Ernst Vetsch: «Das Holz wird in der Region Werdenberg billig entsorgt statt verkauft»

Ohne eigene Wärmeverbunde wird das Holz in der Region Werdenberg und Obertoggenburg quasi verschenkt.

Alexandra Gächter
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Wer keinen eigenen Wärmeverbund hat, verkauft Energieholz zu gerade mal fünf Franken pro Kubikmeter. (Bild: PD)

Wer keinen eigenen Wärmeverbund hat, verkauft Energieholz zu gerade mal fünf Franken pro Kubikmeter. (Bild: PD)

Einst gab es Zeiten, da beglichen etliche Gemeinden in der Region ihre Ausgaben mit dem Verkaufserlös von Holz aus dem eigenen Wald. Der Rohstoff Holz hatte einen ganz anderen Wert als heute. Der Erlös aus dem Verkauf eines einzigen schönen Baumstamms reichte für zwei bis drei Wochenlöhne eines Waldarbeiters.

Noch in den späten Siebziger- und Anfang der Achtzigerjahre konnten immerhin für einen Kubikmeter Holz tageweise Löhne ausbezahlt werden, sagt der Wartauer Revierförster Ernst Vetsch. Danach stiegen die Löhne, während der Holzpreis stetig sank. Schweizweit kann man heute mit einem Baumstamm nur noch einen bis drei Stundenlöhne bezahlen, schreibt der Verein Holzenergie Schweiz.

In der Region Werdenberg ist die Lage noch prekärer: «Ein Forstwart kostet 50 bis 70 Franken die Stunde. Wenn man für einen guten Stamm 70 Franken erhält, ist das das höchste der Gefühle. Teilweise erhält man bei uns nur 30 bis 40 Franken», so Vetsch.

«Waldbewirtschaftung vielerorts defizitär»

Der dramatische Zerfall des Wertes von Holz blieb nicht ohne Folgen. «Heute wird viel weniger Holz genutzt, als nachwächst und die Waldbewirtschaftung ist vielerorts defizitär. Waldbesitzer verzichten deshalb oft auf jegliche Nutzung», schreibt Holzenergie Schweiz. So bleibt einer der wenigen Rohstoffe der Region Werdenberg und Obertoggenburg ungenutzt stehen. Dadurch überaltert der Wald mit der Zeit und wird anfälliger gegen Stürme und Schädlinge. Eine weitere negative Auswirkung davon ist, dass Energieholz verschenkt wird, so Ernst Vetsch.

«Der Kubikmeter wird für fünf Franken verkauft. Das ist so gut wie verschenkt. Man könnte auch sagen, dass das Holz billig entsorgt, statt verkauft wird.»

Händeringend suchen Waldbesitzer und Forstleute seit Jahren danach, wie sie aus diesem Tief herausfinden können. Die Lösung wurde gefunden und ist eigentlich einfach: Wenn niemand Stammholz will und dessen Preise dauernd am Boden sind, dann müssen neue Absatzkanäle geschaffen werden. «Und der beste neue Kanal ist die energetische Nutzung des Holzes. Holzheizungen mit Wärmenetzen sind das beste Mittel gegen die finanziellen Probleme der Waldwirtschaft. Nicht alles Holz muss prinzipiell als Baustoff und Rohstoff für die Holzindustrie Verwendung finden», schreibt der Verein Holzenergie Schweiz.

Wird mehr Holz für Schnitzelheizungen genutzt, kann der Erlös des Holzes wieder steigen. Gleichzeitig sinkt der Aufwand für den Förster, da die Holzbereitstellung deutlich einfacher geworden ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass durch die Schnitzelheizung pro Laubbaum mehr Holz nutzbar ist, als wenn man ihn als Baustoff verkaufen würde, da auch ein Teil des Astmaterials vollwertig verwendet werden kann. «Im Vergleich zu den aktuellen Ölpreisen ist die Holzlösung sogar kostengünstiger. Es profitieren also beide Seiten ganz erheblich und haben darüber hinaus noch einen schönen Zusatznutzen», so der Verein Holzenergie Schweiz abschliessend.

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Jessica Nigg