Hilfe für Kinder und auch für Eltern durch echtes Spiel

Hier gibt es nützliche Tipps und Informationen für das freie und natürliche Spiel der Kinder im Alltag zu Hause. Gerade jetzt, wo die Präsenz der Kinder im Kindergarten und in der Schule nicht möglich ist.

Marie Luisa Nüesch
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Kinder brauchen wenig konventionelles Spielzeug, um den Spieldrang auszuleben.

Kinder brauchen wenig konventionelles Spielzeug, um den Spieldrang auszuleben.

Bild: Donato Caspari

Eltern sind nun stark gefordert um den Alltag mit kleinen Kindern zu Hause zu gestalten. Die neue Situation bringt Chancen, birgt aber auch Gefahren in sich.

Manche Eltern verausgaben sich mit einem fast pausenlosen Animationsprogramm. Das ist einfach zu anstrengend auf die Länge und tut weder Kindern noch Eltern gut.

Natürlicher Drang nach Bewegung staut sich an

Kleine Kinder sind unglaublich lebendig. Sie bewegen sich und spielen – das ist ihr eigentliches Lebenselement. Dafür haben sie heute meist zu wenig Raum und Zeit. Das freie Spiel ist an den Rand gedrängt worden. Es liegt im Trend, dass Eltern meinen, die Kinder beschäftigen und unterhalten zu müssen. Am bequemsten geschieht das durch die Fesselung an elektronische Geräte. Die Kinder sind gebannt und es ist dann wenigstens ruhig. Das ist sehr verführerisch.

Aber der natürliche Bewegungsdrang staut sich an und entlädt sich nachher umso explosiver, aggressiver oder aber es lähmt die Kinder.

Sie sind «angefixt» und verlangen dauernd nach Unterhaltung.

Gesunde Kinder spielen ohne Anleitung

Wie kann das selber erfundene Spiel wieder in Gang kommen und so verlaufen, dass es auch für Erwachsene eine Freude wäre, dabei zu sein? Eines ist heute fast in Vergessenheit geraten: Gesunde Kinder spielen, wenn sie ungestört sind, ununterbrochen von morgens bis abends und zwar ohne jede Anleitung!

In solch freiem, nicht vorgegebenem Spiel verarbeiten sie die täglichen Erlebnisse, ihre Konflikte, auch ihre Ängste. Es ist ihr angeborener Weg, gesund zu bleiben. Es ist ausserdem die beste Förderung überhaupt und übertrifft jedes von Erwachsenen ausgedachte Programm bei weitem. Dagegen ist auch jeder Bildschirm einfach nur flach!

Kinder brauchen wenig konventionelles Spielzeug

Für Kinder ab zirka drei bis sieben Jahren braucht es möglichst wenig konventionelles Spielzeug. Machen Sie gemeinsam mit den Kindern eine Aktion und räumen Sie das meiste «Zeug» in einen grossen Behälter, welcher vorübergehend wegkommt. Künden Sie das «Abenteuerland» an. Dazu braucht es Platz, Ruhe und Ungestörtheit.

Es braucht nur Grundmaterialien wie Tücher, Wäscheklammern, Seile, Kissen und «Baumaterial» wie Stühle, Tische, Besenstiele usw. Das Zauberwort ist: «Wir wären jetzt» zum Beispiel auf einem Schiff. Dann geht es los. Die eigenen Ideen der Kinder beginnen zu sprudeln.

Kleine Kinder bis zu drei Jahren «helfen» gerne

Für Kinder bis zu drei Jahren: Sobald Kinder sicher selber gehen können, sind sie tätig unterwegs. Sie «helfen» gerne. Sie räumen mit Vorliebe ein und aus, füllen ein und leeren aus, sie «putzen» und «kochen». Ermöglichen Sie den kleinen Helfern vielerlei «Arbeiten». Zelebrieren Sie selber ganz bewusst notwendige Haushaltsarbeiten wie Aufräumen, Putzen, Kochen oder Bügeln auf eine ganz neue Weise: mit Ruhe, Präsenz und Liebe. Sie werden staunen, was das bei Ihnen selbst und bei den Kindern auslöst!

Kinder wollen Arbeiten frei nachahmen. Es ist kontraproduktiv, sie zu «bespielen». Sie wollen echtes Tun freudig nachahmen.

Sie können aus dieser Atmosphäre heraus dann unvermittelt vom «Schaffen» ins Spiel finden und oft stundenlang verweilen. Verkneifen Sie es sich, dieses Spiel auch nur irgendwie zu stören – auch sich selbst zuliebe. Geniessen Sie es!

Der Quell des Spielens versiegt nie

Nichts ist schöner zu erleben als Kinder, die völlig ins Spiel vertieft sind. Sie sind im Flow. Solche Spiele können sich besonders ab vier Jahren über Tage hinziehen. Die Kinder bleiben bei einem Thema dran. Die Erwachsenen können sich entspannen und es braucht absolut kein Unterhaltungsprogramm. Die jetzige Krise ist eine grosse Chance für die Kinder, wieder Zeit fürs freie, selbst erfundene Spiel zu haben. In Zeiten der Angst ist es für sie doppelt wichtig für die Verarbeitung. Nutzen Sie diese Zeit, um Ihre Kinder wieder mit ihrer eigentlichen Kindheit zu verbinden. Sie steckt niemals in einem elektronischen Gerät!

Fähigkeit zum freies Spielen kann nicht versiegen

Die natürlichen Elemente ermöglichen den Kindern freies Spiel.

Die natürlichen Elemente ermöglichen den Kindern freies Spiel.

Bild: Donato Caspari

Sind sie überzeugt, dass Ihre Kinder leider nicht fähig sind, auf diese Weise zu spielen? Da dieses Spiel aus einem, jedem Menschen innewohnenden, inneren Quell entspringt, kann es gar nicht versiegen. Die Quelle kann zwar vermauert sein, aber sie ist immer da. Sie beginnt wieder zu sprudeln, wenn sie darf!

Wenn es zu Hause vorerst nicht gelingen sollte, suchen Sie einen Platz in der Natur auf, wenn dies wieder möglich sein wird.

Am Rhein gibt es wunderschöne Stellen, wo alle vier Elemente – Wasser, Erde (Sand und jede Menge Steine) Luft und Feuer (aus Schwemmholz) – anzutreffen sind. Sie ermöglichen freies Spiel in schönster, vielfältiger Weise. Die Kinder verbinden sich ganz mit der Umgebung. Hier fühlen sie sich aufgehoben als Kinder der Natur. Die Natur spielt immer.

Literatur: «Spiel aus der Tiefe» – über die Fähigkeit der Kinder, sich gesund zu spielen.