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«Husten ist die schlimmste Krankheit»

Die Sängerin Sarah Längle hält ihre Stimme mit täglichem Training fit. Um Bekannte, die husten, macht sie einen weiten Bogen. Als Mutter zweier Kinder ist das aber nicht immer möglich. Dann hilft nur noch Ingwertee.
Alexandra Gächter
Die Liechtensteinerin Sarah Längle übernimmt in «La Traviata» die Hauptrolle. (Bild: Jens Weber)

Die Liechtensteinerin Sarah Längle übernimmt in «La Traviata» die Hauptrolle. (Bild: Jens Weber)

Anfang Juli starten die Proben der Werdenberger Schloss-Festspiele. Die Liechtensteiner Sopranistin Sarah Längle singt in «La Traviata» die Hauptrolle.

Eine Oper erfordert von den Sängern Höchstleistung. Wie trainieren Sie dafür?

Die zum Singen erforderten Muskeln sind sehr sensibel und müssen fortwährend trainiert werden. Deshalb übe ich täglich ein bis zwei Stunden. Zum einen feile ich an der Technik, zum anderen singe ich die Arien. Zudem übersetze ich den italienischen Text, damit ich weiss, was ich singe. Am ersten Probentermin im Juli muss ich alles auswendig können und die Arien beherrschen.

Wer unterstützt Sie beim Proben?

Ich probe momentan allein, das erfordert Selbstdisziplin. Im Verlaufe des Junis übe ich meine Partien mit einem Pianisten, den ich selber bezahle. Zudem coacht mich eine Expertin regelmässig. Ab Anfang Juli probe ich täglich mit meinen Kollegen von den Werdenberger Schloss-Festspielen von 10 bis ungefähr 14 Uhr. Später gibt es zusätzlich noch Abendproben von 18 bis 22 Uhr. Es wird also insgesamt zwischen vier und acht Stunden pro Tag geprobt.

Wie gehen Sie mit dieser Belastung um?

Man muss sich selbst und seine Stimme sehr gut kennen, um zu wissen, wie fest man sich belasten kann. Um seine Stimme zu schonen, kann man beispielsweise nur einen Teil der Kraft einsetzen. Oder man kann gewisse Passagen nur markieren oder oktaviert, also eine Oktave tiefer, singen.

Was machen Sie, um Ihre Stimme gesund zu erhalten?

Da die Stimme beim Reden beansprucht wird, gibt es Sänger, die an den Aufführungstagen so wenig wie möglich reden. Ich habe jedoch zwei Kinder. Denen kann ich nicht sagen, dass Mama heute eine Aufführung hat und darum nicht über Probleme reden kann. Natürlich ist dies eine Herausforderung, aber Gott sei Dank ist meine Stimme nicht sonderlich empfindlich. Ich achte aber darauf, dass ich gestützt spreche. Das heisst, dass der Körper und nicht die Stimme die Hauptarbeit leistet.

Muss eine Opernsängerin ihren Körper mit Sport fit halten?

Es gibt Sänger, die viel Ausdauersport betreiben, um körperlich für die Opernarien fit zu bleiben. Ich bin leider nicht sehr sportlich. Vor einiger Zeit habe ich jedoch Yoga für mich entdeckt. Yoga ist eine Sportart, die mir als Sängerin sehr viel hilft.

Inwiefern?

Beim Yoga wie auch beim Singen geht es um die Balance zwischen Spannung und Entspannung. Beim Singen braucht man Körperspannung, dennoch muss die Stimme durch den Körper fliessen können. Beim Yoga muss trotz Körperspannung der Atem fliessen können. Zudem lernt man beim Yoga, dass man mehr Kraft zur Verfügung hat, wenn man die richtige Muskelgruppe ansteuert.

Wie bereiten Sie sich schauspielerisch auf die Rolle vor?

Ich achte darauf, dass ich die Geschichte und die Figur gut kenne. Der Regisseur hat ein Konzept, wie er die Geschichte erzählen will. Was die Spielweise anbetrifft, schaue ich, dass ich offen bleibe für dieses Konzept. Nicht immer ist es gut, wenn man eine zu klare Vorstellung mitbringt.

Sehen Sie in der Rolle der Violetta Parallelen zu Ihnen?

Obwohl die Oper vor mehr als hundert Jahren geschrieben wurde, sind die Gefühle der Menschen die gleichen geblieben. Die Gefühle, welche Violetta durchlebt, habe ich in gewissen Nuancen auch schon erlebt. Natürlich nicht so ausgeprägt. Je mehr man als Person erlebt hat, desto eher findet man bei der Figur Parallelen.

Welche gesanglichen Herausforderungen warten auf Sie?

Der Gesang ist sehr vielseitig, hat hohe Koloraturen und verlangt eine kräftige, geerdete Stimme. Am Anfang ist Violetta fröhlich, da muss der Gesang sehr beweglich sein. Wenn sie krank wird und auf ihre Liebe verzichten muss, wird der Gesang sehr ruhig, dramatisch und tief. So vielseitig singen zu dürfen, macht Spass.

Singen Sie lieber lustige oder traurige Opern?

Beides. Ich finde es schön, wenn man das Publikum zum Lachen oder zum Weinen bringen kann. Wichtig ist, dass man beim Publikum etwas auslöst. Es kann für die Zuschauer befreiend sein, wenn sie gewisse Gefühle aus der Distanz durchleben können.

Bricht manchmal die Stimme bei den traurigen Gesangspassagen?

Anders als beim Sprechtheater soll bei der Oper im besten Fall der Zuschauer weinen, der Sänger aber nicht. Beim Schauspieler darf die Stimme wegbrechen, beim Sänger darf sie nur bis zu einem gewissen Punkt brechen oder dünner werden. Die Kunst des Sängers besteht darin, so nah wie möglich an diese Grenze zu kommen. Es gibt Sänger, die stellen den perfekten Gesang über die Gefühle. Ich hingegen riskiere, näher an meine Grenze zu gehen, denn ich möchte das Publikum berühren. Mir ist es lieber, wenn ein Ton nicht so perfekt ist, ich aber das Publikum gewinne.

Was gefällt Ihnen bei den Schloss-Festspielen besonders gut?

Die Nähe zu Liechtenstein. Wenn ich in Deutschland singe, reisen meine Eltern dorthin, nun komme ich zu ihnen. Es ist schön, dass viele Bekannte und Verwandte kommen können. Zudem freue ich mich auf Kuno Bont und Bill Maxfield. Auch schön finde ich, dass es eine Sommerproduktion ist. Die Atmosphäre bei Sommerproduktionen ist immer besonders.

Wie gestalten Sie den Tag der Aufführung?

Ich schaue, dass ich gut ausgeschlafen bin. Die erste Hälfte des Tages verbringe ich ganz normal, am Mittag ruhe ich mich eine halbe Stunde aus. Drei Stunden vor Aufführungsbeginn muss ich etwas richtig Gutes essen. Direkt vor der Aufführung kann ich nichts mehr essen, weil ich mit vollem Magen nicht gut singen kann. Etwas mehr als eine Stunde vor der Aufführung bin ich auf dem Festgelände, so kann ich mich in Ruhe vorbereiten. Ich achte darauf, dass ich gleichermassen angespannt und entspannt bin.

Was tun Sie, wenn Sie vor der Aufführung merken, dass Sie oder Ihre Stimme nicht fit genug ist?

Die Hauptrolle der Violetta ist doppelt besetzt. Brigitta Simon und ich wechseln uns bei den Aufführungen ab. Das ist gut so, weil es für die Stimme anstrengend ist, mehrere Tage nacheinander eine ganze Oper zu singen. Im Notfall könnte also Brigitta Simon meine Vorstellung übernehmen.

Was machen Sie, wenn Sie während einer Arie merken, dass die Stimme nicht mehr mitmacht oder Sie husten oder niesen müssen?

Was die Stimme betrifft: Wenn man sich und seine Stimme gut kennt, kann man sich bereits vor der Vorstellung sehr gut einschätzen und entsprechend reagieren. Was das Husten oder Niesen betrifft: Ich hatte auch schon einen Hustenanfall vor dem Auftritt, aber während des Auftrittes noch nie. Ich musste auch noch nie auf der Bühne niesen – wahrscheinlich wegen des Adrenalins. Aber grundsätzlich ist es so, dass Husten für den Sänger die schlimmste Krankheit ist. Hustenanfälle schlagen auf die Stimmbänder. Und tiefes Einatmen, wie man es beim Singen macht, reizt den Husten zusätzlich.

Wie schützen Sie sich davor?

Wenn ich höre, dass jemand Husten hat, den ich besuchen will, muss ich den Besuch absagen und mit der Person stattdessen telefonieren. Dennoch kann ich mich nicht 100-prozentig vor dem Husten schützen, da ich Kinder habe. Wenn meine Kinder krank sind, dürfen sie natürlich trotzdem auf meinem Schoss sitzen und ich tröste sie. Das Gute daran ist: Mütter sind robuster. Um meiner Stimme etwas Gutes zu gönnen, trinke ich frischen Ingwertee – so scharf wie möglich. Ich habe fast immer eine Thermoskanne bei mir. Ebenfalls schlimm für die Stimme ist, wenn man nach der Oper zusammensitzt und lange und laut miteinander redet.

Das heisst, dass Sie nach der Aufführung sofort nach Hause gehen?

Nein, so diszipliniert bin ich nicht. Nach der Aufführung gönne ich mir ein Bier oder einen Schnaps. Und definitiv etwas zu Essen.

Hinweis:

Die Werdenberger Schloss-Festspiele führen die Oper «La Traviata» von Donnerstag, 2. August, bis Samstag, 18.August, auf der Seebühne beim Werdenbergersee auf.

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