das Gesicht und der Körper sagen mehr aus, als die Sprache.»

Für seine Zukunft hat er klare Vorstellungen. Mit seiner Firma Comedy KA will Rolf Kern das Zauberhandwerk weitergeben. Im Atelier in Unterwasser wird er künftig Workshops anbieten. «Im Sommer organisiere ich einen Kinderzaubertag im Zeltainer in Unterwasser. Während des Tages üben die Kinder Tricks und am Abend werden diese vorgeführt.» Vorerst stehen vom 28. bis 31. Mai aber noch Vorstellungen mit Messer & Gabel im Zeltainer an.

Kern ist es wichtig, dass Kulturstätten und Kleintheater in der Schweiz besucht und somit Schweizer Künstler unterstützt werden, «denn wir Schweizer können mit unserem Dialekt nicht nach Deutschland gehen und auftreten». Ihm ist bewusst, dass er ohne das Publikum nie das machen können, was er die letzen 28 Jahre gemacht hat. Rolf Kern schaut durch das grosse Fenster des Ateliers hinaus auf den Dorfplatz in Unterwasser. Die Kinder sind weg.

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