Hilfe zur Selbsthilfe: Der Verein Shanti-Schweiz aus Buchs realisierte eine zweite Elektrikerschule in Bangladesch

Nach 13 Jahren konnte der Verein Shanti-Schweiz mit Sitz in Buchs in Bangladesch ein zweites Ausbildungszentrum einweihen. Erstmals werden auch Frauen als Elektriker-Lernende ausgebildet. Die Bilanz der bisherigen Tätigkeit des Hilfsvereins ist positiv.

Heidy Beyeler
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Die neue «Buchser» Elektrikerschule im Süden von Bangladesch.

Die neue «Buchser» Elektrikerschule im Süden von Bangladesch.

Bilder: PD

Gut zehn Jahre nach dem Bau der ersten Elektrikerschule im Norden von Bangladesch nahm der Verein Shanti-Schweiz ein neues Projekt an die Hand.

Mit Hilfe von Spendengeldern von Privaten und Unternehmen aus dem Werdenberg sowie in Kooperation mit einer in Bangladesch tätigen Nicht- Regierungs-Organisation konnte eine zweite Elektrikerschule in Paturia im Süden des Landes eröffnet werden. Private Mitglieder der Organisation stellten das Grundstück für diese Ausbildungsstätte zur Verfügung.

Erstmals vier Frauen als Lernende

Am 11. Januar 2020 wurde das zweite Ausbildungszentrum für Elektriker in Paturia, eine halbe Tagesreise westlich der Hauptstadt Dhaka eingeweiht, im Beisein von Shanti-Schweiz und dem Vorstand eines Vereins aus Bayern.

An der neuen Elektrikerschule werden erstmals auch vier Frauen ausgebildet.

An der neuen Elektrikerschule werden erstmals auch vier Frauen ausgebildet.

Auch in diesem Zentrum werden jeweils 25 Lehrlinge während zwei Jahren in Theorie und Praxis zusammen mit einheimischen Lehrkräften ausgebildet. Neu mit dabei sind auch vier junge Frauen, die das Elektrikerhandwerk erlernen werden.

Elektrifizierung ist noch immer stark ungenügend

Landesweit lag in Bangladesch, einem der ärmsten Länder der Welt mit rund 163 Millionen Einwohnern, die Elektrifizierung im Jahr 2012 bei lediglich etwa 50 Prozent. Trotz Fortschritten sind in den ländlichen Gebieten viele Haushalte nach wie vor ungenügend an das Stromnetz angeschlossen. Für den dringenden weiteren Ausbau der Stromversorgung sind Elektriker, die Shanti Schweiz ausbildet, unverzichtbar. (bey)

Beim Bau der zweiten Elektrikerschule, nach dem Beispiel des gelungenen Konzeptes der ersten Schule, trugen die Erfahrungen des Buchsers Jakob Schaub viel zum guten Gelingen bei. Angehende Elektriker und Elektrikerinnen geniessen in den beiden Schulen, wie in der Schweiz, das duale Ausbildungssystem mit Theorie und Praxis.

Der Buchser Jakob Schaub (blaues Poloshirt) mit Unterstützern aus der Schweiz, Deutschland und Bangladesch.

Der Buchser Jakob Schaub (blaues Poloshirt) mit Unterstützern aus der Schweiz, Deutschland und Bangladesch.

Bereits 120 Elektriker ausgebildet, alle fanden eine gute Anstellung

In den vergangenen 13 Jahren wurden in der ersten Schule bereits 120 Jugendliche als Elektriker ausgebildet. Sämtliche bisherigen Lehrabgänger haben in Bangladesch eine gut bezahlte Arbeitsstelle gefunden. Einige haben sich bereits selbständig gemacht und bieten ausgelernten Elektrikern auch Arbeitsplätze an.

Der Hauptlehrer der neuen Schule war vorgängig in der Industrie tätig, der Hilfslehrer ist selber Elektriker, und für den Informatikunterricht wurde eine Frau gewählt. Mit der Förderung der Frauen ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung gelungen.

Die Lehrlinge machen in ihrer Unterkunft Hausaufgaben.

Die Lehrlinge machen in ihrer Unterkunft Hausaufgaben.

Wenige Wochen nach der Einweihung der neuen Elektrikerschule herrschte weltweit aufgrund der Coronapandemie der Ausnahmezustand.

Schulen mussten wegen Covid-19 schliessen

Wegen der neuen Gefahrensituation musste Tobias Kaspar, Zivildienstleistender (Zivi) aus Bern, Ende März seinen Einsatz an der Schule in Paturia frühzeitig abbrechen. Nächstes Jahr sind zwei weitere Zivi-Einsätze geplant. Erst am 1. November durften die beiden Schulen den regulären Betrieb wieder aufnehmen. In der Zwischenzeit wurde der Lernstoff soweit möglich im Fernunterricht gelehrt.

Bei der Einweihung der neuen Elektrikerschule waren neben der einheimischen Prominenz (links) auch viele geladene junge Gäste anwesend.

Bei der Einweihung der neuen Elektrikerschule waren neben der einheimischen Prominenz (links) auch viele geladene junge Gäste anwesend.

Trotz der grossen Distanz von fast einer Tagesreise arbeiten die zwei Shanti-Schulen eng zusammen. «Die Kommunikation über Internet funktioniert auch in Bangladesch gut», bestätigt Jakob Schaub.

Shanti-Lehrlinge packen nach Überschwemmung an

Im Mai folgte die nächste Katastrophe. Ein starker Sturm mit grossen Überschwemmungen suchte die dicht besiedelten südlichen Regionen heim. Jakob Schaub berichtet:

«Die Lehrlinge der beiden Ausbildungsstätten übernahmen zusätzliche Aufgaben und brachten den bedürftigen Familien mehrmals Essenspakete. Dies konnte von Shanti-Schweiz, dank einem Spendenaufruf, finanziell unterstützt werden.»

Er erwähnt, dass auch der Staat sowie weitere Hilfsorganisationen, soweit es möglich ist, helfen.

Weitere Informationen: www.shanti-schweiz.ch. Spendenkonto: IBAN: CH81 8125 1000 0035 2883 0