Der Helikopter fliegt Käferholz aus dem Grabser Schutzwald

Die Forstgemeinschaft Grabus kämpft gegen die Massenvermehrung von Fichtenborkenkäfern an. Dabei werden Prioritäten gesetzt.

Heini Schwendener
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Der K-Max-Helikopter mit einem Hebevermögen von 2,7 Tonnen flog am Freitag die gefällten Fichten aus dem Schutzwald. (Bild: Heini Schwendener)

Der K-Max-Helikopter mit einem Hebevermögen von 2,7 Tonnen flog am Freitag die gefällten Fichten aus dem Schutzwald. (Bild: Heini Schwendener)

Blickt man auf den Bergwald, sind vielerorts schon etliche Fichten mit rot-braunen Nadeln auszumachen. Sie sind Opfer des Fichtenborkenkäfers. Dieser vermehrt sich derzeit massenhaft, als Folge des vielen Sturmholzes nach Burglind im Januar 2018 und des anschliessenden heissen und sehr trockenen Sommers.

Die Forstgemeinschaft Grabus der Ortsgemeinden Grabs, Buchs und Sevelen kämpft seit einer Woche mit allen Mitteln dagegen an, dass sich der Fichtenborkenkäfer noch weiter ausbreiten kann.

Aus Wald entfernen und brutuntauglich machen

Bei den sensiblen Gebieten Schweindiwegwald in Grabs sowie in der Nähe der Voralp wurden bei Kontrollgängen viel Käferholz gesichtet. Die Bäume wurden markiert und vor einer Woche begannen die Grabus-Leute mit dem Fällen von rund 150 Fichten im Schutzwald. Diese mussten danach so schnell wie möglich aus dem Wald entfernt und brutuntauglich gemacht werden. Am Freitag flog dafür die Rotex Helicopter AG Dutzende von Rotationen. Sieben Leute der Rotex, die in Balzers ihren Hauptsitz hat, sorgten mit der Unterstützung von Forstprofis der Grabus dafür, dass der K-Max-Helikopter mit einem Hebevermögen von 2,7 Tonnen nonstop fliegen konnte. Denn wenn ein Heli im Einsatz ist, hat die Redewendung «Zeit ist Geld» eine ganz besondere Bedeutung.

Der gelernte Forstwart Nico Zogg ist Flughelfer.
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Der gelernte Forstwart Nico Zogg ist Flughelfer.
Der gelernte Forstwart Nico Zogg ist Flughelfer.
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Der gelernte Forstwart Nico Zogg ist Flughelfer.
Der gelernte Forstwart Nico Zogg ist Flughelfer.

Der gelernte Forstwart Nico Zogg ist Flughelfer.

Bis zu drei Baumstämme transportierte der Helikopter mit einer Rotation aus dem steilen und unwegsamen Schutzwald bis zum Holzsammelplatz. Dort wurden sie sogleich aufgestapelt für den späteren problemlosen Abtransport per Lastwagen. Schon bald verschwinden die Fichtenstämme aus dem Wald und werden in einer lokalen Sägerei weiterverarbeitet.

Für Andreas Eggenberger hat diese Arbeit absolute Priorität, wenn man nicht riskieren wolle, dass der Schutzwald in seiner Funktion durch den Fichtenborkenkäfer beeinträchtigt werde. Der Grabus-Betriebsleiter sagt: «Dieses Käferholz ist ausserdem noch verwertbar.» Der Holzpreis sei zwar tief und der Abtransport per Heli teuer, eine Alternative gebe es aber nicht.

«Das Holz muss raus, bevor der nächste Käferflug beginnt. Aber klar, das ist eine teure Holzerei»

So kommentiert Andreas Eggenberger die Situation. Grabus kann dabei auf Beiträge aus der Schutzwaldpflege zählen. Letztlich jedoch werde diese ganze Borkenkäferbekämpfung Grabus mehr kosten, als mit dem Holz zu verdienen sein werde, sagt der Betriebsleiter.

Die 150 gefällten Fichten wurde am Freitag aus dem Wald geflogen. Der Kampf gegen die Borkenkäfer wird aber auch noch die nächsten Wochen andauern. Die Fichten, die dann im Grabser Wald gefällt werden, ziehen die Grabus-Mitarbeiter aber mit Schleppern aus dem Wald. Oder aber es wird bei vereinzelt gefällten Bäumen die zweite Massnahme zur Bekämpfung des Fichtenborkenkäfers angewandt: Die gefällten Bäume werden entrindet und liegen gelassen. Durch diese Massnahme geht die Brut kaputt.

Die eingangs erwähnten Fichten, deren Nadeln sich wegen des Borkenkäfers bereits rot-braun verfärbt haben, werden von der Forstgemeindschaft nicht aus dem Wald geholt. Das wäre zu aufwendig. Diese dürren Fichten sterben einfach mit der Zeit ganz ab.

Nach Sturm und Trockensommer freute sich der Borkenkäfer

Wegen des extrem trockenen Sommers 2018 und als Folge der teils grossen Schäden nach dem Sturm «Burglind» von Anfang des letzten Jahres hat sich der Borkenkäfer auch in der W&O-Region stark verbreitet. Die Waldbewirtschafter verzichten weitgehend auf die winterlichen Holzschläge, weil die Holzlager  voll sind.
Thomas Schwizer