«Du gibst mir das Zeug oder du stirbst» – Haftstrafen für junge Liechtensteiner Drogendiebe

Nach einem filmreifen Drogendiebstahl in Eschen mussten sich die Täter am Mittwoch vor dem Jugendgericht verantworten.

Bettina Stahl-Frick
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Auf Grund der Coronakrise wurde die Verhandlung in den Vaduzer Saal verlegt.

Auf Grund der Coronakrise wurde die Verhandlung in den Vaduzer Saal verlegt.

Bild: PD

Eine 16-Jährige schoss einem 19-Jährigen bei einem Drogenhandel Ende Januar in Eschen mit einer Gasdruckpistole auf den Kopf. Sie und ihre Komplizen flüchteten mit Marihuana und dem Hustensirup Makatussin.

Erst lief alles wie geplant: Ein Dealer wollte zirka 500 Gramm Marihuana, 20MDMA-Pillen und elf Flaschen Makatussin an jenem Abend des 20.Januars in Eschen an eine Jugendliche und zwei junge Männer übergeben. Es kam zu diesem ausgemachten Treffen. Was dann allerdings geschah, gleicht einer unschönen, aber filmreifen Szene: Die drei Abnehmer umzingelten den Dealer und seinen Begleiter und schufen so eine Drohkulisse. Zwei von ihnen hielten dem Dealer zudem jeweils ein Messer hin, während der Dritte in diesem Abnehmer-Bunde den Begleiter des Dealers gewaltsam zu Boden führte und diesen dort fixierte.

«Du gibst mir das Zeug oder du stirbst»

Währenddessen richtete die Jugendliche eine Schreckschusspistole gegen den Dealer und drohte mit den Worten: «Wir regeln das jetzt so: Du gibst mir das Zeug oder du stirbst.» Als der Dealer dennoch die Übergabe verweigerte, feuerte die Jugendliche einen Schuss mit einer Gasdruckpistole mit Pfefferreizgas gegen das Gesicht des Dealers ab und schlug diesem anschliessend mit dem Griff der Pistole gegen die linke Schläfe, wodurch er eine Rissquetschwunde erlitt.

Sie entriss dem Dealer dann die Tasche mit den Betäubungsmitteln, während ein Mittäter den Dealer nun ebenfalls zu Boden brachte. Die beiden weiteren Mittäter nahmen den Begleiter des Dealers in den Schwitzkasten. Der Dealer versuchte noch, wieder an die Drogen zu gelangen, was zu einem Handgemenge führte, in dessen Verlauf der Dealer erneut zu Boden ging, während die Tasche mit den Betäubungsmitteln zerriss. Die männlichen Mittäter sammelten die aus der Tasche gefallenen Drogen ein und begaben sich zum Fluchtfahrzeug, während die Jugendliche erneut einen Schuss abgab, um den Dealer an der Verfolgung zu hindern.

Von der Verhandlung ausgeschlossen

So steht es nicht etwa in einem Filmdrehbuch, sondern im Strafantrag der liechtensteinischen Staatsanwaltschaft. Den Medien blieb es auf Grund der Coronakrise am Mittwoch verwehrt, die Verhandlung vor dem Jugendgericht mitzuverfolgen.

Auch fand diese Verhandlung nicht wie gewöhnlich in einem Saal des Gerichtsgebäudes statt, sondern im Vaduzer Saal – unter Einhaltung der Hygienevorschriften, wie es vom Pressesprecher des Landgerichts, Michael Jehle, hiess.

Teilbedingte Gefängnisstrafen

Am Ende der Verhandlung informierte Jehle am Mittwochabend schriftlich, dass die Jugendliche sowie die beiden männlichen Mittäter allesamt zu – wenn auch teilbedingten – Gefängnisstrafen verurteilt worden sind. Ebenso der dritte Mittäter, der während der Tat im Fluchtfahrzeug blieb, «bei dem aber davon ausgegangen wurde, dass er im Wissen um die geplante Tatbegehung und damit als Beitragstäter handelte», wie Jehle mitteilt.

Alle Angeklagten wurden schliesslich wegen des Verbrechens des schweren Raubes verurteilt. Die Jugendliche erhielt eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten und eine Busse von 750Franken. Das Jugendgericht sprach die Gefängnisstrafe im Umfang von 20 Monaten teilbedingt für eine Probezeit von drei Jahren aus. Das heisst, zehn Monate davon muss sie noch im Gefängnis absitzen. Die Vorhaft wird der Jugendlichen angerechnet. Die Jugendliche wurde nach der Tat verhaftet, kurz darauf aber wieder freigelassen.

16-Jährige war zweimal in U-Haft

Weil sie aber gegen die Weisungen des Gerichts verstiess, wurde die mittlerweile 16-jährige Jugendliche vor rund zwei Wochen erneut in U-Haft genommen. So verbleiben noch zirka neun Monate, die die 16-Jährige hinter Gittern verbringen muss.

Die beiden am Raub unmittelbar beteiligten Mitangeklagten erhielten jeweils Freiheitsstrafen von 36 Monaten und Bussen in Höhe von 500 Franken. Die Strafen wurden im Umfang von je 24 Monaten teilbedingt für eine Probezeit von drei Jahren nachgesehen. Auch sie müssen also noch rund ein Jahr hinter Gittern verbüssen.

Der dritte Mittäter, der Fahrer des Fluchtfahrzeuges, erhielt als Beitragstäter eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten, diese Strafe wurde im Umfang von 16Monaten teilbedingt für eine Probezeit von drei Jahren nachgesehen. Auch er bleibt folglich noch für acht Monate hinter Gittern.

In unterschiedlichem Mass geständig

Zur Strafzumessung konnte Michael Jehle keine detaillierten Informationen geben. Nur so viel: Alle Angeklagten waren bislang unbescholten, die drei Mitangeklagten waren zudem noch unter 21 Jahre alt, ferner waren alle Angeklagten – zwar in unterschiedlichem Mass – geständig. «Erschwerend war aber das Zusammentreffen mehrerer strafbarer Handlungen», wie Jehle in seiner Mitteilung schreibt. Bei der Jugendlichen war noch die bestimmende Rolle, beim Fluchtfahrer dagegen die untergeordnete Rolle zu berücksichtigen.

Ferner wurden die Forderungen der Privatbeteiligten – der Dealer und sein Begleiter – auch teilweise im Rahmen von Schmerzensgeld, beziehungsweise Genugtuung zugesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.