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In Grabs entsteht ein Gebäude mit Wänden aus Strohballen

Am Dorfrand von Grabs entsteht zurzeit ein innovatives Gebäude aus Stroh und Lehm.
Katharina Rutz
Die vorgefertigten Strohelemente werden mit dem Kran platziert. (Bild: PD)Die vorgefertigten Strohelemente werden mit dem Kran platziert. (Bild: PD)
Ein gutes Team: (von links) Lukas Gantenbein, Projektleiter Holzbau, Marie Luisa Nüesch, Stiftungsrätin, und Jan Schmid, Architekt. (Bild: Katharina Rutz)Ein gutes Team: (von links) Lukas Gantenbein, Projektleiter Holzbau, Marie Luisa Nüesch, Stiftungsrätin, und Jan Schmid, Architekt. (Bild: Katharina Rutz)
Für die Wandelemente werden in die Rahmen aus Brettschichtholz Kleinballen aus Stroh gepresst. (Bild: PD)Für die Wandelemente werden in die Rahmen aus Brettschichtholz Kleinballen aus Stroh gepresst. (Bild: PD)
Domenic Penger (links) und Patrick Iten beim Elementbau. (Bild: PD)Domenic Penger (links) und Patrick Iten beim Elementbau. (Bild: PD)
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Hauswände aus Strohballen

Das «Storchennest» wird im wahrsten Sinne des Wortes ein Nest, eins aus Stroh und Holz und Lehm. Es wird das neue Zentrum des Vereins Spielraum-Lebensraum, der das Gebäude mieten wird. Finanziert wird der 3,3 Millionen teure Bau über die gleichnamige Stiftung.

Dies wird laut der Stiftunsräte Heinz und Maria Luisa Nüesch das erste Gebäude der Schweiz, dessen Architektur speziell auf Kleinkinder ausgerichtet ist. Nicht nur die Architektur ist einzigartig, sondern auch die Bauweise. Noch nie wurde in der Gegend mit Strohballen und Lehm gebaut.

Unschlagbare Ökobilanz

Stroh fällt jährlich bei der Produktion von Getreide an. Es wird als Streue für Tiere verwendet oder ganz einfach wieder untergepflügt. Dabei können aus den ganz normalen Kleinstrohballen, Holz und Lehm Häuser gebaut werden. Häuser, die laut Baufachleuten eine unschlagbare Ökobilanz aufweisen und ein ausgezeichnetes Raumklima bei geringer Technisierung bieten.

Diese Vorzüge passten auch zu den Ideen und Wünschen von Heinz Nüesch, Stiftungsratspräsident, und seiner Frau Maria Luisa, Stiftungsrätin und Pädagogische Leiterin des Vereins Spielraum-Lebensraum. Der Verein betreibt Eltern-Kind-Gruppen und eine Halbtagesstätte nach Pikler-Pädagogik.

Für das Bauprojekt konnte der junge Grabser Architekt Jan Schmid gewonnen werden, der seine Ideen sowohl an die Bedürfnisse der Kinder als auch an die technischen Vorgaben der Holz-Stroh-Bauweise anpasst. Die Wandelemente aus Stroh fertigt die Grabser Firma A. Gantenbein Holzbau AG unter der Federführung von Lukas Gantenbein. Da sich die beiden schon seit längerem kennen, kam das gemeinsame innovative Projekt für sie wie gerufen. Planungszeit hat dieses Frühjahr die Bauphase begonnen. Der Bezug ist für März 2020 geplant.

Moderne Bauweise mit vorgefertigten Elementen

Letzte Woche konnte mit dem Aufrichten der Holz-Stroh-Elemente begonnen werden. Die Basis bilden ganz normale Kleinballen aus Stroh. Sie werden in Rahmen aus Brettschichtholz gepresst. Die Masse der Rahmen und somit auch die Masse der Räume werden an die Grösse der Strohballen angepasst. Die A. Gantenbein Holzbau AG fertigt die Elemente in der Werkstatt vor. Mittels Kran werden sie dann an ihren Bestimmungsort gehievt. Gebaut werden kann nur bei schönem Wetter, da diese Bauweise keine Feuchtigkeit erträgt. Über diese Strohwände wird innen eine Holzplatte angebracht, bevor die Wände mit Lehm verputzt werden. Die Aussenwände bestehen aus verschiedenen Schichten von Lehm und Kalk. Für den Lehmbau wird die Firma Matt aus Ruggell verantwortlich sein.

Vor Mäusen in den Wänden müssen sich die künftigen Bewohner übrigens trotz des Strohs nicht fürchten. «Die Wände werden durch den Verputz hermetisch abgeriegelt», erklärt Lukas Gantenbein, Projektleiter Holzbau. Diese Bauweise entspricht einem «diffusionsoffenen» Wandaufbau.

«Das heisst, die Wände regulieren den Wasserdampf, welcher in einem Gebäude unweigerlich entsteht, ohne dass eine technische Raumlüftung nötig wird.»

Schimmel wird es in so einem Gebäude nicht geben. Die Stiftungsrätin Maria Luisa Nüesch verspricht sich ein sehr gesundes und geborgenes Raumklima.

Die Wände aus Stroh regulieren den Wasserdampf im innern des Gebäudes. (Bild: Katharina Rutz)

Die Wände aus Stroh regulieren den Wasserdampf im innern des Gebäudes. (Bild: Katharina Rutz)

Vereint in der Liebe zum Detail

Alle Beteiligten bei diesem Neubau achten sehr auf die Details. Maria Luisa Nüesch beispielsweise legt grossen Wert darauf, dass die von ihr vertretene Pädagogik in diesem Gebäude gelebt werden kann.

Für den Architekten Jan Schmid sind unter anderem die Achsen wichtig, auf denen die Räume angelegt sind. So weisen alle wichtigen Räume eine schöne Aussicht auf die unverbaubare Landschaft der Region aus und beziehen auch die Gartenanlage mit ein. Für den Holzbaufachmann Lukas Gantenbein wiederum zählen zum Beispiel die Erdbebensicherheit und der Brandschutz.d

«Die Normen müssen eingehalten werden, um eine Baubewilligung zu erhalten.»

«Wir führten sehr gute Diskussionen», beschreibt Jan Schmid. «Ausserdem profitierten wir vom Mut und von der Gelassenheit der Bauherrschaft.» Ihre «jugendliche Unverfrorenheit» habe ihnen ebenfalls geholfen. «Das Klima auf dieser Baustelle ist sehr positiv», betont Lukas Gantenbein. Vom Druck, der auf anderen Baustellen herrsche, spüre man hier nichts.

Da es sich beim Stroh um einen nachwachsenden Rohstoff handelt, sieht Lukas Gantenbein für diese Bauweise eine Zukunft in der Region.

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