Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Herrensitz, Rathaus, Architekturperle

«Das Rote Haus in Azmoos soll unser Rathaus werden», entschied die Wartauer Bürgerversammlung heute vor genau 100 Jahren. Grund genug für eine Rückschau: Heute aus Sicht des Historikers, nächsten Samstag aus Sicht ehemaliger und heutiger Gemeindeangestellter.
Peter Müller
Der Innenausbau im Rathaus in Azmoos ist noch mehrheitlich original erhalten. (Bild Peter Schulthess/photoimage.ch)

Der Innenausbau im Rathaus in Azmoos ist noch mehrheitlich original erhalten. (Bild Peter Schulthess/photoimage.ch)

Man kann es sich kaum vorstellen: Die Gemeinde Wartau entstand 1798 durch den Zusammenschluss mehrerer Dörfer, hatte aber lange Jahre kein Rathaus, und auch die Ortsgemeinde Wartau hatte kein eigenes Büro. Als Büro und Sitzungszimmer dienten Räumlichkeiten im Wohnhaus der jeweiligen Amtsinhaber. Die Akten wurden ebenfalls dort aufbewahrt, in Truhen oder Schachteln.

83500 Franken für ein Rathaus

Um 1900 ist in den Akten der Politischen Gemeinde dann von einer Gemeinderatskanzlei und einem Gemeindeamt die Rede. Man empfand die Situation aber immer noch als unbefriedigend. Schon 1912 wurde der Kauf des ehemaligen Sulser’schen Gebäudes in Azmoos diskutiert. Das Haus mit der markant roten Fassade würde sich für diese Nutzung hervorragend eignen, fand der St. Galler Kantonsbaumeister. Aber erst 1918 legten die Behörden den Wartauern ein entsprechendes Projekt zur Abstimmung vor. Am 26. Mai 1918 stimmte die Bürgerversammlung zu, das Gebäude wurde für 83 500 Franken gekauft. Nicht ganz ein Viertel davon, 20000 Franken, übernahm die Ortsgemeinde. Sie erhielt dafür gratis ein Büro und verpflichtete sich, dieses Büro auf eigene Kosten einzurichten und instandzuhalten. Dazu kam die Mitbenutzung des Gemeindearchivs – hier teilten sich die beiden Partner die Einrichtungskosten.

Lob vom Denkmalpfleger

Das Rathaus Azmoos ist eine Perle. «Es gilt als eines der schönsten Rathäuser in unserem Kanton», schreibt Denkmalpfleger Pierre Hatz in der Dokumentation «Denkmalpflege und Archäologie im Kanton St. Gallen 2004–2008». Das Rathaus Azmoos ist hier auf zwei Seiten präsent. Grund ist die Fassaden-Restaurierung von 2005/2006. Nötig geworden war sie wegen abblätternder Farbe und stellenweise losem Putz. Die richtige Farbgebung gab viel zu diskutieren. Schliesslich entschied man sich für eine Lösung, die weder so hell ist wie zur Bauzeit noch so dunkel wie vor der Restaurierung.

«Seit rund 200 Jahren präsentiert sich das Gebäude kontinuierlich in einem Rotton, der sich bei Erneuerungen jedoch immer intensivierte, während die Farbe der Fenster, Läden und Pilaster immer heller wurden», schreibt Pierre Hatz. «Dadurch entstand ein stärkerer Kontrast und das Haus büsste trotz Beibehaltung des Grundkonzepts allmählich seine feine klassizistische Grundnote ein.» Untersuchungen zeigten, dass die Fassade nach dem Bau mindestens fünfmal renoviert worden ist – zuletzt 1933 und 1959.

Viel bietet aber auch das Innere des Roten Hauses. «Die Gebäudestruktur ist noch grösstenteils original erhalten und der Innenausbau mehrheitlich», schreibt Pierre Hatz. «Die überwölbten Räume im Erdgeschoss, die Treppenanlage sowie die mehrheitlich in Nussholz gefertigten Türen sind gewissermassen die Qualitätsmerkmale des Gebäudes.» Allerdings: Wartau ist nicht die einzige st. gallische Gemeinde mit einem herrschaftlichen historischen Gebäude als Rathaus. Weitere Beispiele sind Sargans (Haus der Beamtenfamilie Gallati) und Rorschach (Haus der Kaufmannsfamilie von Bayer).

Mehr dazu in der gedruckten W&O-Ausgabe vom Samstag, 26. Mai.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.