Handmaschinenstickerei bestimmte einst das Leben in Grabs

Am Montag der offenen Türe im Sticklokal Grabs vernahmen die Interessierten viel Wissenswertes.

Hansruedi Rohrer
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Monika Bollhalder zeigt Arbeit und Funktion an der alten Handstickmaschine.

Monika Bollhalder zeigt Arbeit und Funktion an der alten Handstickmaschine.

Bild: Hansruedi Rohrer

Am Montagnachmittag wurde das Sticklokal an der Vorderdorfstrasse für die Öffentlichkeit wieder einmal zugänglich gemacht. Der Verkehrsverein Grabs, der das Sticklokal betreut, lud ein, die Atmosphäre der Handstickerei von einst einen Augenblick lang zu erleben. Die Stickerinnen Monika Bollhalder aus Unterwasser und Angelika Zoller aus Grabs setzten sich dabei an die grosse Maschine und zeigten damit, wie die Handstickerei das Dorfleben einst über Jahrzehnte bestimmte. Es ist eine der letzten Handstickmaschinen – ein Saurer-Modell aus dem Jahr 1908 – die hier noch funktionsfähig ist. Sie stammt von Kaspar und Margarethe Vetsch-Stricker.

Maschine der Gemeinde vermacht

Das Ehepaar stickte bis kurz vor dem Tod des Ehemannes im Jahr 2007 in ihrem Heim bei der Erlenbrücke in Grabs. Die Maschine wurde der Politischen Gemeinde vermacht. Zu erfahren gab es noch mehr allerhand Wissenswertes über diesen damaligen Industriezweig. In Funktion und Gebrauch sind im Lokal ebenfalls die dazugehörenden Fädelmaschinen.

Hier bedient Angelika Zoller die Fädelmaschine vom Typ Levy.

Hier bedient Angelika Zoller die Fädelmaschine vom Typ Levy.

Bild: Hansruedi Rohrer

Grabs war ein ausgesprochenes Stickerdorf

Zwischen 1880 und 1920 brachte die Stickereiindustrie mit ihren mechanischen Stickereien und auch den zahlreichen Einzelstickern eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. In Grabs wurde sogar eine der ersten Stickfachschulen (1894–1931) der Schweiz eröffnet.

Eine Handstickmaschine kostete damals rund 2200 Franken; der Tagesverdienst eines Stickers betrug lediglich Fr. 2.50. Im Jahre 1910 standen im Werdenberg 1557 Stickmaschinen, davon ein Drittel in Grabs. Eine Handstickmaschine ersetzte die Arbeit von etwa 40 Stickerinnen. 1900 brachte die Fädelmaschine eine grosse Erleichterung für die Frauen, deren Aufgabe das Einfädeln war. Aber nach dem Niedergang der Branche folgte in der Zwischenkriegszeit eine schwere Krise. Die Handstickmaschinen nannte man nur noch «Hungerorgeln». Zwischen April und Juni 1923 wurden zwischen Altstätten und Vilters 250 Stickmaschinen demoliert und entsorgt.