Hanfbauer aus der Region Werdenberg-Sarganserland drohte, fluchte und biss einen Polizisten

Als die Polizei seine Hanfplantage entdeckte, war es um die Contenance eines Sozialhilfebezügers geschehen.

Drucken
Teilen
Die Polizisten entdeckten eine Indoor-Hanfplantage mit 60 Pflanzen, die kurz vor der Ernte standen.

Die Polizisten entdeckten eine Indoor-Hanfplantage mit 60 Pflanzen, die kurz vor der Ernte standen.

Symbolbild: Christian Beutler/Keystone

(rem) Die Beamten staunten nicht schlecht, als sie bei dem Hilfsarbeiter zu Hause eine adrette Indoor-Hanfplantage entdeckten. 60 Pflanzen standen kurz vor der Ernte, gemeinsam gepflegt mit Hilfe eines Kollegen, mit dem der Mittfünfziger denn auch den Gewinn teilen wollte. Die Hausdurchsuchung verlief anfänglich ruhig.

Doch als die Staatsanwaltschaft 500 der 2000 aufgefunden Franken zur Kostensicherung einziehen wollte, eskalierte sie. Der Mann lief aggressiv herum, rief aus, liess sich nicht beruhigen und bedrohte zunehmend die Anwesenden. Schliesslich mussten ihn drei Polizisten arretieren, dabei wehrte er sich so heftig, dass er einem Beamten durch die Hose ins Bein biss.

«Hey, die Kohle muss wieder auf den Platz»

An Schranken zeigte er sich jetzt aber ahnungslos. «Ich weiss nicht, was Sie meinen?», konterte er auf die Frage der Richterin des Kreisgerichts Werdenberg-Sarganserland, warum die Sache denn derart aus dem Ruder laufen konnte. Von ihm sei keinerlei Drohung oder Gewalt ausgegangen. Erst als man ihm sein Geld habe wegnehmen wollen, habe er gerufen «Hey, die Kohle muss wieder auf den Platz».

Dann sei er hinterrücks gepackt worden und habe sich – logisch – wehren müssen. Das Ganze sei eine böse Intrige, betonte er, man habe ihn reinlegen wollen, dabei habe er doch nur ein bisschen was für eine Party angebaut. Aber eine Krähe hacke der andern halt kein Auge aus, seufzte er mit Blick auf die Staatsmacht. «Jedes Tierli darf sich wehren und mir hat man den Anwalt verweigert», sah er sich gar als Opfer.

«Ich verdiene Genugtuung»

Dumm nur, dass man ihn auch noch beim Autofahren unter Drogeneinfluss erwischt hatte. Dabei hatte er den Grenzwert um fast das 20-fache überschritten. Von Fahrunfähigkeit wollte er aber nichts wissen. «Ich war fahrfähig», foutierte er sich um den Grenzwert, der gälte für ihn nicht.

Im Übrigen sei es nicht in Ordnung, dass Marihuana illegal sei. Es stehe doch in jeder Zeitung, dass es unschädlich sei, deklamierte er erregt, vermochte aber nicht zu belegen, aus welcher Zeitung er diese Falschmeldung erfahren hatte. «Sie müssen sich auch dann an die Regeln halten, wenn Sie sie nicht einsehen, so funktioniert die Gesellschaft», wandte die Richterin ein, vergeblich.

So wollte er denn auch von einer Genugtuung gegenüber dem gebissenen Polizisten nichts wissen. «Ich müsste eine kriegen.» Die Anklage verlangte einen Schuldspruch wegen des illegalen Hanfanbaus, Gewalt und Drohung gegen Beamte, Fahren in fahrunfähigem Zustand und Drohungen gegen seine ehemalige Freundin. Sie verlangte zehn Monate Gefängnis unbedingt. Die Verteidigung hingegen kritisierte, der THC-Gehalt der Pflanzen sei nicht untersucht worden, es handle sich um legalen Industrie-Hanf. Im Übrigen habe die Polizei überreagiert, ein Würgegriff ohne Ankündigung sei unverhältnismässig und forderte im Wesentlichen Freisprüche.

Knapp Bewährung gewährt

Das Gericht sprach ihn dennoch schuldig. Zwar war ein Strafbestand, der Eigenkonsum von Drogen, bereits verjährt, sodass hier eine Einstellung verfügt wurde, in der Hauptsache sei die Schuld aber erwiesen, hiess es. Es verhängte dafür acht Monate Haft, bedingt auf fünf Jahre. Dies, weil in objektiver Sicht die Voraussetzungen für «bedingt» knapp gegeben seien.

Die Unterscheidung zwischen legalem Industriehanf und der stark THC-haltigen Droge habe es zum Tatzeitpunkt noch nicht gegeben. Aber selbst wenn, so hätte er den Anbau jedenfalls vorab melden müssen. Die Drogenautofahrt sei ein weiteres Indiz. Und die geplante «Party» hätte ohne echtes THC wohl auch nicht an Fahrt aufnehmen können. Die Zivilforderungen wurden auf den Zivilweg verwiesen, die Verfahrenskosten belaufen sich auf knapp 20000 Franken und sind vom Verurteilten zu tragen.