Harfenistin Julia Steinhauser aus Gams: Der Weg ist das Ziel

Der Besuch einer Instrumentenvorstellung der Musikschule Werdenberg war für die Gamserin Julia Steinhauser ein Schlüsselerlebnis und führte sie zur Harfe und damit zu ihrem beruflichen Ziel.

Heidy Beyeler
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«Man muss selbst viel tun, um das gesteckte Ziel zu erreichen», ist sich Julia Steinhauser bewusst.

«Man muss selbst viel tun, um das gesteckte Ziel zu erreichen», ist sich Julia Steinhauser bewusst.


Bild: Nik Roth

Die Liebe zur Harfe entfaltete sich für Julia Steinbauer ganz banal. Sie war gerade mal acht Jahre jung und besuchte in Gams die 2. Klasse, als sie mit ihren Eltern die Instrumentenvorstellung der Musikschule Werdenberg besuchte.

«Eigentlich wollte ich gar nicht hingehen. Ich ‹wusste›, dass ich Klavier spielen werde, da bereits ein Klavier vorhanden war, auf dem meine Mutter spielt.» Trotzdem liess sich Julia überreden und ging mit den Eltern zur Instrumentenausstellung.

Mit elf Jahren auf die grosse Harfe gewechselt

Und siehe da: Julia entschied sich nicht für das Klavier, sondern für die Harfe. Darüber waren ihre Eltern erstaunt und überrascht, schluckten leer und dachten wohl: «Dann eben Harfe.» Ihre Mutter Rebekka Steinhauser spielt weiterhin Klavier und Vater Johannes bleibt bei seiner Gitarre. Zudem wurde im Haus Steinhauser schon immer viel gesungen.

Schon mit elf Jahren wechselte die junge Harfenistin auf die grosse Harfe

Schon mit elf Jahren wechselte die junge Harfenistin auf die grosse Harfe


In der Folge besuchte Julia Steinhauser während sechs Jahren die Musikschule Werdenberg, wo sie ihre ersten Schritte mit einer keltischen Harfe wagte. «Ich muss sagen, dass ich die ersten ein, zwei Jahre durchschnittlich nicht mehr viel geübt habe.» Schon im Alter von elf Jahren wechselte sie auf die grosse Harfe. «Ich hatte Glück, weil ich damals schon recht gross gewachsen war.» Neben dem Musizieren verbrachte sie ihre Freizeit mit Tanzen, Turnen und Leichtathletik.

«Wir putschten uns im positiven Sinne so richtig auf.»

Zwei Jahre später nahm sie erstmals am Musiklager für Harfe im Tessin teil. Dabei muss wohl die Liebe zur Harfe erstarkt sein. Das Instrument gewann im Leben der heranwachsenden Julia stark an Bedeutung. Das dürfte wohl dazu beigetragen haben, den Ehrgeiz für eine Musikkarriere zu verfolgen. Im Lager fand sie Freundinnen und Freunde, die das gleiche Interesse an der Harfenmusik hatten wie sie. «Wir putschten uns im positiven Sinne so richtig auf.»

Früher, in der Musikschule, habe sie sich irgendwie allein gefühlt. Manchmal fehlte ihr der notwendige Antrieb für das Musizieren.

«Im Lager hatte ich meine Freunde und eine hervorragende Lehrerin, und so ging ich jedes Jahr gerne ins Musiklager.»

Inzwischen leitet Julia Steinhauser zusammen mit Alexandra Horat (Musiklehrerin an den Musikschulen Pfannenstiel und Uster-Greifensee) das Musiklager für Harfe seit fast vier Jahren. Es findet jeweils im Juli/August am Bielersee statt. In den Musiklagern wird während einer Woche intensiv an verschiedenen Kammermusikstücken geprobt. «Dort studieren wir Duo- bis Ensembleliteratur quer durch alle Musikstile ein (Klassik, Volksmusik, Jazz und Filmmusik).»

Die Musiklager haben dazu geführt, dass für Julia Steinhauser das Harfenspiel in den Mittelpunkt ihres Lebens rückte. Das Üben fiel ihr leicht. Sie brauchte keinen Druck von ihren Eltern.

Die ersten Preise als Auszeichnung

Der Druck manifestierte sich eher an Wettbewerben, an denen sie teilnahm. Diese waren für sie wirklich Motivation pur. Dazu kam der Schweizerische Jugendmusikwettbewerb (SJMW), bei dem die Teilnahme jedes Mal eine Herausforderung bedeutete. Bei gutem Gelingen war die Freude immens gross.

Julia Steinhauser (rechts) hat mit Ellinor Wyss am Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb 2012 als Duo den ersten Preis gewonnen.

Julia Steinhauser (rechts) hat mit Ellinor Wyss am Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb 2012 als Duo den ersten Preis gewonnen.

Bild: Romano Cuonz

Bereits mit zwölf Jahren nahm Julia Steinhauser an den ersten Wettbewerben teil. Dabei wurde ihre Begabung als Harfenistin offensichtlich. Das führte wohl auch dazu, dass sie schon bald mit dem Gedanken spielte, Musikerin zu werden.

Zwei Jahre später durfte sie am SJMW bereits den 1. Preis im Duo, sowohl bei der Entrada wie auch im Finale, entgegennehmen. Weitere Preise folgten und zeichneten sie definitiv als ausgezeichnete Harfenistin aus. Im gleichen Jahr wurde sie auch mit Sonderpreisen ausgezeichnet: Beim Auftritt am Preisträgerkonzert auf Schloss Werdenberg und am Arosa Musikfestival.

Glücksmomente lösten eine Welle von Motivation aus

Es waren Glücksmomente, die bei der jungen Gamserin eine Welle an Motivation auslöste. Ein weiteres Jahr danach fielen die Würfel in ihrer berufliche Zukunft. Ihr Leben soll mit Harfenspielen ausgefüllt sein, befand Julia Steinhauser. Sie entschied sich für den Bildungsweg an der Kantonsschule Heerbrugg – mit Schwerpunktfach Musik.

Mit ihrer Maturaarbeit zum Thema «Die Harfe in Europa – 1000 Jahre Musikgeschichte rund um ein Instrument», das in Buchform erschien, schloss sie die Kantonsschule 2017 mit der Bestnote erfolgreich ab. Das Buch ist als Ergänzung zum Harfenunterricht gedacht und verfolgt das pädagogische Ziel, Harfenschülern die Geschichte der Musik und diejenige ihres eigenen Instrumentes näher zu bringen und so ihr Interesse zu wecken.

Damals besuchte Julia Steinhauser parallel schon die Musikhochschule Luzern für Harfe und nahm Klavierunterricht an der Kantonsschule Heerbrugg. Und sie sagt recht selbstbewusst:

«Ich übe vor allem für das Ziel, das ich mir gesetzt habe, und nicht einfach dafür, Gefallen daran zu finden.»

Wenn das Ziel feststeht, bleibe sie dran, betont sie in einem Nachsatz. «Im Musiklager habe ich die grosse Freude an der Kammermusik gefunden – gemeinsam mit sehr guten Freunden, zu denen ich heute noch Kontakt habe», freut sich Julia Steinhauser.

Schwerer Weg für Harfenistinnen

«Die Harfe ist sehr vielseitig einsetzbar, ob solistisch, in der Kammermusik oder im Orchester. Und sie klingt auch ohne weitere Begleitung ganz schön orchestral», stellt Julia Steinhauser fest. Auch wenn das Instrument selber doch sehr sperrig ist.

«Oft mussten mich die Eltern irgendwohin führen, wenn ich einen öffentlichen Auftritt auf der Bühne hatte.» Gemeinschaftsfahrten sind nicht möglich. Der einzige Nachteil der Harfe zeige sich aber nur in Bezug auf den Transport, stellt die Harfenistin mit einem Schmunzeln fest.

Der Bachelor steht vor der Tür

Seit dem Maturaabschluss studiert Julia Steinhauser an der Musikhochschule Luzern, wo sie im Sommer ihren Bachelor abschliessen und dann gleich den Master in Angriff nehmen wird. Das Studium gefällt ihr sehr gut. «Auf dem Niveau einer Hochschule ist die eigene Motivation das Wichtigste, die zusammen mit intensiver Arbeit zum Erfolg führt.»

Die eigene Motivation ist das wichtigste und führt zusammen mit intensiver Arbeit zum Erfolg.

Die eigene Motivation ist das wichtigste und führt zusammen mit intensiver Arbeit zum Erfolg.

Es reiche nicht, einen guten Dozenten oder eine gute Dozentin an seiner Seite zu wissen. «Selbstverständlich können sie die Motivation fördern oder eben nicht. Als Studentin ist man jedoch nicht grundsätzlich gut, nur weil man einen guten Dozenten hat», betont Julia Steinhauser. Will heissen: Sie weiss, dass man selbst viel tun muss, um das gesetzte Ziel zu erreichen.

Zudem ist Julia Steinhauser musikpädagogisch tätig und unterrichtet an der Musikschule Werdenberg sowie an der Musikschule Pfannenstiel. Sie spielt auch gerne in Orchestern mit. Fix in einem Orchester angestellt zu sein, müsse man sich schon überlegen. Denn je nach Orchester könne man unter sehr starkem Leistungsdruck stehen.

Unterrichten und an Konzerten mitwirken

Für ihre berufliche Zukunft stellt sie sich vor, weiter zu unterrichten und bei Konzerten mitzuwirken. «Highlights sind für mich natürlich Konzerte wie zum Beispiel Ravels Introduction et Allegro, wo ich als Solistin im KKL in Luzern auftreten durfte.» Auf weitere solch wertvolle Erfahrungen und Erlebnisse freut sie sich.

Hat sie keine berufliche Existenzangst? «Nein. Mit unterrichten wird man zwar nicht gerade reich. Aber ich mache das sehr gerne. Die Höhepunkte für sie sind aber zweifellos Auftritte vor Publikum, sei es solo, in Kammermusik- und Orchesterformationen. «Das ist für mich sehr wichtig, und darüber freue ich mich immer wieder von Neuem.»