Haft, Landesverweis und hohe Kosten: Drogen-Fund im Zug zwischen Buchs und Sargans entlarvt einen Profidieb

Ein slowenischer Bote, der in zwei Chips-Dosen Kokain in die Schweiz gebracht hat, stand in Mels vor dem Kreisgericht und erhielt eine mehr als zweijährige Haftstrafe sowie einen zehnjährigen Landesverweis. Er war bereits wegen gewerbsmässigen Diebstahls ausgeschrieben.

Reinhold Meier
Merken
Drucken
Teilen
Nicht wie hier in einem Koffer, bei einem Fund im Jahr 2009, sondern in zwei Pringles-Chips-Dosen, hat der Angeklagte 200 Gramm Kokain im Night-Jet über Buchs in die Schweiz transportiert.

Nicht wie hier in einem Koffer, bei einem Fund im Jahr 2009, sondern in zwei Pringles-Chips-Dosen, hat der Angeklagte 200 Gramm Kokain im Night-Jet über Buchs in die Schweiz transportiert.



Symbolbild: Kapo Zürich / LTA

Auch innerhalb des freizügigen Schengenraums gibt es funktionierende Grenzkontrollen. Das belegt der Fall des 28-jährigen slowenischen Bautechnikers, der 200 Gramm Kokain in die Schweiz schmuggeln wollte.

Zu diesem Zweck hatte er in Wien den Night-Jet-Zug von Budapest nach Zürich bestiegen. Dabei führte er Rauschgift mit einem hohen Reinheitsgrad von 70 Prozent in zwei Pringles-Chips-Dosen versteckt mit sich.

Zwischen Sevelen und Trübbach fanden die Zollbeamten die rohrförmigen Verpackungen mit dem gefährlichen Inhalt. In Sargans übernahm die Polizei, seitdem sitzt er im Gefängnis, das er an Schranken lautstark als «Katastrophe» beschrieb.

Bereits wegen gewerbsmässigen Diebstahls ausgeschrieben

Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass er bereits wegen gewerbsmässigen Diebstahls ausgeschrieben war, begangen bei einem ersten Besuch der Schweiz im Raum Basel/Aargau.

Dabei brach er in Imbissbuden und Baufirmen ein, wo er Lebensmittel und Werkzeuge mitnahm, wie ihm die Anklage vorwarf. Neben Bildern, Dönerfleisch, Linzertorten, Muttertagsherzli und Mohrenköpfen soll er auch Bohrhämmer, Winkelschleifer und Nivellierinstrumente mitgenommen haben.

Alle Einbrüche erfolgten in einem eng begrenzten Raum, innert kurzer Zeit und es wurden erdrückend viele DNA-Spuren gesichert, entweder an den Tatorten oder am Diebesgut. Zudem schlugen der Diebstahl von E-Bikes im Wert von 52'000 Franken und der eines Autos im Wert von 20'000 Franken zu Buche.

«Hat wohl jemand bei mir abgelegt»

An Schranken gestand er zwar die Einfuhr des Kokains ein, bestritt aber, etwas vom Inhalt der Chips-Dosen geahnt zu haben. Ein Unbekannter habe ihn auf einer Parkbank in Wien angesprochen und ihm 5000 Franken für den Transport versprochen. Da er Geld brauchte, habe er den Service gerne übernommen und sich kein Gedanken über den Inhalt der Dosen gemacht.

Auch von den Einbrüchen wollte er nichts wissen. Das Diebesgut habe er entweder von Dritten erhalten, gefunden, geschenkt oder untergejubelt erhalten, hiess es. So sei der vermeintliche Autoklau in Wahrheit eine Dienstleistung für den Besitzer gewesen, dem er das Fahrzeug nach Belgrad verbracht habe.

Und warum man einen Velocomputer, just von den geklauten E-Bikes, ausgerechnet in seiner Wohnung gefunden habe, könne er sich auch nicht erklären. «Hat wohl jemand da abgelegt».

Über das unerträgliche Gefängnis beklagt

Die Mitteilung, dass die Werkzeuge derweil ihren früheren Besitzern zurückgegeben worden seien, quittierte er mit dem Ausruf: «Das ist Diebstahl». Sie gehörten ihm und er könne nicht fassen, wie man mit ihm verfahre. Auch das Gefängnis sei unerträglich, er habe kein TV in seiner Landessprache, keine Kontakte und habe deshalb eigens konsularischen Beistand beantragt.

Die Verteidigerin plädierte ganz auf seiner Linie und forderte Freisprüche von den meisten Diebstählen sowie vom schwersten Delikt, dem «Verbrechen» gegen des Betäubungsmittelgesetz. Die Einfuhr des Kokains sei nur als «Vergehen» zu werten, somit minderschwer und rechtfertige bloss eine bedingte Haftstrafe von neun Monaten, keinesfalls aber einen Landesverweis.

Eine dichte Kette an Indizien

Das Gericht folgte jedoch vollumfänglich dem Antrag der Anklage. Es gelangte zur Überzeugung, dass die Taten in der Summe aller Indizien zweifelsfrei erwiesen seien. Alle Einbrüche wiesen Bezüge zum Beschuldigten auf, zudem sei er gewerbsmässig vorgegangen.

Und die Behauptung, er habe nicht ahnen können, was sich in den Chipsdosen befand, sei angesichts des Schmuggellohns von 5000 Franken kaum glaubwürdig.

26 Monate Haft, Landesverweis und hohe Kosten

So setzte es 26 Monate Haft unbedingt, dazu einen zehnjährigen Landesverweis. Eine bedingte Geldstrafe von 2017 wurde zudem als vollziehbar erklärt. Sie schlägt nun nebst den Verfahrenskosten von rund 30'000 Franken zu Buche, dazu kommen Zivilforderungen in Höhe von 13'500 Franken.