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Holzfrevel war früher weit verbreitet

Der Wald war lange ein weitgehend rechtsfreier, dem Raubbau und der Vernichtung ausgesetzter Raum. Mit dem Bevölkerungsdruck wuchs die Erkenntnis, dass es Gesetze zum Schutze des Waldes braucht, auch wenn sie zuerst wenig beachtet wurden.
Heini Schwendener
Blätter und Nadeln wurden in grossem Umfang als Einstreumaterial für die Tiere in den Ställen gesammelt, aber auch für Bettlaub. Das Bild zeigt Kinder beim Zusammentragen von Buchenlaub in Flums. (Bild: Schweizerisches Institut für Volkskunde, Basel)
Waldarbeit um 1949/1950: Vor der Mechanisierung war die Holzernte beschwerlich und gefährlich. (Bild: Stadtbilbliothek Winterthur)
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Holzfrevel war früher weit verbreitet

Die Menschen, insbesondere auch in den Bergregionen, waren früher in mancherlei Hinsicht auf die Wälder angewiesen. Sie boten ihren Häusern Schutz vor Lawinen und Steinschlag, das Holz wurde zum Hausbau, für Zäune, zum Heizen, für Werkzeuge und andere Gebrauchsgegenstände verwendet. Die Tiere und Pflanzen des Waldes bereicherten die Speisezettel. Je stärker die Bevölkerungszahl wuchs, desto mehr wurde gerodet und desto kleiner wurden die Waldbestände. Seit dem 17. Jahrhundert setzte sich die Erkenntnis durch, dass die zunehmende Nutzung zum Ruin der Wälder führen würde.

Im Werdenberger Jahrbuch 2004 hat Hans Jakob Reich den Übergang von der kollektiven zur geregelten Waldnutzung und die schwierigen Anfänge des st. gallischen Forstwesens thematisiert. Er mündete im Erlass des st. gallischen Forstgesetzes von 1838.

Der Legi- und Ordnungsbrief von 1790

War vor den staalichen Nutzungsregelungen der Wald ein rechtsfreier, dem Raubbau und der Vernichtung ausgesetter Raum? Im Werdenberger Jahrbuch 2004 wird in mehreren Beiträgen aufgezeigt, dass diese Einschätzung den tatsächlichen Verhältnisssen nicht ganz gerecht wird. Meist kleinräumig auf die jeweiligen Herschaftsgebiete begrenzt gab es schon im Mittelalter und im Spätmittelalter Massnahmen zum Schutz des Waldes.

Mathäus Lippuner hat für das Werdenberger Jahrbuch 2004 im Archiv der Ortsgemeinde Grabs über Waldgesetze und Holzfrevel geforscht. Im Legi- und Ordnungsbrief, ratifiziert von der Glarner Regierung im Jahr 1790, wurde beispielsweise verboten, aus Bannwaldungen jegliche Art von Holz zu holen. Es wurde reglementiert, was im Wald möglich war, und wer was nutzen durfte. Auch die Sanktionen bei Verstössen waren im Legi- und Ordnungsbrief aufgeführt. Sanktionen musste der Verwaltungsrat der Ortsgemeinde Grabs sehr viele aussprechen, denn der Holzfrevel war vor und nach diesem Brief allgegenwärtig.

Gemäss einer Landvogtsabrechnung von 1732/33 wurde beispielsweise ein Andreas Forrer mit 30 Kreuzern gebüsst wegen «Holzfreffel aus Armut». Ein Hans Lippuner musste 48 Kreuzer bezahlen «wegen ohnebefugtem Steckhen-Schneithen».

In zwei Sitzung des Verwaltungsrates der Ortsgemeinde Grabs im Januar 1828 wurden 13 Frevelfälle behandelt. Frevler, die nicht geständig waren, hatten gar nicht so schlechte Karten. Der Fall wurde dann ans «hohe Kreisgericht» weitergezogen, doch der Nachweis einer Freveltat war nicht ganz einfach zu erbringen. Leute, die andere wegen Holzfrevels anzeigten, erhielten die Hälfte der ausgesprochenen Busse in den eigenen Sack. Holz- und andere Frevler wurden somit gerne denunziert, stellt Mathäus Lippuner fest.

Holzfrevel galt lange als Kavaliersdelikt

Bei drei Sitzungen im Januar 1830 standen 16 Frevelfälle zur Behandlung an. Bei einem Fall kam eine weit verbreitete Haltung der Bevölkerung zu den Waldnutzungsbestimmungen zum Ausdruck. Im Protokoll heisst es: «Johan Schlegel sel. Wittwe ist vorbescheiden: Puncto Holzfrevel. Sie bekennt, dass ihre Söhne, zwar nicht viel, Reis gefrevelt haben, was andere Nachbaren nicht weniger gethan hätten. Dafür soll sie bezahlen.» Der eigentliche Sinn der gesetzlichen Vorschriften wurde nicht verstanden oder wollte nicht verstanden werden. Darum wurden sie auch missachtet. Das änderte sich Anfang des 20. Jahrhunderts, obwohl damals Holz noch immer rar und teuer war. Doch nun wurde der Holzfrevel beim Bezirksammann verzeigt und galt fortan nicht mehr als blosses Kavaliersdelikt.

Am 12. Juni 1838 erliess der Grosse Rat des Kantons St. Gallen das Forstgesetz. «Die ‹Forstordnung für den Kanton St. Gallen› war zweifellos eine fortschrittliche und mustergültige Lösung und eilte der Zeit in manchem voraus», schreibt Hans Jakob Reich in seiner Abhandlung. Die Bestimmungen des Gesetzes umfassten unter anderem:

•  die Organisation und Aufsicht;

•  die Vorschrift zur Vermarchung, Vermessung und Planaufnahme der Staats-, Gemeinde- und Korporationswaldungen;

•  das Verbot von Waldrodungen und Waldteilungen sowie von Kahlschlägen an steilen Hängen;

•  die Regelung der Waldweide;

•  die Regelung der Holzfällungs- und Holzabfuhrzeit

Das st. gallische Forstgesetz sei an seinen Unzulänglichkeiten im Vollzug und an der mangelnden Einsicht der Waldeigentüm •  er gescheitert, schreibt Hans Jakob Reich in seinem Artikel. Für eine nachhaltige Erhaltung, Nutzung und Pflege des Waldes bedurfte es einer eidgenössischen Oberaufsicht. Sie manifestierte sich im ersten eidgenössischen Forstgesetz, das im Jahr 1876 in Kraft trat und im Jahr 1902 auf alle Wälder ausgedehnt wurde. «Von den alten Nutzungsrechten sind aber doch noch ein paar letzte Spuren geblieben: Das freie Betreten des Waldes und das Sammeln wildwachsender Beeren, Pilze und dergleichen», schreibt Hans Jakob Reich.

Hinweis
Lippuner, Mathäus: Von Waldgesetzen und Waldfrevel. in: Werdenberger Jahrbuch 2004, Buchs 2003; S. 62–70.
Reich, Hans Jakob: Die schwierigen Anfänge des st. gallischen Forstwesens. in: Werdenberger Jahrbuch 2004, Buchs 2003, S. 48–61

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