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Hans Heeb aus Sax ist ein Apfelsaft-Profi

Der 86-Jährige kennt es nicht anders: Seit dem Jahr 1934 wird bei Hans Heeb zu Hause am Rofisbach in Sax jeden Herbst gemostet.
Andrea Müntener-Zehnder
Hans Heeb ist in seiner Mosti im Element. (Bilder Beat Belser)

Hans Heeb ist in seiner Mosti im Element. (Bilder Beat Belser)

Die üppige Apfelernte lässt Hans Heeb den vereinbarten Zeitungstermin vergessen. So trifft ihn der W&O am frühen Vormittag nicht wie erwartet in der Mosterei, sondern bereits hinter seinem Haus bei den eigenen Obstbäumen. Sofort lässt er alles stehen und setzt sich an den rustikalen Holztisch. «Heuer haben wir eine grosszügige Ernte, das merkt man an der zahlreichen Mosti-Kundschaft,» erzählt Hans Heeb im Schatten seiner Laube. Unweit davon entfernt erbaute sein Vater im Jahr 1934, der kleine Hans war kaum zwei Jahre alt, in den Stall der Grosseltern eine Mosterei. Damals bestand die Mosti, wie die Mosterei im Hause Heeb seit jeher genannt wird, aus einer Korbpresse. Zwar war sie bereits elektrisch betrieben, doch bei dieser Korbpresse fiel zusätzlich einiges an Handarbeit an. Um den Kundenbedürfnissen gerecht zu werden, wurde elf Jahre später die Korbpresse durch eine vollautomatische Packpresse ersetzt.

Lehre als Dachdecker

Die diversen Maschinen und Motoren im Allgemeinen und auch die der Mosti haben Hans Heeb schon seit eh und je interessiert. Gerne hätte er einen handwerklichen Beruf in diese Fachrichtung ergriffen. «Zum Bühler in Uzwil wäre ich liebend gerne in die Lehre. Mein Vater war Dachdecker, und dieser hat so lange auf mich eingeredet, dass ich schliesslich nachgab und auch eine Lehre als Dachdecker absolvierte», weiss Hans Heeb zu berichten. Im Alter von 17 Jahren verloren Hans Heeb und seine fünf jüngeren Geschwister ihren Vater. Ihre Mutter führte nebst dem strengen Alltag als Witwe die Mosti mit Hilfe der sechs Kinder, Verwandten und Nachbarn so gut es ging weiter. «Von überall her erhielten wir Unterstützung. Alle halfen mit, wir hatten ja sowieso keine andere Wahl. Wenn ich ehrlich bin, machte mir die Arbeit in der Mosti auch Spass», berichtet er mit den Gedanken wohl in dieser schweren Zeit. Nach dem Besuch der Rekrutenschule entschloss sich der junge Mann zur beruflichen Selbstständigkeit.

Hans Heeb wird in der Mosterei von seinem Bruder Robert unterstützt.

Hans Heeb wird in der Mosterei von seinem Bruder Robert unterstützt.

«Mein erster Auftrag war der Umbau des Realschulhauses in Frümsen. Dank dieses Schulhausdaches nahm alles seinen Lauf.» Mit nur 25 Jahren folgte bereits die Meisterprüfung zum Dachdeckermeister. Ein paar Jahre später baute Hans Heeb zusammen mit seiner Frau Helga beim Stall mit der Mosti neben seinem Elternhaus sein eigenes Heim. Gleichzeitig übernahm er vollumfänglich die Mosti und integrierte sie in sein neues Haus. «Die Mosti gebe ich keinesfalls auf, sagte ich damals zu meiner Frau. Wer weiss, ob die Dachdeckerei immer Bestand hat? So hatte ich zwei Standbeine.» Auch er konnte immer, wie bereits seine Mutter, auf die Mithilfe seiner Familie zählen.

Der Bruder und dessen Sohn helfen mit

Heute stehen ihm vor allem sein Bruder Robert, ebenfalls ein gemütlicher Rentner, und dessen Sohn Hans tatkräftig zur Seite und bewältigen grosse Teile der Arbeit in der Mosterei. Es wird immer weniger Im Jahr 1995 investierte Hans Heeb nochmals in seine Mosterei. Die in die Jahre gekommene Packpresse wurde durch eine moderne Bandpresse – welche noch heute im Einsatz ist – ersetzt. Wenn diese in Betrieb ist, riecht man es bis an die Strasse: Der süssliche Duft von frisch gepresstem Apfelsaft liegt in der Luft. Im Vergleich zu früher werden tendenziell viel weniger Äpfel (oder Birnen) zu Most verarbeitet. «Klar, magere Jahre gab es immer wieder zwischendurch, nicht nur letztes Jahr, als es einen erneuten Frosteinbruch gab, als die Bäume bereits in voller Blüte standen», erinnert sich Mosti Heeb.

Die diesjährige Apfelernte fällt üppig aus.

Die diesjährige Apfelernte fällt üppig aus.

Es wird einfach auch weniger Most getrunken, vor allem der saure, alkoholhaltige Most. Dafür wünscht sich die Kundschaft umso mehr alkoholfreien Süssmost. Dieser wird mittels Pasteurisation haltbar ­gemacht. Im vergangen Jahr hat Hans Heeb mit seiner Mosti lediglich 14 Tonnen Obst zu rund 10000 Litern Most verarbeitet. Als Vergleich dazu: Die Jahre davor produzierte die Mosti im Durchschnitt 60000 Liter Most pro Saison. «Heuer wird es um ein Vielfaches ansteigen, im Vergleich zum letzten Jahr. Bis jetzt haben wir bereits 45000 Liter Most gepresst, und die Saison ist noch nicht vorbei. Dieses Jahr kommen auch wieder vereinzelte Kunden, die ich nur alle paar Jahre sehe, eben nur in den ausgesprochen guten Erntejahren.» Aber so passt das für Hans Heeb und sein familiäres Team.

Kontakte zu vielen Leuten

Die körperliche Arbeit in der Mosti ist trotz Hilfsmitteln nicht zu unterschätzen. Auch die Hygiene hat einen grossen Bestand im Betrieb. Immer wieder muss die Mosti gespült und gereinigt werden. Am Mosti-Leben gefällt ihm der direkte Kontakt mit den Leuten, den hiesigen Bauern, Familienvätern oder ebenfalls Pensionisten, am besten. «Das ist richtig schön, wenn es läuft und Leute kommen und gehen, fast wie am Bahnhof. Hier ein Schwätzchen und dort ein Gruss», strahlt Hans Heeb. Und wohl am allermeisten gefällt es ihm, wenn eine Schulklasse aus Sax oder Frümsen seine Mosti besucht. Da kommt er ins Schwärmen: «Wenn ich den kleinen Primarschülern meine Mosti zeigen und erklären kann, freue ich mich jedes Mal. Die Kinder sind immer sehr interessiert und wissbegierig, sie lassen mich an meine eigene Kindheit erinnern.» Und wenn ihn im Anschluss herzige Dankesbriefchen mit Zeichnungen der Schüler erreichen, freut er sich erneut. Alle diese Briefe hat er als Erinnerung fein säuberlich in einem Ordner abgelegt.

Abgelegt hat er auch die geschriebenen Rechnungskopien. Das Schreiben dieser Rechnungen macht ihm kein bisschen so viel Freude wie der Besuch der Schüler. «Meist schreibe ich die Rechnungen sonntags. Das habe ich schon früher so gehandhabt, in den Zeiten der Dachdeckerei. Sonntags wurde auf keinem Dach gear­beitet, und sonntags steht auch die Mosti still. Da habe ich Zeit für Büroarbeiten. Aber eigentlich ist es meine unliebste Arbeit an der ganzen Mosterei.» Von Mitte August bis Mitte November presst die Mosti in Sax für Obstbauern und Privatpersonen aus der Region Obst. Dieses Jahr startete er damit durch den grossartigen Sommer rund zwei Wochen früher als gewohnt.

Mosti, Musik und Motorfliegerei

In der Freizeit des Saxers spielten «drei M» eine grosse Rolle: Nebst dem M für Mosti waren dies das M für die Musik und das M für die Motorfliegerei. 50 Jahre lange machte Hans Heeb Musik. Er spielte Flügelhorn und es-Horn bei den Musikgesellschaften Sax und Buchs. Heute juckt es ihn immer wieder in den Fingern, wenn er Blasmusik hört. «Leider macht es mein Herz nicht mehr mit, selbst aktiv zu musizieren. Die Anstrengung dafür ist zu gross. Ich freue mich jeweils sehr, wenn ich als Zuhörer der Blasmusik frönen kann und mein Fuss dabei wie zu alten Zeiten im Takt mitwippt.» Ebenso leidenschaftlich wie der Musik und dem Mosten widmete er sich der Motorfliegerei. Im Jahre 1965 machte er den Motorflugschein und flog danach in seiner Freizeit über 30 Jahre über die Schweiz und ins benachbarte Ausland.

«Ein grosses Erlebnis war für mich, als ich zusätzlich in den USA den amerikanischen Motorflugschein machte. Dazu musste ich erst Englisch lernen, zumindest das Fliegerenglisch. Das war natürlich die erste Hürde», erzählt Hans Heeb ganz bodenständig aus dieser Zeit. Mittlerweile hat er auch das Fliegen aus Altersgründen an den Nagel gehängt – geblieben ist ihm noch das letzte M – die Mosterei. «So lange es meine Gesundheit noch zulässt, werde ich die Mosti zusammen mit meinem Bruder und meinem Neffen weiterhin betreiben», hält er fest und wendet sich wieder seiner Mosti zu, während sein Bruder Robert fröhlich pfeifend in Gummistiefeln einen grossen Kübel mit dem Gartenschlauch reinigt. Der nächste Obstbauer fährt seinen mit roten Äpfeln beladenen Anhänger zum Abladen an die richtige Stelle und wird mit einem lautstarken «Hoi» der Heeb-Brüder begrüsst. Schon bald fliessen die nächsten Liter Most aus der Presse.

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